Unternehmen Post-Streik: Das sollten Unternehmer wissen

Unbefristet: Die Mitarbeiter der Post streiken für eine bessere Bezahlung.

Unbefristet: Die Mitarbeiter der Post streiken für eine bessere Bezahlung.© picture alliance / dpa

Der Streik bei der Deutschen Post hat auch Auswirkungen auf Unternehmen. Wer haftet für verspätete Zustellungen und welche Alternativen zur Post gibt es?

Postkunden könnten die Auswirkungen der Streiks bald mit voller Wucht zu spüren bekommen: Am Mittwoch schickte die Gewerkschaft Verdi erstmals mehrere Tausend Briefträger und Paketboten in den Ausstand. Bestreikt werden derzeit bundesweit 83 Briefverteilzentren. Darüber hinaus rief die Gewerkschaft vor allem Beschäftigte in der Paket- sowie in der sogenannten Verbundzustellung zu Arbeitsniederlegungen auf. In der Verbundzustellung werden Briefe und Pakete gleichzeitig durch den Postboten ausgeliefert.

64 Millionen Briefe und rund 3,4 Millionen Pakete trägt die Deutsche Post an einem normalen Werktag aus. Jetzt steht der Betrieb vielerorts still. Wer haftet für verspätete Zustellungen und welche Alternativen gibt es? Ein Überblick.

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Wo wird gestreikt?

Wer wissen will, wo aktuell gestreikt wird, kann sich telefonisch unter 0228/76367650 informieren. Außerdem können Postkunden auf der Homepage der Deutschen Post über die Eingabe der Postleitzahl prüfen, ob es zu Beeinträchtigungen am Empfangsort kommen könnte.

Die Post versucht, die Auswirkungen des Streiks zu begrenzen. In den Verteilzentren setzt das Unternehmen beispielsweise Verwaltungskräfte ein. Bei den Warnstreiks der vergangenen Wochen halfen auch Beamte aus. Bei der Post arbeiten insgesamt 40.000 Beamte – die dürfen nicht streiken. In den Grenzregionen kamen beispielsweise polnische DHL-Mitarbeiter zum Einsatz. Laut Aussage der Post seien im Schnitt zuletzt nur fünf Prozent der Briefe und Pakete verspätet zugestellt worden.

In begrenztem Umfang kann die Post auch auf Service-Partner/Drittfirmen ausweichen. Nicht gestreikt wird in den neu gegründeten regionalen Paketgesellschaften, die den Knackpunkt des Tarifkonflikts bilden.

Haftet die Post für Verspätungen bei der Lieferung?

Die Deutsche Post kann nicht für Schäden zur Verantwortung gezogen werden, die durch einen Streik gegen sie entstanden sind, sagt Lars Eckhoff, Anwalt bei CMS Hasche Sigle. „Gegen einen rechtmäßigen Streik kann sich per Gesetz kein Arbeitgeber wehren.“ Es gelte das allgemeine Streikrecht in Deutschland. Daher würden bestreikte Firmen auch keinerlei Schuld an einem Streik tragen – und gegenüber ihren Kunden somit auch nicht für Schäden haften.

Was geschieht, wenn wichtige Schriftstücke verspätet ankommen?

Das Risiko, dass ein Brief oder Paket rechtzeitig ankommt, trägt immer der Versender. Darauf weisen auch Verbraucherzentralen hin: Sollte ein Kündigungsschreiben erst nach Ablauf der Frist beim Empfänger eintreffen, verlängert sich der Vertrag um die in den allgemeinen Geschäftsbedingungen vereinbarte Laufzeit.

Was gilt für Bestellungen in Online-Shops?

Bei einem unbefristeten Streik kann ein im Online-Shop geordertes Paket einige Tage oder im schlimmsten Fall einige Wochen zu spät ankommen. Für Kunden besteht hier im Prinzip kein zusätzliches Risiko. Ein Kaufvertrag über online bestellte Waren kann innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden. „Die Fristen verlängern sich durch einen Streik nicht“, sagt Dorothea Kesberger von der Verbraucherzentrale Berlin. Online-Händler sind also nicht verpflichtet, Kunden bei einem Post-Streik längere Rücksendefristen zu gewähren. Zur Einhaltung der Widerrufsfrist ist es ausreichend, wenn die Ware innerhalb dieses Zeitraums abgeschickt wird. Als Beweismittel gilt der Einlieferungsbeleg.

Welche Alternativen haben Unternehmer für dringende Post?

Die Verbraucherzentralen empfehlen, während des Streiks auf eine der zahlreichen Alternativen zur Post zurückzugreifen. Briefe können zum Beispiel auch über die Pin AG oder FedEx versendet werden, Pakete mit Hermes oder UPS. Das Vergleichsportal posttip.de bietet eine Übersicht alternativer Anbieter aus Deutschland und dem Ausland.

Kann eine E-Mail einen Brief ersetzen?

Statt einem Brief ist es auch möglich, Fax oder E-Mail für die Korrespondenz zu nutzen. Ist keine Unterschrift für ein Schreiben erforderlich, empfehlen Verbraucherschützer das Fax. Denn das Übermittlungsprotokoll gelte als Beweis dafür, dass das Dokument wirklich erhalten worden sei. Bei einer E-Mail fehle dieser Beweis. Eine Zugangsbestätigung per E-Mail reiche vielen Richtern nicht aus.

Warum streiken die Post-Mitarbeiter?

Beim Post-Streik wird über die Arbeitsbedingungen von etwa 140.000 Beschäftigten verhandelt. Die Gewerkschaft Verdi fordert, dass auch Beschäftigte in ausgegliederten Gesellschaften nicht schlechter, sondern nach Haustarif bezahlt werden. Dies betrifft 49 regionale Gesellschaften mit mehr als 6000 Paketboten. Die Post hatte diese regionalen Gesellschaften zum Jahresbeginn gegründet, um Kosten zu sparen. Dies sei nötig, so der Konzern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Vorschlag von Verdi bedeute für die Post Mehrkosten von 300 Millionen Euro.

2 Kommentare
  • Michael Höferlin 14. Juni 2015 11:57

    Liebes IMPULSE Team,

    gerne würde ich mir einmal den einen oder anderen Artikel ausdrucken! Leider gibt es dafür keine vernünftige Funktion – jedenfalls habe ich eine solche noch nicht entdeckt. Also muss ich den gewünschten Artikel kopieren, in Word einlasen, dann formatieren und schließlich als PDF auf meinem Rechner speichern. Dann kann ich auch vernünftig ausdrucken!

    Also unter Service vertehe ich da etwas anderes!

    LG M. Höferlin

    • Angelika Unger 15. Juni 2015 10:31

      Lieber Herr Höferlin,

      vielen Dank für Ihr Feedback. Wir können Ihren Unmut verstehen. Wir werden Ihre Anregung in unsere Feature-Wunschliste aufnehmen, jedoch kann ich Ihnen leider wenig Hoffnung auf eine baldige Umsetzung machen, da wir andere Features noch dringender benötigen.

      Herzliche Grüße
      Angelika Unger vom impulse-Team

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