Unternehmen Oettinger warnt vor europaweiten Folgen des Gasstreits

Ein Gazprom-Arbeiter kontrolliert in der Station Sudzha nahe der ukrainischen Grenze die Gasleitung.

Ein Gazprom-Arbeiter kontrolliert in der Station Sudzha nahe der ukrainischen Grenze die Gasleitung. © picture alliance / dpa

Ein Kompromiss im Gasstreit zwischen Moskau und Kiew ist vorerst gescheitert. Der russische Energiekonzern Gazprom will das Land jetzt nur noch gegen Vorkasse beliefern - und hat die Gaslieferungen am Morgen eingestellt. EU-Energiekommissar Günther Oettinger warnt vor möglichen Konsequenzen für Europa.

Der Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland könnte sich nach Ansicht von EU-Energiekommissar Günther Oettinger im Winter europaweit auswirken. „Wenn die Speicher jetzt nicht gefüllt werden, bekommen wir alle im Winter möglicherweise ein Problem“, sagte Oettinger am Montag in Wien. Er werde deshalb darauf dringen, dass die Gaswirtschaft die momentan etwas mehr als halbvollen Speicher fülle.

Russland hatte am Montag die Gaslieferungen an die Ukraine eingestellt, weil diese ihre Rechnungen nicht bezahlt hat. In der Nacht waren erneut mehrstündige Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine unter Vermittlung von EU-Energiekommissar Günther Oettinger ohne Ergebnis beendet worden. Das Land erhalte jetzt nur noch so viel Gas, wie es vorab bezahle, teilte der russische Staatskonzern Gazprom mit. Die Schulden der Ukraine aus Gaslieferungen belaufen sich nach Angaben von Gazprom inzwischen auf 4,458 Milliarden US-Dollar (3,290 Milliarden Euro).

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Die Ukraine ist das wichtigste Transitland für russische Gaslieferungen in die EU. Die Hälfte der russischen Gasexporte nach Europa wird über Leitungen (Pipelines) durch die Ukraine abgewickelt. Deutschland deckt mehr als ein Drittel seines Gasbedarfs aus Russland.

Moskau warnt vor Engpässen in Europa

Moskau warnte die Europäische Union vor möglichen Engpässen. Es könne Probleme geben, wenn die Ukraine für den Transit bestimmtes Gas für den Eigengebrauch abzweige, erklärte der russische Staatskonzern Gazprom.

Oettinger zeigte sich überzeugt, dass Russland trotzdem zu seinen Lieferverpflichtungen gegenüber der EU stehen werde. Aus seiner Sicht ist eine Einigung weiter erreichbar. Er werde nach einer Sondierungsphase erneut zu trilateralen Gesprächen einladen: „Keine Einigung hilft niemandem.“

Gasspeicher in Deutschland sind gut gefüllt

Die Ukraine selbst werde sicher ebenfalls zu ihren Verpflichtungen stehen, das Gas nach Europa zu leiten, sagte Oettinger weiter. Das Land habe aktuell etwa knapp die Hälfte seines jährlichen Gasbedarfs in Speichern vorrätig. „Die Ukraine zu ertüchtigen, einen Vorrat anzulegen, ist ein Gebot der Stunde.“

In Deutschland sind die 51 Gasspeicher derzeit zu fast 75 Prozent gefüllt. Das dürfte nach Einschätzung von Experten für mehrere Monate reichen. Die Bundesregierung sieht die deutsche Gasversorgung durch die Eskalation des Streits aktuell nicht gefährdet.

Im Winter übersteigt der Bedarf in Europa oft die russischen Produktionskapazitäten. Daher hat die EU enorme Speicher angelegt, die voll befüllt rund 80 Milliarden Kubikmeter Gas bevorraten können.

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