Unternehmen Wie ein bayerisches Familienunternehmen zum Lieferanten des Oscar-Papiers wurde

Die Papierfabrik Gmund von Florian Kohler (Bild) liefert  seit einigen Jahren das Papier für die Kuverts, in denen die Oscar-Gewinner stehen.

Die Papierfabrik Gmund von Florian Kohler (Bild) liefert seit einigen Jahren das Papier für die Kuverts, in denen die Oscar-Gewinner stehen.© Unternehmen

Seit fünf Jahren liefert die Büttenpapierfabrik Gmund aus Oberbayern das Papier für die Kuverts, mit denen die Oscar-Gewinner in Los Angeles verkündet werden. Geschäftsführer Florian Kohler erzählt im impulse-Interview, wie er an den lukrativen Auftrag kam - und was sich dadurch in seiner Firma verändert hat.

Seit fünf Jahren liefert die Papierfabrik Gmund das Papier für die Kuverts, in denen bei der Oscarverleihung in Hollywood die Oscar-Gewinner stehen. Wie er an den Auftrag kam, erzählt er im impulse-Interview.

Herr Kohler, wie wurde ausgerechnet Ihre Papierfabrik am Tegernsee Lieferant für die Oscar-Briefumschläge in Los Angeles?

Florian Kohler: In Hollywood wurde ein neuer Designer für die Oscar-Kuverts gesucht. Die Bewerber sollten auch Vorschläge mache, wie Umschläge und Papier aussehen sollen. Einer der Kandidaten kam zu uns, nachdem er mehrere Papiersorten verglichen hatte. Schließlich reichte er mit seinem Entwurf einen unserer Bögen ein – und bekam den Zuschlag. Das war vor etwa fünf Jahren, seitdem sind wir als Lieferant in Hollywood gesetzt.

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Viele Designer stellen den Oscar-Gästen die Abendgarderobe umsonst zur Verfügung. Wie ist das bei Ihnen? Verdienen Sie an Ihrer Oscar-Produktion etwas?

Hollywood ist ein Kunde wie andere auch. Wir freuen uns natürlich über so einen prominenten Auftritt von unserem Papier. Aber ob jetzt der Designer der Oscars bei uns das Papier bestellt oder eine Druckerei aus der Gegend – das macht keinen Unterschied. Ein Umschlag in der Größe des Oscar-Kuverts kostet etwa zwei Euro, ein Notizblock mit Oscar-Papier etwa 15 Euro. Der Oscar-Designer kauft das Papier bei uns allerdings in Bögen, pro Stück kostet der knapp 11 Euro. Dann wird der Bogen in L.A. zum Umschlag gefaltet und per Hand gefertigt. Was Hollywood dann für den gesamten Umschlag zahlt, entzieht sich unserer Kenntnis.

Haben sich Ihre Qualitätsansprüche geändert, seit Sie auch für Hollywood produzieren?

In Gmund haben wir höchste Qualitätsansprüche. Jeder Bogen, der Gmund verlässt, wird per Hand geprüft. Das war schon immer so, egal ob Hollywood, BMW, Microsoft, Frau Meyer oder Müller.

Was hat Ihnen der Ruf als Oscar-Lieferant für Ihr Unternehmen gebracht?

Na ja, so langsam spricht sich das schon rum und Kunden fragen explizit danach. Uns freut es natürlich, wenn wir unser Oscar-Papier auch anderen Kunden für Hochzeitseinladungen oder Kosmetik-Verpackungen anbieten können. Manchmal besuchen uns auch Kunden, um das Oscar Papier für eine Einladung zu kaufen und entdecken dann eines unserer Baumwollpapiere, etwa für einen Geschäftsbericht eines ökologisch produzierenden Unternehmens. Das ist für uns ein sehr erfreuliches Cross-Selling, das öfter aufgrund der Oscar-Umschläge zustande kommt.

Haben Sie einen befristeten Vertrag mit der Academy Awards-Verleihung? Inwieweit würde es Ihr Geschäft beeinflussen, wenn Sie die Oscars als Kunden verlieren würden?

Wir sind seit fünf Jahren dabei und nächstes Jahr ist uns auch sicher. Das Papier für die Oscar-Kuverts ist zwar einer unserer kleinsten Aufträge, aber auch der aufmerksamkeitsstärkste. Es wäre natürlich schade, kein Papier mehr nach Hollywood zu liefern. Das würde uns aber sicher nicht in Schwierigkeiten bringen. Wir freuen uns, wenn wir auch die nächsten Jahre weiterhin Gmund Papier nach Los Angeles liefern dürfen.

Wen beliefern Sie denn sonst – abgesehen von Hollywood?

Bei uns bestellen internationale Konzerne, Hersteller aus der Konsumgüter- oder Kosmetikindustrie, Destillerien, Verpackungsunternehmen, Druckereien und Verlage. Aber auch Verlobte, die ihre Einladungen bei uns designen und drucken lassen, Jubilare oder alle, die ein Fest feiern möchten und eine besondere Einladung versenden möchten kaufen bei uns.

Waren Sie selbst schon einmal bei den Oscars?

Nein, bisher nicht. Ich hatte schon mehrfach das Vergnügen bei den Filmfestspielen in Cannes dabei sein zu dürfen. Aber für die Oscars interessiere ich mich natürlich auch. Ich freue mich jedes Mal, wenn die Kamera bei der Verleihung auf einen Umschlag aus unserem Papier zoomt.

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