Unternehmen Rechtsstreitigkeiten belasten Deutsche Bank

Blick auf die Türme der Deutsche-Bank-Zentrale  in Frankfurt am Main

Blick auf die Türme der Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main© Deutsche Bank

Immerhin: Das Tagesgeschäft bei der Deutsche Bank läuft wieder besser, vor allem das wichtige Investmentbanking. Der Berg an Rechtsrisiken ist aber immer noch gewaltig: Das Geldhaus ist in 6000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt und muss seine Rückstellungen dafür jetzt deutlich aufstocken.

Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal 2014 im Tagesgeschäft deutlich an Boden gewonnen. Vor allem dank eines Sparkurses und des wieder erstarkten Investmentbankings konnte Deutschlands größtes Geldhaus seinen Vorsteuergewinn auf 917 Millionen Euro steigern – 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Mit der am Dienstag in Frankfurt veröffentlichen Zwischenbilanz lag der Dax-Konzern am oberen Ende der Analysten-Erwartungen.

Dennoch stand unter dem Strich ein deutlicher Gewinnrückgang um 29 Prozent auf 238 Millionen Euro. Das lag vor allem daran, dass sich die Steuerlast um fast die Hälfte auf 679 Millionen Euro erhöhte. Das Führungsduo Anshu Jain/Jürgen Fitschen sprach in einer Mitteilung von einem „starken operativen Quartalsergebnis“: „Diese Ergebnisse machen die Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie 2015+ deutlich, die wir mit zwei Kapitalerhöhungen im Quartal untermauert haben.“

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Einer der größten Unsicherheitsfaktoren bleiben juristische Auseinandersetzungen. Im zweiten Quartal erhöhte das Institut seine Rückstellungen für Rechtsrisiken um 470 Millionen Euro auf 2,2 Milliarden Euro. Neben den gebuchten Rückstellungen könnten dem Quartalsbericht zufolge weitere Belastungen von 3,2 Milliarden Euro drohen, für die die Deutsche Bank noch keine Vorsorge in der Bilanz getroffen hat.

Riesiger Berg an Rechtsstreitigkeiten

Analysten befürchten, dass Rechtsrisiken die Bank noch lange beschäftigen werden. So steht etwa in den USA noch eine Einigung im Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze aus. Hinzu kommen weltweit laufende Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen von anderen wichtigen Finanzdaten – von Devisenkursen bis zu Preisen von Gold und Silber. Auch wegen möglicher Verstöße gegen US-Handelssanktionen bei Geschäften mit sogenannten Schurkenstaaten droht eine Strafe. Bei der Hauptversammlung im Mai mussten die Aktionäre erfahren, dass die Deutsche Bank in rund 6000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist.

Die milliardenschwere Kapitalerhöhung im Mai und Juni hat die Kapitalpuffer der Deutschen Bank kräftig gestärkt. So legte die harte Kernkapitalquote – das Verhältnis von Eigenkapital zu den Risikopositionen – um zwei Prozentpunkte auf 11,5 Prozent zu. Damit liegt sie deutlich über den erst in einigen Jahren voll gültigen Regeln der Finanzaufseher. Auch die laufende Überprüfung der Großbanken durch die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte nach Expertenansicht nun kein Risiko mehr für die Bank darstellen.

 

Die Liste der Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank ist lang – ein Auszug:

LIBOR/EURIBOR: Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen. Die Deutsche Bank akzeptierte Ende 2013 eine EU-Strafe von 725 Millionen Euro. In den USA und Großbritannien steht eine Einigung noch aus.

USA: Die US-Behörden gehen wegen umstrittener Hypothekengeschäfte aus der Zeit vor der Finanzkrise ebenso hart gegen Banken vor wie wegen Geschäften mit «Schurkenstaaten» wie Sudan, Iran und Kuba. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen kürzlich die Rekordstrafe von knapp neun Milliarden Dollar (rund 6,7 Mrd Euro) aufgebrummt. Auch gegen die Deutsche Bank wird ermittelt.

DEVISEN/ROHSTOFFE: Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Finanzzahlen – von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen die Deutsche Bank Beklagte ist.

KIRCH: Die 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt weiter wegen versuchten Prozessbetrugs unter anderen gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und Rechtsvorstand Stephan Leithner. Die Manager werden verdächtigt, vor Gericht falsche Angaben gemacht zu haben, um Schadenersatzzahlungen zu verhindern.

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