Unternehmen Plakataktion Familienunternehmen: „Mittelständler, schließt euch zusammen!“

Familienunternehmen sind in der Wahrnehmung der Gesellschaft kaum vorhanden. Wie man das ändern könnte? Beim impulse-Plakatwettbewerb haben kleine und große Agenturen Vorschläge eingereicht. impulse.de stellt jeden Tag ein Plakat und die Köpfe dahinter vor. Dieses Mal: Verena Dorn, Inhaberin von DIE LÖSUNG aus Memmingen.

Das Team (v.l.n.r.): Verena Dorn, Monika Weber, Sophia Mischke und Nuna Hausmann

Das Team (v.l.n.r.) oben: Nuna Hausmann, Verena Dorn; unten: Monika Weber, Sophia Mischke© DIE LÖSUNG

Frau Dorn, „Familienunternehmen sind bunt“ – was steckt hinter dem Slogan?

Wir haben uns gefragt, warum es Big Playern wie Google, Apple oder BMW gelingt, Begeisterung für ihre Unternehmen zu entfachen – und vielen mittelständischen Betrieben nicht. Warum haben beispielsweise die Großen ein so viel geringeres Problem damit, Fachkräfte zu finden? Für uns ist die Antwort klar: Weil sie ganz aktiv Markenbildung betreiben. Und das schon seit Jahren. Dadurch stehen diese Unternehmen auch für bestimmte Attribute. Bei BMW ist es beispielsweise „Freude (am Fahren)“ oder bei Apple „(Think) different“. Und wenn ich dieses Produkt kaufe oder für diese Firma arbeite, glaube ich, zu einer ganz bestimmten Gruppe zu gehören.

Und das wollen Sie mit Ihrem Plakat ändern?

Uns geht es darum, zu zeigen, dass Familienunternehmen genauso für Freude stehen, genauso sexy, wild und rebellisch sind. Eigentlich noch viel mehr als die großen Konzerne. In den Familienunternehmen werden diese Attribute wirklich gelebt und sind nicht nur übergestülpt von einer Markenagentur. Die Plakate sollen die Einzigartigkeit jedes einzelnen Familienunternehmens, aber auch die Möglichkeiten, die sich aus einer Kooperation der Unternehmen ergeben, für die Menschen greifbar machen. Deshalb sagen wir, Familienunternehmen sind „bunt“, „frei“, „fruchtbar“ und und und. Wir arbeiten nicht nur mit einem Attribut, denn die Familienunternehmen vereinen alle.

Warum sehen wir Fische auf dem Plakat?

Weil Fische etwas sehr Bewegliches, Flexibles sind, so wie Familienunternehmen auch. Es ging uns darum, die Kraft, die ein Fischschwarm in sich birgt, zu visualisieren. Es gelingt ihnen, sich in Gefahrensituationen zu einer großen Einheit zu formieren und so Angreifer abzuwehren oder zu täuschen. Das ist unser Aufruf an den Mittelstand: Schließt euch zusammen! Kooperiert, um eure Situation zu verbessern – zum Beispiel, um leichter an Kredite zu kommen oder um mehr Einfluss auf politische Entscheidungen zu haben.


Die Plakate von DIE LÖSUNG:


Kurz ein paar Worte zu Ihrem Team…

Wir sind ein Team von vier Frauen und haben uns als „Rebellinnen“ positioniert. Unser Logo ist die rote Jakobinermütze aus der Französischen Revolution, weil wir es uns zur Aufgabe gemacht haben, den Mittelstand zu revolutionieren – und zwar dahingehend, mittelständische Unternehmen zu erfolgreichen Marken zu machen.

Sie haben keinen Mann im Team? Warum?

Gute Frage. Ehrlich gesagt, habe ich mir da noch gar nicht wirklich Gedanken darüber gemacht. Vielleicht ziehen wir mit unserer Firmenphilosophie mehr Frauen an, da an oberster Stelle verantwortungsvolles und nachhaltiges Handeln steht. Aber ein Mann zu sein ist bei uns kein Auschlusskriterium (lacht). Es hat sich einfach noch nicht ergeben.

Warum konzentrieren Sie sich gerade auf den Mittelstand?

Weil der Mittelstand einfach ganz tolle Arbeit leistet. Die großen Konzerne setzen auf den kurzfristigen Gewinn, egal wie. Mittelständische Unternehmen fokussieren sich auf den Kunden und die Region – und übernehmen Verantwortung für die Mitarbeiter. Bricht mal ein Auftrag weg, werden nicht gleich Leute entlassen, sondern der Firmenchef schaut in der Regel, wie er seine Leute im Betrieb halten kann – auch wenn das für ihn Verzicht und Risiko bedeutet.

Würden Sie auch mit Konzernen zusammenarbeiten?

Nein. Wir arbeiten nicht für börsennotierte Firmen. Das haben wir so in unseren Leitlinien verankert. Eine Fokussierung auf kurzfristigen, schnellen Gewinn, nicht auf die Menschen, die hinter einem Unternehmen stehen geht nicht überein mit unserer Firmenphilosophie. Und der bleiben wir treu. Komme, was wolle.

Wo würden Sie Ihr Plakat am liebsten sehen?

Eigentlich ganz einfach. An der Plakatwand, an der ich jeden Tag vorbei laufe, wenn ich ins Büro gehe. In Memmingen am Kaisergraben.

 

Sie sind innovativ, bilden aus und prägen ihre Region: Familienunternehmen. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung spielen sie bislang nur eine untergeordnete Rolle, auch als attraktive Arbeitgeber stehen sie nur selten im Mittelpunkt. Das Hamburger Institut für Familienunternehmen, impulse und die Beratung Francis Drake Agenturnavigator wollen mit einem Kreativwettbewerb den Fokus neu justieren. 27 Agenturen haben Plakatvorschläge eingereicht. Eine Jury aus Wissenschaft und Praxis entscheidet über die besten Motive, die in impulse abgedruckt werden.

Auch Ihre Meinung ist gefragt: impulse lobt zusätzlich einen Publikumspreis aus. Auf der Website stellen wir jeden Tag ein Plakat vor. Ab dem 20. Oktober können Sie dann hier für Ihren Favoriten stimmen.

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