Unternehmen Onlineshops: „Wer etwas sucht, schaut heute zuerst im Internet“

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Eine Homepage sollte gut geplant und klar strukturiert werden - egal ob sie als Visitenkarte mit Kontaktdaten dient oder sogar als Online-Shop des Unternehmens.

Eine Homepage sollte gut geplant und klar strukturiert werden - egal ob sie als Visitenkarte mit Kontaktdaten dient oder sogar als Online-Shop des Unternehmens.© ronstik - Fotolia.com

Zu teuer, zu aufwendig, zu kompliziert: Fragt man kleine Unternehmen, warum sie keine Web-Präsenz haben, sind die Antworten eindeutig. Aber ist ein Online-Auftritt wirklich mit so viel Mühen verbunden? Wie eine Bäckerei sich erfolgreich im Netz behauptet.

Der Online-Handel erlebt ein ungebrochenes Wachstum und die Filialen großer Modekonzerne breiten sich rasant aus. Einzelhändlern haben durch diese Entwicklung Angst um ihre Existenz, und warnen mit Kampagnen vor Webshops. Über den impulse-Artikel „Kleine Läden, großer Protest“ wurde intensiv auf den Social-Media-Kanälen diskutiert. Welche Nachteile und welche Chancen bieten sich für Einzelhändler im Internet? Die Meinungen darüber gingen weit auseinander:

Das Backparadies Kissel schrieb: „Wir als kleine Handwerksbäckerei versuchen, die Tradition mit der Moderne in Verbindung zu bringen. ( …) Wenn die Kunden nicht zu uns kommen, müssen wir versuchen, zu ihnen zu kommen. Dieser moderne Kundenkontakt kann trotzdem auf sehr individuelle, um nicht zu sagen familiäre, Art und Weise von statten gehen.“

Gründercoaches Deutschland entgegnete: „Dass die kleinen Händler sich mal ums Internet kümmern sollen, ist ja wohl ein kleiner Scherz. Wer soll denn diesen Onlineshop finden? Diese Unternehmen haben auch nicht das Budget, um sich die Werbeplätze zu kaufen und signifikante Umsätze zu erzielen. Die einzigen, die bei diesem Geschäft verdienen, sind die Agenturen, die die Shops umsetzen.“

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Wie hat es also „Backparadies Kissel“ ins Internet geschafft? impulse hat bei Geschäftsführerin Petra Kunz nachgefragt. Im Gespräch erzählt die Unternehmerin, wie sie 2010 die eigene Homepage für die kleine Familienbäckerei in Rheinland-Pfalz aufgesetzt hat, warum sie im Netz eine große Chance sieht und den kritischen Kommentaren auf Facebook nicht zustimmen kann.

Die Suche nach dem richtigen Partner für die Website

Nach Telefonaten mit zehn Agenturen ist die Entscheidung gefallen. Petra Kunz hat sich für eine kleine Agentur entschieden, die zufällig nur drei Ortschaften weiter ihren Sitz hat. „Zwischen den Agenturen gibt es himmelweite Unterschiede. Deshalb war es eine Überraschung, dass es bei uns in der Nähe Kleinunternehmen gibt, die so etwas können“, erzählt Kunz. Das Bauchgefühl bei dieser kleinen Agentur habe gepasst. „Sie haben verstanden, wovon ich spreche, was meine Ziele für die Homepage eines kleinen Familienbetriebs sind.“

Es sollte keine komplizierte Seite werden, sondern eine einfache, gut funktionierende Präsenz, die auch die individuelle und familiäre Geschäftsidee der Bäckerei wiedergebe. Gestaltung, Verlinkung und Keyword-Optimierung sollte die Agentur übernehmen. „Ich hatte auch keinen Business-Plan, den ich von A bis Z abgearbeitet habe. Vielmehr habe ich dem Bauchgefühl vertraut.“ Auch die inhaltliche Planung sei pragmatisch gewesen. „Texte und Fotos für die Homepage habe ich 2010 selbst zusammengesucht, ein Familienfoto, Infos zu den Brotspezialitäten und Öffnungszeiten. Es ist dann aber doch viel Material zusammengekommen und nach knapp vier Monaten war die Website fertig“, sagt Petra Kunz. 1200 Euro hat das Aufsetzen der Seite durch die Agentur gekostet. Nicht viel, wenn man bedenke, wie teuer eine Ladeneinrichtung, Miete und Strom für ein richtiges Geschäft sei.

„Acht bis zehn Stunden die Woche arbeite ich für die Internetpräsenz“

Die Homepage vom Backparadies Kissel läuft auf Typo3. Das Content Management System kennenzulernen, sei schnell möglich gewesen. „Es ist selbsterklärend und der Rest ist Learning by doing“, ist die gelernte Hotelfachfrau überzeugt. Der Aufwand halte sich dabei in Grenzen: „Acht bis zehn Stunden die Woche arbeitete ich an der Internetpräsenz, stelle neue Texte online und kündige Aktionen an. Einen Plan mache ich immer für die nächsten zwei bis drei Wochen. Gerade auf der Startseite muss es Änderungen geben. Das merken wir auch an den Kommentaren, die Leser freut es, wenn es neue Fotos gibt. Für Facebook programmiere ich oft die Beiträge vor, um mich nicht jeden Tag einloggen zu müssen.“ Auch die Kosten seien übersichtlich: „Für das Hosting und die Keyword-Optimierung erhält die Agentur 15 Euro im Monat.“ Größere Änderungen an der Homepage würden extra abgerechnet.

Dass die Homepage schlicht und einfach zu bedienen ist, zahlt sich doppelt aus, für die Betreiber und die Kunden. „Die meisten sind über 50 Jahre alt und wollen nicht viel herumklicken und viele Häckchen setzen. Zum Bezahlen kann man Vorkasse oder Rechnung auswählen, der Versandtag ist nur donnerstags“, sagt Petra Kunz. „Man muss Mut zur Lücke haben, denn als Familienbetrieb können wir nicht jeden Tag für den Onlineverkauf produzieren. Dafür gibt es aber keine Standard-Bestellbestätigung, sondern eine individuelle e-Mail von mir für die Kunden. Der individuelle Kundenkontakt ist uns wichtig und zahlt sich aus.“

Die erfolgreiche Nische „Online-Brotversand“

Es wird nach Brot im Internet gesucht. „Die Nische Online-Brotversand funktioniert und nun muss man am Ball bleiben“, so Kunz. Rund 20 Prozent des Umsatzes mache der Onlinebrotverkauf mittlerweile aus, mit viel Potenzial nach oben. Für die wichtigsten Keywords werde die Bäckerei bei Google gut gerankt: „Bei ‚Brot Online Versand‘ und ähnlichen Suchbegriffen erscheinen wir immer unter den ersten fünf in den Google-Suchergebnissen.“

Das Internet koste trotzdem Zeit und Kraft und man müsse Ideen haben. Aber das sieht Petra Kunz pragmatisch, schließlich brauche man das alles auch im Ladengeschäft. „Die Frage ist, was mehr bringt: im Laden zu stehen oder zehn Stunden pro Woche für das Internet zu arbeiten. Der Vorteil beim Onlinegeschäft ist, dass kein Brot nach Ladenschluss in die Tonne muss. Die Planung zum Backen ist einfacher und die Ware schon bezahlt. Dazu hat der Onlineshop 24 Stunden am Tag geöffnet. Ich sehe da viele Vorteile.“

Deshalb ist Petra Kunz überzeugt, dass kleine und mittlere Unternehmen sichtbarer im Internet sein sollten. „Ich plädiere dafür, dass gerade Handwerker sich um ihre Internetpräsenz kümmern müssen. Es muss keine komplizierte Website sein. Es reicht eine Visitenkarte mit Namen und Kontaktdaten. Man muss heute auch offen sein. Denn wenn man etwas sucht, schaut man heute einfach zuerst im Internet.“

 

Tipps für den Weg ins Digitale:

  • Die richtige Agentur. Für die Suche sollte man ausreichend Zeit einplanen: Die Agentur muss verstehen, was dem Unternehmen bei der Konzeption der Homepage wichtig ist.
  • Mut zur Lücke. Die Homepage muss nicht sofort alle Bezahlfunktionen und einen 24-Stunden-Service bieten. Bei „Backparadies Kissel“ funktioniert sogar nur ein Versandtag pro Woche.
  • Einfach statt verspielt. Kunden wollen auf der Online-Shop-Seite einkaufen. Man sollte ihnen deshalb den Bestellvorgang so einfach wie möglich machen – und auf Schnörkel und verspielte Extras verzichten.
  • In Bewegung bleiben. Eine Homepage, die regelmäßig aktualisiert wird, bleibt für Kunden spannend – und lädt dazu ein, immer mal wieder vorbeizukommen. „Die Leser freut es, wenn es neue Fotos gibt“, sagt Petra Kunz.
  • Individueller Kundenkontakt. Auch wenn es mehr Arbeit bedeutet, lohnt es sich,  statt auf eine Standard-Bestellbestätigung, eine individuelle e-Mail für den Kunden zu verfassen.

 

Petra Kunz ist 39 Jahre alt und seit 2011 Geschäftsführerin des Familienbetriebs Backparadies Kissel in Reichenbach-Steegen bei Kaiserslautern. Die Bäckerei wurde 1949 von ihren Großeltern mütterlicherseits gegründet. Die Eltern und ihr Bruder arbeiten auch in dem Unternehmen. Petra Kunz ist gelernte Hotelfachfrau und hat sich darüber mit dem Internet beschäftigt. Für sie war 2010 klar: „Wir brauchen jetzt eine Homepage, in zehn Jahren müssen wir damit nicht mehr anfangen.“
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