• Opel erwartet erneut Milliardenverlust

    Das Opel-Werk in Bochum

    Die Gegenwart ist düster, der Ausblick nebulös: Opel dürfte 2012 noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht sein. Angesichts des schwachen Marktes müssen die Kosten schnell gedrückt werden. Doch eine Einigung steht weiter aus.

    Der Ton wird rauer, die Stimmung auf allen Seiten gereizter – doch geklärt ist nach monatelangen zähen Verhandlungen um den Sparkurs bei Opel nichts. Dabei hat der kriselnde Autobauer eigentlich keine Zeit zu verlieren. Denn der Absatz geht weiter in den Keller, im Januar sank der Opel-Verkauf in Deutschland abermals um fast sechs Prozent.

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    Damit schlagen sich die Rüsselsheimer zwar deutlich besser als Peugeot, Citroën oder Ford. Doch das dürfte bestenfalls ein kleiner Trost sein. Denn an der Lage des Herstellers ändert sich nichts. Die sei so schlecht wie nie, stellte die IG Metall kürzlich fest.

    An diesem Donnerstag (14.2.) legt die US-Mutter General Motors die Zahlen für 2012 vor. Und die dürften für Opel miserabel ausfallen – noch schlechter als 2011, als GM in Europa 573 Millionen Euro in den Sand setzte. Schon im Herbst hatte der Autoriese einen operativen Verlust in Europa von bis zu 1,8 Milliarden Dollar (damals 1,4 Mrd Euro) angekündigt und gleichzeitig wenig rosig in das neue Jahr geblickt: 2013 werde nur etwas besser als 2012. Frühestens zur Mitte des Jahrzehnts rechnet GM mit einer schwarzen Null vor Sonderkosten.

    Doch dafür müssen die Kosten schnell und umfassend gedrückt werden, und das ist ein schwieriges Unterfangen. Unter anderem will Aufsichtsratschef Steve Girsky durchsetzen, dass die Mitarbeiter so lange auf Tariferhöhungen verzichten, bis Opel wieder Gewinne macht.

    Doch die Gespräche zwischen Arbeitnehmern und Management stocken.
    Die Nerven liegen offensichtlich blank, denn längst geht es nicht mehr nur um die Frage, ob die Autofertigung in Bochum Ende 2014 oder zwei Jahre später ausläuft. Das Unternehmen als Ganzes sei existenzbedroht, warnt die Tarifkommission der IG Metall bei Opel.

    Doch statt Ergebnissen dringen immer neue gegenseitige Schuldzuweisungen an die Öffentlichkeit. Die IG Metall nennt die Geschäftsführung «unverschämt». Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel wirft dem Opel-Vorstand «Kopf- und Konzeptionslosigkeit» vor und seinen Kollegen an anderen Standorten, die Fahrzeugproduktion im Ruhrgebiet zugunsten ihrer eigenen Werke opfern zu wollen. Dafür wird er von Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug abgewatscht, der Einenkels Äußerungen als «absurd» und «ausgemachten Unsinn» geißelt.

    Dass sich GM vorerst auf weitere Verluste in Europa einstellt, liegt zum Teil an dem extrem schwachen Markt. Die Probleme sind aber auch hausgemacht – und sie werden nur sehr zögerlich behoben. Während Konkurrent Ford kurzerhand drei Werke schließt und vermutlich 6200 Stellen streicht, steht die Entscheidung über den Opel-Sparkurs aus.

    Bis 2014 sind betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen ausgeschlossen, über eine Verlängerung bis 2016 wird verhandelt. Immerhin: 2012 baute Opel 2600 Stellen ab und beschäftigte zum Jahresende noch 37 400 Menschen, davon 20 300 in Deutschland.

    Opel in den USA nahezu unbekannter Verlustbringer

    Die Sicht auf Opel ist dies- und jenseits des Atlantiks völlig anders: Während die Deutschen einen emotionalen Bezug haben – etwa durch den ersten Wagen nach dem Führerschein -, ist die Marke für die Amerikaner nahezu unbekannt und schlicht ein Verlustbringer. Und diese Verluste kosten letztlich den US-Steuerzahler Geld. Denn der Staat ist nach der Rettung von GM in der Wirtschaftskrise 2009 immer noch der größte Anteilseigner mit rund 30 Prozent. In den kommenden Monaten will die Regierung komplett aussteigen.

    Viele Beobachter sind der Auffassung, dass GM ein Mitschuld an der schlechten Verfassung der deutschen Tochter trägt. Vor allem wird bemängelt, dass sich Opel nicht in Boom-Märkten wie China ausbreiten darf. GM wollte hier vor allem seine US-Marken verkaufen, allen voran Chevrolet. Umgekehrt hatte Chevrolet einen Freifahrtschein aus der Detroiter Konzernzentrale, in angestammtes Opel-Gebiet vorzustoßen.
    Der Chevrolet-Marktanteil in der EU stieg nach Zahlen der Herstellervereinigung ACEA 2012 von 1,3 auf 1,4 Prozent, während Opel und die Schwestermarke Vauxhall von 7,4 auf 6,8 Prozent verloren.

    Angesichts der vertrackten Lage ist es für GM und Opel nur ein schwacher Trost, dass auch der große Rivale Ford mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. 2012 fuhr Ford in Europa einen Vorsteuerverlust von annähernd 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Mrd Euro) ein. Für 2013 geht der Hersteller in Erwartung weiterhin schwacher Verkäufe sogar von einem Minus von rund 2,0 Milliarden Dollar aus.

    • Quelle: dpa
    • Copyright: impulse
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