Branchen und Märkte Vasenalarm im Möbelhaus

Typische Spontankauf-Objekte: Wohnaccessoires wie Vasen bringen Möbelhändlern Umsatz.

Typische Spontankauf-Objekte: Wohnaccessoires wie Vasen bringen Möbelhändlern Umsatz.

Vasen, Kissen oder Bratpfannen gelten als lukratives Zusatzgeschäft für Möbelhäuser. Doch der Onlinehandel bedroht nicht nur dieses Geschäftsmodell. Die Branche steht vor einem Umbruch.

Mit der Möbelbranche gerät eine weitere Bastion des deutschen Einzelhandels in den Sog des Internetshoppings. Über die Auswirkungen des Wandels streiten die Experten. Die Schätzungen reichen von einem geruhsamen Umbau bis zu einer stürmischen Umwälzung.

Experten gehen davon aus, dass derzeit nur ein vergleichsweise geringer Anteil des Gesamtumsatzes des deutschen Möbel- und Küchenhandels von gut 31 Milliarden Euro im Internet erzielt wird – aber das könnte sich bald ändern.

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Lukratives Zusatzgeschäft mit Wohnaccessoires bedroht

In Gefahr geraten könnte dabei das lukrative Geschäft mit Wohnaccessoires wie Vasen oder Kerzenhaltern. Vasen gelten als beliebte Klassiker unter den Spontankäufen beim Besuch eines Möbelhauses. Wer es schafft, die Kasse ohne neue Blumenvase zu passieren, hat nach Beobachtungen von Handelsfachleuten vielleicht eine neue Bettdecke oder Bratpfanne im Gepäck.

Derartiges Wohnzubehör gilt in der Branche nicht etwa als zu vernachlässigender Kleinkram, sondern als lukratives Zusatzgeschäft in einem hart umkämpften Markt. Mit dem Vordringen des Onlinehandels wachsen nun die Befürchtungen vor einem Ausbleiben der Spontankäufer.

„Wer sucht im Internet schon gezielt nach einer neuen Vase?“, fragt der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung, Kai Hudetz. „Bei vielen Dekosachen muss der Kunde erst vor Ort merken, dass er sie gern hätte“, beschreibt Hudetz den Effekt.

Ikea verkauft viele Wohnaccessoires – aber wenig im Internet

So hat der deutsche Möbelhausprimus Ikea im vergangenen Jahr nach Schätzung von Experten mehr als die Hälfte des Umsatzes von 4,12 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2014/Stichtag 31.8.) in seinen derzeit 49 deutschen Einrichtungshäusern mit Wohnaccessoires erwirtschaftet. Offiziell macht das Unternehmen dazu jedoch keine Angaben.

Der Anteil des Onlineumsatzes am Gesamtumsatz fällt bei Ikea mit 145 Millionen Euro gering aus. Immerhin konnte der Primus unter den deutschen Möbelhändlern seinen Onlineumsatz im vergangenen Jahr aber um 58,4 Prozent steigern.

Geht die Ära der Möbelpaläste zu Ende?

Deutlich weniger pessimistisch sieht dagegen der Verband der deutschen Möbelindustrie den Trend zum Onlinehandel. „Ich glaube, der Handel fängt an, sich dem Thema zu stellen“, sagt Geschäftsführer Dirk-Uwe Klaas. Kritisch sehen die deutschen Hersteller allerdings die Flut von Sonderangeboten, mit denen vor allem große Möbelhäuser ihr Kunden locken wollen.

Deren Siegeszug könnte allerdings im Online-Zeitalter ohnehin zu Ende gehen.“Ich glaube, dass Großflächenformate sehr stark unter Druck geraten“, sagt Hudetz. Der Experte geht davon aus, dass viele der neuen Möbelpaläste bei einer richtigen Einschätzung der Online-Entwicklung so nicht mehr gebaut worden wären.

Experten sehen jeden dritten Möbelladen vor dem Aus

In einem von Hudetz miterarbeiteten Thesenpapier des Kölner Instituts für Handelsforschung IFH gehen Experten davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren jeder dritte der bundesweit knapp 28.000 Läden für Möbel und Einrichtungszubehör vor dem Aus stehen könnte. Überleben könnten nur Händler mit einer „umfassenden Digitalstrategie“, heißt es.

Beim deutschen Möbelhandel sieht man die Lage dagegen weniger dramatisch. „Bei uns klingeln nicht die Alarmglocken“, sagt André Kunz, Geschäftsführer des Möbelhandelsverbands BVDM. Ohne Beratung werde es auch weiterhin nicht gehen. Auch der Handelsverband rechnet jedoch mit einer weiteren Konzentration in der Branche. Von derzeit 9000 Möbelläden in Deutschland werden nach Schätzung des Verbands bis 2020 rund 500 bis 600 Geschäfte schließen.

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