Unternehmen Opec-Jahrestreffen: Der Kampf um den längeren Hebel

Günstige Ölpreise trieben die Inflation in Deutschland nach unten (im Bild: eine Ölraffinerie)

Günstige Ölpreise trieben die Inflation in Deutschland nach unten (im Bild: eine Ölraffinerie)© christian42/Fotolia

Die Ölpreise sind in den vergangenen Monaten abgestürzt. Auf die Opec wächst daher der Druck, ihre Produktion zu drosseln. Das Ölkartell steht vor einer Schicksalssitzung.

Die Spannung am Ölmarkt steigt. Die Mitglieder der einflussreichen Organisation erdölproduzierender Länder (Opec) treffen sich am kommenden Donnerstag (27. November) in Wien, um ihre Förderpolitik für die kommenden Monate zu beschließen. Der Druck auf das Kartell ist immens: Seit Ende Juni sind die Ölpreise um rund 30 Prozent eingebrochen. Zuletzt lagen sie bei unter 80 US-Dollar pro Barrel. Die globale Nachfrage nach dem „Schmiermittel der Weltwirtschaft“ lahmt. Doch innerhalb der Opec kollidieren unterschiedliche Interessen der zwölf Mitglieder.

Experten gehen eher nicht davon aus, dass die Opec bei ihrem Halbjahrestreffen ihr Produktionsziel von derzeit 30 Millionen Barrel pro Tag kappt. „Lediglich eine Rücknahme der tatsächlichen Produktion auf dieses Niveau dürfte in Aussicht gestellt werden“, sagt etwa Eugen Weinberg, Energie-Analyst der Commerzbank. Da die tatsächliche Produktion des Kartells derzeit bei mehr als diesen 30 Millionen Barrel liege, entspräche das de facto einer Produktionskürzung. Mit einer solchen Entscheidung könne die Opec zudem Geschlossenheit demonstrieren, meint Weinberg.

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Innerhalb des Kartells brodelte es nämlich zuletzt erheblich. Irans Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh forderte Einigkeit unter den Mitgliedsstaaten, um den Preisverfall zu stoppen. Trotz vom Westen wegen des Atomstreits verhängter Wirtschaftssanktionen gehört die Islamische Republik derzeit zu den größten Opec-Produzenten.

Bündnis gegen den Ölpreisverfall

Das sehr stark von Öleinnahmen abhängige Mitgliedsland Venezuela ging sogar noch einen Schritt weiter. Präsident Nicolás Maduro kündigte an, ein Bündnis gegen den Ölpreisverfall schmieden zu wollen. Dabei wollte er auch Nichtmitglieder der Opec einbeziehen, in erster Linie Russland. Die rohstoffabhängigen Staatsfinanzen des Riesenreichs sind von den gesunkenen Preisen ebenfalls hart getroffen. Innerhalb der Opec hat Venezuela allerdings im Vergleich zu den großen arabischen Produzenten wenig Einfluss.

Größter „Gegenspieler“ innerhalb des Kartells dürfte dabei Saudi-Arabien sein. Das Land hatte zuletzt auf den Preisverfall nicht mit Produktionskürzungen reagiert. Im Gegenteil: Der mit Abstand größte Opec-Produzent gewährte sogar Anfang November US-Kunden einen überraschenden Sonderrabatt.

Der derzeitige Schieferölboom in den USA hatte zuletzt ein Überangebot auf dem Ölmarkt und damit die sinkenden Preise ausgelöst. Bei der Produktion von Schieferöl werden Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck in Gesteinsschichten unter der Erde gepresst, um das Öl zu lösen. Mit dem umstrittenen Verfahren werden auch schwer zugängliche Vorkommen zugänglich.

Deutliche Einschnitte bei der Fördermenge möglich

Es sehe nicht danach aus, dass Saudi-Arabien Interesse habe, den Preis zu stabilisieren, sagt Energie-Analyst Alexander Pögl vom Wiener Beratungsunternehmen JBC Energy. Etliche Experten gehen davon aus, dass der Golfstaat vor allem seine Marktanteile im Blick hat.

Will das Ölkartell das Überangebot und damit den Preisverfall kurzfristig in den Griff kriegen, müsste es nach Expertenansicht deutliche Einschnitte bei der Fördermenge machen. Die Internationale Energieagentur (IEA), in der führende Industriestaaten vertreten sind, schätzt, dass der Bedarf an Opec-Öl 2015 nur bei rund 29,2 Millionen Barrel und damit deutlich unter der derzeitigen Fördermenge von mehr als 30 Millionen Barrel liegen wird.

Gegen deutliche Einschnitte beim Kartelltreffen spricht allerdings, dass sich vor allem die arabischen Opec-Produzenten auf lange Sicht am längeren Hebel wähnen. Ab 2018 wird die Schieferölproduktion in den USA nach Ansicht des Kartells wieder abnehmen. „Die sinkenden Preise beunruhigen uns, aber grundsätzlich hat sich nicht viel geändert“, sagte Opec-Generalsekretär Abdalla El-Badri. Die Opec liefert derzeit zwar nur etwa ein Drittel des weltweiten Erdöls. Das Kartell besitzt allerdings rund drei Viertel der Reserven.

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