Unternehmen Online-Shop: Drogerie-Kette dm traut sich ins Netz

Erich Harsch, Vorsitzender der Geschäfsführung der Drogeriemarktkette dm kann sich nach dem Test in Österreich auch einen Onlineshop in Deutschland vorstellen.

Erich Harsch, Vorsitzender der Geschäfsführung der Drogeriemarktkette dm kann sich nach dem Test in Österreich auch einen Onlineshop in Deutschland vorstellen.© picture alliance / dpa

Deo, Windeln und die Nachtcreme aus dem Internet: Der deutsche Drogeriemarkt-Riese dm startet nun auch einen Online-Shop. Der Kunde will es so. Ob das auch einmal profitabel sein wird, spielt vorerst eine untergeordnete Rolle.

Jetzt tun sie es doch. Nach langem Zögern und einem gescheiterten Versuch mit Amazon traut sich die Drogeriemarkt-Kette dm mit einem eigenen Online-Shop in die digitale Welt. Am Dienstag gab der deutsche Branchenprimus mit Sitz in Karlsruhe bekannt, im Frühsommer mit nahezu dem gesamten Sortiment ins Netz zu gehen. Von den umsatzstärksten deutschen Handelsunternehmen sind damit nur noch Aldi-Süd und Aldi-Nord ohne Online-Shop, sagt Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln.

Die Karlsruher haben lange gewartet – verständlicherweise, wie Lars Hofacker, Leiter des Forschungsbereichs E-Commerce am EHI Retail Institute, meint: „Der Online-Markt wird immer härter. Dort Gewinn zu machen, ist sehr schwierig.“ Genaue Zahlen dazu gebe es nicht. „Aber wenn man bei Drogeriewaren einen Online-Shop isoliert rechnet, ist es fast unmöglich, damit Geld zu verdienen“, erklärt Hudetz.

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Generell ist schon der Eintritt in die Online-Bestellwelt aufwendig: Eine professionelle Shop-Lösung muss her, die Seite muss mit Bildern gefüttert, der Shop in den sozialen Netzwerken begleitet werden. Ruckzuck ist nach Hudetz‘ Worten ein mindestens sechsstelliger Betrag weg – und die langfristigen Kosten dürften wesentlich höher liegen. „E-Commerce ist viel teurer als früher, viel kapitalintensiver und die Kundenerwartung viel größer“, betont auch Hofacker.

Die Kosten sind die eine Seite. Auf der anderen Seite steht der Nutzen, eben nicht nur stationär, sondern auch online vertreten zu sein und damit die Kunden an sich zu binden. „Die Nachfrage unserer Kunden wurde immer größer“, sagt dm-Chef Erich Harsch. Nachdem dm in Österreich seit einem Jahr einen Online-Shop testet, sei der Konzern der Meinung, sich auch in Deutschland solide aufstellen zu können.

Onlineshop trotz niedriger Verdienstmargen

Die Verdienstmargen in der Drogeriebranche seien zwar klein, sagt Hudetz. Außerdem beträgt der Online-Anteil am Drogeriewarenmarkt nach IFH-Angaben erst 5,2 Prozent, bei Lebensmitteln sogar nur 1 Prozent. „Aber gerade deshalb ist da noch ordentlich Luft nach oben“, sagt er.

Nach Meinung des Handelsexperten Ingmar Böckmann vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BeVH) werden diese Segmente sogar überdurchschnittlich wachsen. Drogerieartikel seien weniger Teil eines Einkaufserlebnisses, sondern dienten der Bedarfsdeckung: „Das lässt sich online fantastisch abdecken.“ Den vielbeschworenen Kampf zwischen Online auf der einen Seite und Stationär auf der anderen gebe es ohnehin nicht: „Das Internet ist das Medium, das die Transparenz erhöht hat – das macht beiden Seiten zu schaffen.“

Der Karlsruher dm-Konzern gibt sich dazu erst einmal zurückhaltend. „Wir wissen noch nicht wirklich, wie der Kunde reagieren wird“, sagt dm-Chef Harsch, dessen über 1600 deutsche Märkte im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als sechs Milliarden Euro Umsatz machten. „Es wird sich kaum der halbe Kundenstamm jetzt in den Online-Shop verabschieden.“ Online- und Offline-Welt – sie sollen sich einfach ergänzen.

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