Unternehmen Prozess-Auftakt: Deutsche-Bank-Elite vor Gericht

Die Angeklagten, die ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Rolf Breuer (r.) und Josef Ackermann (2. Reihe 2.v.r.), und der derzeitige Co-Chef der Bank, Jürgen Fitschen (3. Reihe r.), zu Beginn des Strafprozesses am Landgericht München. Ihnen wird versuchter Prozessbetrug im Kirch-Prozess vorgeworfen.

Die Angeklagten, die ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Rolf Breuer (r.) und Josef Ackermann (2. Reihe 2.v.r.), und der derzeitige Co-Chef der Bank, Jürgen Fitschen (3. Reihe r.), zu Beginn des Strafprozesses am Landgericht München. Ihnen wird versuchter Prozessbetrug im Kirch-Prozess vorgeworfen. © dpa

Fünf amtierende und ehemalige Top-Manager der Deutschen Bank treffen sich auf der Anklagebank. Der Vorwurf: versuchter Prozessbetrug. Ex-Chef Rolf Breuer etwa soll sich durch Rollenspiele auf seinen Auftritt vor Gericht vorbereitet haben.

Auftakt in einem der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse seit Jahren: Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, steht seit Dienstag in München vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft Fitschen und vier Ex-Managern des größten deutschen Geldhauses versuchte Täuschung der Justiz im Kirch-Verfahren vor. Unter großem Medienandrang erschienen Fitschen, seine beiden Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie der ehemalige Aufsichtsratschef Clemens Börsig und Ex-Personalvorstand Tessen von Heydebreck zu dem mit Spannung erwarteten Prozess.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen versuchten Prozessbetrug im Verfahren um Schadenersatz für die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch vor. Die Manager sollen sich abgesprochen haben, um das Gericht durch unwahre Angaben zu täuschen. Sie hätten gemeinsam einen „Tatplan“ verfolgt, um Schadenersatzforderungen der Kirch-Erben für den Zusammenbruch der Mediengruppe abzuwehren, heißt es in der 600 Seiten starken Anklageschrift, mit deren Verlesung Staatsanwältin Christiane Serini am Dienstag begonnen hat.

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Rollenspiele zur Vorbereitung

Der ehemalige Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, soll sich durch Rollenspiele in einem Probeprozess gezielt auf Aussagen vor dem Oberlandesgericht München vorbereitet haben, um damit Schadenersatzforderungen der Kirch-Erben abzuwehren. „Für diesen Probeprozess hatten die Prozessanwälte nicht nur Fragen, sondern auch schon Antworten für den Angeschuldigten Dr. Breuer entworfen“, heißt es in der Anklage. In dem Rollenspiel habe einer der Prozessanwälte auch den Richter gespielt, vor dem Breuer damals aussagen musste.

Leo Kirch hatte bis zu seinem Tod stets Breuer und die Deutsche Bank für die Pleite seines Medienkonzerns verantwortlich gemacht. Breuer habe ihn mit einer öffentlichen Äußerung über die mangelnde Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe „erschossen“, um später an der Sanierung seines Konzerns zu verdienen.

In dem Prozess um Schadenersatz hatte Breuer dagegen gesagt, die Bank habe keine Pläne für einen Beratungsauftrag Kirchs gehabt. Diese Aussage war nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft falsch. Ihre Vorwürfe gegen Breuer und die anderen Angeklagten stützt die Staatsanwaltschaft auf zahlreiche Dokumente, die unter anderem bei einer Razzia der Deutschen Bank gefunden wurden.

Deutsche Bank glaubt an die Unschuld der Angeklagten

Alle Angeklagten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen. „Ich habe die Zuversicht, dass sich das, was ich immer gesagt habe, vor Gericht validieren lässt. Nämlich, dass ich nicht verstehen kann, warum diese Anklage gegen mich erhoben wurde“, sagte Fitschen am Tag vor dem Prozessbeginn. Sein Anwalt Hanns Feigen hatte angekündigt, dass sich sein Mandant vor Gericht zu der Anklage äußern will. Auch die Deutsche Bank als Nebenbeteiligte in dem Prozess geht von der Unschuld der Angeklagten aus: „Für alle aktuellen und ehemaligen Vorstandsmitglieder der Bank gilt die Unschuldsvermutung“, erklärte das Institut im Vorfeld.

Die Manager hatten im Juni 2011 im Kirch-Verfahren vor dem Oberlandesgericht (OLG) München ausgesagt. Bis zu seinem Tod im Juli des gleichen Jahres hatte der Medienunternehmer die Deutsche Bank für die Pleite seines Konzerns im Jahr 2002 verantwortlich gemacht und sich eine juristische Dauerfehde mit dem Geldhaus geliefert. Kirchs Erben forderten rund zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Die Bank musste schließlich tatsächlich Schadenersatz zahlen und einigte sich in einem Vergleich mit den Kirch-Erben auf die Summe von 925 Millionen Euro.

Es geht um eine Milliardensumme

Für den Prozess vor der fünften Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Peter Noll sind vorläufig 16 Termine bis einschließlich 22. September angesetzt, meist wird dienstags verhandelt. Die amtierenden und ehemaligen Top-Manager müssen als Angeklagte in dem Strafprozess jeweils persönlich erscheinen.

Wegen der Höhe der ursprünglich von den Kirch-Erben geforderten Summe von zwei Milliarden Euro geht die Anklage von versuchtem Prozessbetrug in einem besonders schweren Fall aus – versucht deshalb, weil ihre angebliche Strategie letztlich nicht aufging. „Es geht immerhin um eine Milliardensumme“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Für den Vorwurf käme im Falle einer Verurteilung ein Strafrahmen von sechs Monaten bis zehn Jahren in Betracht.

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