Unternehmen Neue Runde im Tarifpoker mit Lufthansa-Piloten

Eine Maschine der Lufthansa

Eine Maschine der Lufthansa© Lufthansa

Lufthansa will die Kosten senken - das bekommen auch die gut bezahlten Piloten zu spüren. Nach dem massiven Streik der Kapitäne im April eskalierte der Konflikt erneut. Jetzt wollen sich beide Seiten noch einmal zusammensetzen. Sind Streiks damit vom Tisch?

Seit Monaten ringen die Lufthansa und ihre Piloten um neue Regeln für die Übergangsrente der Flugkapitäne. Ein neuer Piloten-Streik ist zwar noch nicht vom Tisch, aber immerhin wollen sich beide Seiten an diesem Donnerstag wieder an den Verhandlungstisch setzen.

Was erwarten die beiden Tarifparteien von dem Gespräch?

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Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens hat der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) angeboten, einen gemeinsamen Verhandlungsprozess festzuschreiben, an dessen Ende gegebenenfalls eine fest vereinbarte Schlichtung steht. Die Fluggesellschaft hofft nun auf eine Einigung über einen entsprechenden Fahrplan. Die bisherigen Regelungen zur Übergangsrente sollen bis 2016 beibehalten werden, um Zeit für eine Lösung zu haben. Mit der Kabinengewerkschaft Ufo hatte die Lufthansa erst kürzlich einen Fahrplan zu verschiedensten Themen vereinbart. VC erwartet, dass das „Lufthansa-Management seine Forderungen korrigiert und endlich auf einen ernsthaften und ehrlichen Lösungskurs einschwenkt“.

Sind Pilotenstreiks vom Tisch?

Die Pilotengewerkschaft hält grundsätzlich an ihrer Streikankündigung fest. Wann und wo es zu einem Ausstand kommen könnte, steht nach wie vor nicht fest. Arbeitsniederlegungen will die Gewerkschaft einen Tag vorher ankündigen.

Was ist der Grund für den Konflikt?

Die Lufthansa will die Regeln für die Frühverrentung der Piloten ändern. Bislang erhielten die rund 5400 Kapitäne und Co-Piloten in der Regel ein Jahreseinkommen von 124 000 Euro brutto bis zur gesetzlichen Rente. Im Schnitt gehen die Lufthansa-Piloten derzeit mit knapp 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will das durchschnittliche Eintrittsalter wegen der hohen Kosten und der international auf 65 Jahre hochgesetzten Altersgrenze für Verkehrspiloten schrittweise auf 61 Jahre erhöhen.

Was sagt Cockpit?

„Ganze Lebensplanungen werden so zunichte gemacht“, kritisiert die Gewerkschaft. Als die Piloten bei Lufthansa angefangen hätten, hätten sie per Arbeitsvertrag die Möglichkeit gehabt, ab dem 55. Lebensjahr aus dem aktiven Flugdienst auszuscheiden. Jetzt versuche das Management, sie faktisch dazu zu zwingen, bis zu acht Jahre länger zu arbeiten. Cockpit ist bereit, Kostensenkungen gegenüber dem bisherigen Vertrag zu akzeptieren. „Hierzu bedarf es aber eines grundsätzlichen Willens seitens des Managements zu einem Kompromiss, statt eines Kahlschlages“, fordert die Gewerkschaft.

Was sagt die Lufthansa?

Das Unternehmen argumentiert mit hohen Kosten und verweist auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, wonach die Piloten bis 65 fliegen könnten, sofern sie fit bleiben. Bis zu dem Urteil im Jahr 2011 galt bei der Lufthansa eine interne Altersgrenze von 60 Jahren. Drei Lufthansa-Piloten hatten vor Gericht dagegen gekämpft, mit 60 Jahren in den Zwangsruhestand geschickt zu werden. Im vergangenen September kündigte die Lufthansa die Tarifverträge zur Übergangsversorgung zum Jahresende 2013.

Was kostet die Frühverrentung?

Lufthansa beziffert die Versorgungsverpflichtung für die Piloten zum Stichtag 31. Dezember 2013 auf 1,1 Milliarden Euro. Die Piloten argumentieren, die Frühverrentung sei für das Unternehmen fast kostenneutral. Schließlich bekämen die älteren Kollegen ein höheres Gehalt als die jüngeren. Wenn die Älteren in die Frührente gingen, würden junge Piloten eingestellt. Dies senke die Kosten pro Durchschnittspilot.

Gibt es noch weitere Baustellen?

Nach Angaben von Cockpit stehen inzwischen 15 Themen auf der Verhandlungsliste. Die Gewerkschaft kritisiert, Lufthansa wolle offenbar auf Zeit spielen. Weitere Baustellen sind unter anderem die Verhandlungen um höhere Gehälter für Piloten. VC verlangt Verdienststeigerungen um zehn Prozent. Lufthansa hat verschiedene Modelle von mehr als fünf Prozent mit unterschiedlichen Laufzeiten vorgelegt. Das würde im Schnitt für einen Piloten ein Plus von 750 Euro im Monat bringen, rechnet Personalvorstand Volkens vor. Auch die Pläne von Vorstandschef Carsten Spohr für neue Billigableger unter der Dachmarke „Wings“ sorgen für Wirbel. Beide Themen spielen bei dem aktuellen Konflikt aber keine Rolle.

Warum dreht Lufthansa an der Kostenschraube?

Neben den aggressiven Billigfliegern dringen die schnell wachsenden Airlines vom Arabischen Golf auf weitere Landerechte an europäischen Flughäfen oder sie gehen wie Etihad auf Einkaufstour bei europäischen Gesellschaften. Die Lufthansa sorgt sich um wachsende Konkurrenz durch Billigflieger – dieses Mal auf den lukrativen Langstrecken. „Wir sehen extremen Wettbewerbsdruck“, sagt Volkens. Gemeinsam mit Cockpit wolle man Konzepte entwickeln, diesem zu begegnen.

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