Unternehmen Preisschlacht unter Gebäude-Dienstleistern: Der Kampf ums Fensterputzen

Das Geschäft mit Gebäudedienstleistungen ist in Deutschland zu einem großen Markt geworden.

Das Geschäft mit Gebäudedienstleistungen ist in Deutschland zu einem großen Markt geworden.© chicagogeek/Flickr/Lizenz: CC BY-SA 2.0

Kaum noch eine große Firma kümmert sich selbst um die von ihr genutzten Gebäude. Unter den Dienstleistern ist ein harter Kampf entbrannt - und der wird vor allem über den Preis ausgetragen.

Sie putzen Scheiben und Büros, bewachen die Verwaltungsgebäude und kochen den Mitarbeitern das Essen. Das Geschäft mit Gebäudedienstleistungen ist in Deutschland zu einem großen Markt geworden. Fast zehn Milliarden Euro Umsatz haben die 25 führenden Anbieter 2013 im Inland erzielt, wie das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Lünendonk berichtet. Putzen und Kochen war allerdings gestern – die Zukunft des „Facility Management“ liegt eher in der Energieberatung und der umfassenden Optimierung von Prozessen.

Die Anbieter bewegen sich in einem harten Wettbewerb. Bei den Großunternehmen seien die Möglichkeiten nahezu ausgereizt, sagt Ralf Hempel, Chef der Gebäudesparte beim mittelständischen Frankfurter Unternehmen Wisag. Die Konzerne hätten nahezu alle infrage kommenden Leistungen fremdvergeben und schrieben diese in immer größeren Bündeln aus, häufig etwa für alle Niederlassungen in Deutschland oder gar in Europa. „In dem Markt findet kein Wachstum mehr statt, nur noch Verdrängung.“

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Mörderischer Preiskampf zulasten der Qualität

Die Folge sei einer mörderischer Preiskampf zulasten der Qualität, eine Reinigungskraft müsse inzwischen pro Stunde mehr als 300 Quadratmeter Büro schaffen, sagt Hempel. Wisag will sich künftig auf den Mittelstand konzentrieren, der noch viele Tätigkeiten selbst erbringe und zudem bereit sei, für gute, verlässliche Dienstleistungen anständig zu bezahlen. Die Kunden proaktiv zu möglichen Verbesserungen zu beraten, lautet ein weiterer Tipp aus einer aktuellen Trendstudie der Universität Koblenz-Landau.

Eine andere Antwort ist die Konzentration – auch wenn die Bedeutung von Zusammenschlüssen und Übernahmen 2013 etwas zurückgegangen ist, wie Lünendonk-Experte Jörg Hossenfelder berichtet. „Nach vielen Übernahmen und Fusionen in den zurückliegenden Jahren setzte eine Konsolidierung ein. In den kommenden Jahren werden Übernahmen und Fusionen indes wieder zunehmen.“

Viele führende Unternehmen haben ihr Hauptquartier oder ihre Deutschlandzentrale im Rhein-Main-Gebiet: Dazu gehören der britische Weltmarktführer Compass Group in Eschborn, der in Deutschland rund 16.000 Mitarbeiter vor allem im Catering-Bereich beschäftigt, aber auch Reinigung und Transportdienstleistungen anbietet.

Für einen umfassenden Auftrag an acht deutschen Standorten des Energieriesen Alstom hat Compass mit der Kölner Cofely eine Kooperation vereinbart, um das gesamte Spektrum anbieten zu können. Ein Modell mit Zukunft, meint Compass-Manager Oliver Ringleben. Ein ähnliches Portfolio wie die Briten bietet der französische Konkurrent Sodexo, der mit 428 000 Mitarbeitern weltweit 18,4 Milliarden Euro umsetzt (2013) und im Juli seine Umsatzerwartungen zusammenstreichen musste. Von Rüsselsheim werden rund 17.000 Mitarbeiter in Deutschland gesteuert.

Bilfinger SE wird radikal umgetrimmt

Radikal auf Dienstleistung umgetrimmt wird der mehr als 120 Jahre alte vormalige Baukonzern Bilfinger SE. Das Traditionsunternehmen will die Bausparten lieber heute als morgen weitgehend loswerden und setzt stattdessen auf den Betrieb von Kraftwerken oder Industrieanlagen. Mit der Bilfinger Facility Services GmbH ist zudem die Immobilienbewirtschaftung im Angebot. Gewerbeparks, Einzelhandelszentren, Rechenzentren oder Krankenhäuser werden von Frankfurt aus betrieben und unter anderem energetisch optimiert.

Der forsche Kurs des vormaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch bei Bilfinger musste aber herbe Rückschläge hinnehmen. Koch strich wegen Problemen in der Kraftwerkssparte seine Gewinnprognose zusammen und wurde in der Folge von der Börse mit einem kräftigen Kursrutsch abgestraft. Nach einer zweiten Gewinnwarnung am Montag bot Koch wegen des erschütterten Vertrauens an, kurzfristig seinen Posten zu räumen. Im von familiengeführten Unternehmen wie Dussmann aus Berlin oder Piepenbrock aus Osnabrück geprägten deutschen Markt ist Bilfinger FS immer noch das einzige Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro.

Zu den Familienunternehmen zählt auch die 1965 von dem Frankfurter BWL-Studenten Claus Wisser als Ein-Mann-Unternehmen gegründete Wisag. Mit zuletzt über 800 Millionen Euro Jahresumsatz gehört der Konzern mit mehr als 30.000 Beschäftigten inzwischen zu den führenden Immobilien-Dienstleistern in Deutschland.

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