Unternehmen Prokon-Anleger stehen vor einem Scherbenhaufen

Prokon-Gründer Carsten Rodbertus (re.) und Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin auf einer Pressekonferenz einen Tag nach dem Insolvenzantrag.

Prokon-Gründer Carsten Rodbertus (re.) und Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin auf einer Pressekonferenz einen Tag nach dem Insolvenzantrag.© Carsten Rehder/dpa

In Windenergie investieren und damit auch noch üppig verdienen - dieser Traum von 75.000 Anlegern der Firma Prokon ist ausgeträumt. Sie haben ihr Geld einem Unternehmen ohne ordentliche Buchführung anvertraut. Jetzt werden sie wohl einen großen Teil ihres Kapitals verlieren.

Der Hamburger Rechtsanwalt Dietmar Penzlin hat drei harte Arbeitsmonate hinter sich. Als vorläufiger Insolvenzverwalter hat er mit einem Team aus 25 Rechtsanwälten, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Unternehmensberatern die Finanzen und Strukturen der Windenergie-Firma Prokon im schleswig-holsteinischen Itzehoe durchleuchtet. Das Ergebnis ist ein Desaster.

Prokon ist mit fast einer halben Milliarde Euro überschuldet und verdiente zumindest im vergangenen Jahr operativ kein Geld. Ein ordentlicher Jahresabschluss liegt auch für 2012 nicht vor. „Das Rechnungswesen und das Controlling von Prokon befinden sich in einem ausgesprochen mangelhaften Zustand“, teilte Penzlin am Freitag mit. „Das ist darauf zurückzuführen, dass die Geschäftsführung diesen wichtigen Unternehmensbereich über viele Jahre wissentlich vernachlässigt hat.“

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Damit rückt die Unternehmensführung von Prokon-Gründer und Geschäftsführer Carsten Rodbertus in den Fokus. Der 52-jährige hatte Prokon vor fast 20 Jahren gegründet, um die erneuerbaren Energien voranzubringen. Mit persönlichem Einsatz, aber auch mit massiver Werbung fand Rodbertus mehr als 75.000 Anleger, die seiner Vision folgen wollten – grüne Energieerzeugung mit hoher Rendite. Prokon baute und betrieb Windparks, entwickelte eine eigene Windturbine, investierte direkt oder als Kreditgeber aber auch in Biogas, Holzverarbeitung und rumänische Wälder. Und zahlte den Käufern seiner Genussrechte bis zu acht Prozent Zinsen.

Allein 2013 machte Prokon 478 Millionen Euro Verlust

Noch kurz vor dem Insolvenzantrag am 22. Januar versicherte Rodbertus seinen Anlegern, das Unternehmen verfüge mit den Windkraftanlagen über hohe stille Reserven und sei somit wirtschaftlich gesund. Die Ergebnisse von Insolvenzverwalter Penzlin sehen anders aus. „Es gibt keine stillen Reserven“, stellte er fest. Im Gegenteil, etliche der Beteiligungen und der von Prokon vergebenen Kredite sind weniger wert, als in der Bilanz steht. Die Werte müssen berichtigt oder abgeschrieben werden.

Trotz der hohen Einspeisevergütungen für Windstrom, mit denen viele Windmüller in Norddeutschland gutes Geld verdienen, schrieb die Firma Prokon im vergangenen Jahr rote Zahlen. Das lag vor allem an den hohen Werbeaufwendungen, um weitere Anleger für Genussrechte zu gewinnen. Allein für 2013 kommt ein Verlust von 478 Millionen Euro zustande, vorläufig. Der Insolvenzverwalter behält sich bei allen Zahlen ausdrücklich vor, dass sie sich noch ändern können.

Am Donnerstag eröffnete nun das Amtsgericht Itzehoe das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Prokon Regenerative Energien GmbH. Dazu hat vor allem beigetragen, dass rechtlich die gekündigten Genussrechtsanteile der Anleger als Forderungen gegen Prokon zu werten sind. Diese Frage war juristisch umstritten und musste mit Hilfe mehrerer Rechtsprofessoren geklärt werden.

Anlegern droht hoher Verlust

Die Anleger müssen sich indes auf hohe Verluste einstellen. Die Inhaber von Genussrechten werden nach Angaben des Insolvenzverwalters mindestens 40 Prozent ihres Kapitals verlieren, vielleicht aber auch 70 Prozent. Nach vorläufiger Einschätzung sei mit einer Insolvenzquote von 30 bis 60 Prozent zu rechnen, sagte Penzlin. „Wegen des frühen Verfahrensstadiums und der schwierigen Bewertbarkeit vieler Vermögensgegenstände kann die Quote nicht genauer vorhergesagt werden.“ Klar sei aber auch, dass weder ein Totalverlust der Anlage noch eine volle Rückzahlung zu erwarten seien.

Nach den neuesten Zahlen des Insolvenzverwalters haben Anleger rund 1,44 Milliarden Euro in Prokon-Genussrechte investiert. Damit sei Prokon – gemessen an der Zahl der Gläubiger – die viertgrößte Insolvenz in der Geschichte der Bundesrepublik.

Diese Forderungen der Anleger sowie rund 75 Millionen Euro weiterer Gläubiger wie Banken, Lieferanten und Sozialversicherungen werden nun im Insolvenzverfahren gleichrangig behandelt, obgleich die Bedingungen für die Genussrechte das anders vorgesehen haben. „Das ist eine gute Nachricht für die Anleger“, sagte der Insolvenzverwalter.

Prokon soll nun saniert werden

Penzlin will die Firma nun wieder auf die richtige Spur bringen und sanieren, einen Interims-Manager einstellen, ein ordentliches Rechnungswesen aufbauen und sich auf den Kernbereich konzentrieren, die Windkraft. Mit 300 Beschäftigten und ohne Tochterunternehmen könnte Prokon eine Zukunft haben. Für das laufende Jahr soll zumindest das operative Geschäft einen Gewinn von 30 Millionen Euro abwerfen.

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