Unternehmen Piloten-Streik: Lufthansa muss rund 140 Flüge streichen

Eine Maschine der Lufthansa

Eine Maschine der Lufthansa© Lufthansa

Im Kampf um ihre Übergangsrenten erhöhen die Piloten den Druck auf die Lufthansa. Bis 18 Uhr soll in München kein Flieger der Airline abheben. Auswirkungen gibt es auch an anderen Flughäfen.

Die Lufthansa-Piloten wollen an diesem Mittwoch den Flugverkehr der Airline am Drehkreuz München in weiten Teilen lahmlegen. Zwischen 10.00 und 18.00 Uhr sind die Piloten aufgerufen, die Arbeit niederzulegen, wie die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Die Airline reagierte mit einem Sonderflugplan und strich rund 140 Flüge von und nach München. Insgesamt sind den Angaben zufolge 15.000 Passagiere betroffen. Lufthansa wies aber darauf hin, dass Langstreckenflüge von München aus starten sollen.

Dem am Abend veröffentlichten Sonderflugplan zufolge sollen Passagiere auch über andere Lufthansa-Drehkreuze wie Frankfurt, Zürich, Wien und Brüssel, die vom Streik nicht betroffen seien, umgeleitet werden. Insgesamt könnten so mehr als 2000 Fluggäste ihr Ziel trotz des Ausstands erreichen. Die Passagiere würden per SMS oder Mail informiert. Von Streichungen betroffene Fluggäste könnten kostenfrei umbuchen oder stornieren, innerdeutsch ist der Umstieg auf die Bahn möglich. Zudem seien in München Hunderte Hotelzimmer angemietet, im Transitbereich würden Übernachtungsmöglichkeiten eingerichtet.

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Die Lufthansa rechnet wegen der Streiks der Piloten mit einem Millionenschaden. Bereits der dreitägige Ausstand im April habe die Lufthansa rund 60 Million Euro gekostet – durch die Arbeitsniederlegungen in den vergangenen Wochen sei mit einem Betrag in einer ähnlichen Größenordnung zu rechnen. Das sagte der für München verantwortliche Lufthansa-Manager Thomas Klühr am Mittwoch kurz vor Beginn des Pilotenstreiks.

Klühr nannte die Arbeitsniederlegungen „extrem ärgerlich“ besonders für Lufthansa-Kunden und kritisierte die Rolle von Cockpit. „Es kann nicht sein, dass Spartengewerkschaften ganze Unternehmen lahmlegen.“

Der Konzern kritisierte den neuerlichen Arbeitskampf scharf: „Dieser Streik der Piloten wird unseren Fluggästen erhebliche Unannehmlichkeiten bereiten, gerade in der letzten Ferienwoche in Bayern mit traditionell hohem Rückreiseaufkommen“, erklärte der für München verantwortliche Lufthansa-Manager Thomas Klühr. Die Gesellschaft wies zudem darauf hin, dass nur Flüge der Marke Lufthansa betroffen seien, nicht aber der Töchter wie Swiss, Austrian oder Germanwings.

Vierter Streik innerhalb von fünf Monaten

Hintergrund ist ein seit langem schwelender Tarifkonflikt bei Europas größtem Luftverkehrskonzern. Im Kern geht es um die Übergangsversorgung, die Lufthansa-Piloten bislang in ihrem Vorruhestand erhalten. Im Schnitt gehen Lufthansa-Kapitäne derzeit mit knapp 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand. Die Lufthansa will das durchschnittliche Eintrittsalter schrittweise auf 61 Jahre erhöhen. Beide Seiten hatten sich gegenseitig für das Scheitern der bisherigen Verhandlungen verantwortlich gemacht und behaupten ihrerseits, zu einer Einigung bereit zu sein.

Es ist inzwischen der vierte Streik innerhalb von fünf Monaten. Vorausgegangen war ein dreitägiger Vollstreik im April und in den vergangenen Wochen Arbeitsniederlegungen bei der Lufthansa-Tochter Germanwings, deren Piloten ebenfalls unter den Konzerntarifvertrag fallen. Im August waren die Auswirkungen mit einem Streiktag gering geblieben, so dass der Lufthansa-Konzern seine Passagierzahl um vier Prozent steigern konnte. Gleichzeitig bestätigte das Unternehmen Medieninformationen, dass es die Ticketpreise auf verschiedenen Verbindungen ab dem 11. September erhöht.

Auch für Bahnreisende bleibt die Lage angespannt, bis Ende kommender Woche bleiben die Fahrgäste aber wohl von Warnstreiks und ihren Folgen verschont. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will an diesem Donnerstag bekanntgeben, ob eine Urabstimmung über reguläre Streiks eingeleitet wird. Diese Mitgliederbefragung würde mindestens zehn Tage dauern. In diesem Zeitraum – mindestens bis 21. September – schließt die GDL Warnstreiks aus.

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