Unternehmen Piloten-Streik: Flugausfälle auch am Wochenende möglich

Ein Airbus A319 von Germanwings

Ein Airbus A319 von Germanwings © Germanwings

Der Streik der Flugkapitäne von Germanwings führt deutschlandweit zu zahlreichen Flugausfällen. Rund 15.000 Passagiere konnten ihre Reise nicht antreten. Am Wochenende droht eine Ausweitung des Pilotenstreiks auf Flüge der Lufthansa.

Der Konflikt zwischen Lufthansa und ihren Piloten droht zu eskalieren: Ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) schloss am Freitag nicht aus, dass der Streik von der Tochter Germanwings am Wochenende auch auf die Mutter Lufthansa ausgeweitet wird. Bereits am Freitag mussten Tausende Passagiere von Germanwings ihre Reisepläne ändern. Die Piloten des Billigfliegers hatten wie angekündigt am frühen Morgen die Arbeit niedergelegt.

Am Wochenende könnten von den Streiks die Lufthansa und deren Frachttochter Cargo betroffen sein, sagte der VC-Sprecher. Mit „leichten Nadelstichen“ wolle die Pilotengewerkschaft das Unternehmen im Streit um den bezahlten Vorruhestand für Flugkapitäne zum Einlenken bewegen. Am Freitag strich Germanwings bis 12.00 Uhr 116 von insgesamt 164 Flügen. Durch die Ausfälle waren nach Schätzungen der Fluggesellschaft rund 15.000 Passagiere betroffen. Sie konnten ihre Flüge kostenlos umbuchen oder auch stornieren. Begonnen hatte der Streik um 6.00 Uhr.

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Die Lufthansa appellierte unterdessen an die Pilotengewerkschaft, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Durch einen Streik ist noch kein Tarifkonflikt gelöst worden“, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Freitag auf Anfrage. Am Donnerstag waren die Verhandlungen über eine Lösung der strittigen Fragen über den Vorruhestand der 5400 Piloten bei Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo gescheitert.

Köln und Stuttgart am stärksten vom Streik betroffen

Im Schnitt gehen Lufthansa-Kapitäne derzeit mit knapp 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will das durchschnittliche Eintrittsalter schrittweise auf 61 Jahre erhöhen. Die aktuelle Regelung zur Übergangsrente will die Airline bis 2016 beibehalten, um ausreichend Zeit für Verhandlungen zu haben.

Lufthansa erwartet nach eigenen Angaben von VC einen konkreten Vorschlag zur Neuregelung der Übergangsrente. VC habe einen Vorschlag zur Kostendecklung angekündigt, aber bisher nicht vorgelegt. Die Gewerkschaft wirft der Lufthansa im Gegenzug vor, die seit Monaten anhaltenden Verhandlungen um immer neue Themen zu erweitern und auf Zeit zu spielen.

Von dem Ausstand der Piloten am Freitag waren besonders die Airports in Köln und Stuttgart betroffen. Aber auch in Düsseldorf, Berlin, Hannover, Hamburg und Dortmund wurden Flüge gestrichen. Nach Angaben von Flughafensprechern kam es trotz der Ausfälle an den Airports in Köln, Hannover und Hamburg zu keinen massiven Beeinträchtigungen.

Auch am Nachmittag fallen noch Flüge aus

Durch die frühzeitige Ankündigung der Fluggesellschaft waren nur wenige Fluggäste von dem Streik überrascht worden. Die meisten hatten sich im Vorfeld über die Änderungen informiert. „An den Terminals ist alles ruhig. Die Informationspolitik von Germanwings hat wunderbar funktioniert“, sagte der Flughafensprecher des Kölner Airports. Es kam aber auch Kritik von Reisenden, die keine Nachricht erhalten hatten. Germanwings wies darauf hin, dass die Erreichbarkeit davon abhänge, ob die Passagiere direkt oder über einen Veranstalter gebucht hätten.

Am Kölner Airport, der am meisten betroffen war, waren bis zum Mittag insgesamt 48 von 146 geplanten Flügen am ganzen Tag ausgefallen. Ins Stuttgart waren es 36 von 100 und in Berlin 30 von 78 geplanten Flügen. Neben den Flughäfen Hamburg, Berlin, Dortmund, Hannover und Düsseldorf – dort ist Germanwings mit eigenen Maschinen stationiert – kam es auch in Bremen, Dresden, Friedrichshafen, Leipzig, Nürnberg und München zu Flugausfällen. Auf einzelnen Maschinen seien ersatzweise Piloten aus dem Management eingesetzt worden. Durch Verschiebungen und Verspätungen können Germanwings zufolge noch weitere Flüge am Nachmittag ausfallen.

Der Streit um die Übergangsrente hatte bereits im April zum schärfsten Streik in der Lufthansa-Geschichte geführt. Rund 3800 Flüge fielen aus, betroffen waren an den drei Tagen 425.000 Fluggäste.

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