Unternehmen Reedereien Hapag-Lloyd und CSAV fusionieren

Ein Containerschiff der Reederei Hapag-Lloyd

Ein Containerschiff der Reederei Hapag-Lloyd© Hapag-Lloyd

Monatelang hat Hapag-Lloyd über einen Zusammenschluss mit dem chilenischen Konkurrenten CSAV verhandelt. Nun steht der Vertrag: Die weltweit viertgrößte Container-Reederei entsteht.

Auf dem hart umkämpften Markt der Container-Schifffahrt entsteht ein neuer Branchen-Riese: Die Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd und CSAV aus Chile legen ihr Containergeschäft zusammen. Die Unternehmen unterzeichneten am Mittwoch in Hamburg einen bindenden Vertrag. Der Hauptsitz des Unternehmens bleibt Hamburg. Zudem werde Hapag-Lloyd für das Lateinamerika-Geschäft eine Regionalzentrale in Chile aufbauen.

Durch den Zusammenschluss entsteht das weltweit viertgrößte Unternehmen der Branche. Es kommt auf einen Gesamtumsatz von rund 12 Milliarden Dollar (8,7 Mrd Euro). Die Waren in mehr als jährlich rund sieben Millionen TEU (Standardcontainer) werden von mehr als 200 Schiffen transportiert.

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Bei Hapag-Lloyd wird sich auch die Aktionärsstruktur ändern: Die Compañía Sud Americana de Vapores (CSAV) wird zunächst mit 30 Prozent beteiligt. Nach Abschluss der Transaktion ist eine Kapitalerhöhung von 370 Millionen Euro beschlossen, an der sich CSAV mit 259 Millionen Euro beteiligen wird. Entsprechend steigt ihr Anteil weiter auf 34 Prozent. Der Anteil der bisherigen Aktionäre, darunter der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, die Stadt Hamburg und der Touristikkonzern Tui, liegt dann bei rund 66 Prozent. Eine weitere Kapitalerhöhung über erneut 370 Millionen Euro soll über einen geplanten Börsengang erfolgen, der noch nicht terminiert ist.

Überkapazitäten und ein harter Konkurrenzkampf bringen Verluste

Die Branche ist seit Jahren von einer Krise gekennzeichnet. Überkapazitäten, ein harter Konkurrenzkampf und niedrige Frachtraten prägen das Geschäft – und bringen Verluste. Beide Unternehmen wiesen für 2013 rote Zahlen aus – wie schon im Vorjahr. Allerdings wurden sowohl bei Hapag-Lloyd als auch CSAV die Verluste deutlich zurückgefahren.

Seit Monaten haben beide Reedereien daran gearbeitet, zu den Branchenriesen Maersk, MSC und CMA CGM aufzuschließen. Hapag-Vorstandschef Michael Berendt sprach am Mittwoch von einem Meilenstein in der Geschichte von Hapag-Lloyd. „Die Transaktion steigert den Wert des Unternehmens und damit auch den Wert der Anteile unserer Gesellschafter.“ CSAV-Chef Oscar Hasbún sieht das nun größere Unternehmen in einer erheblich verbesserten Wettbewerbsposition.

Hinter CSAV steht maßgeblich die Holding Quinenco der chilenischen Familie Luksic. Sie ist in der Lebensmittelindustrie ebenso engagiert wie in der Finanzbranche – und in der Schifffahrt.

Schifffahrtsstandort Hamburg durch Fusion gestärkt

Der Finanzsenator der Hansestadt, Peter Tschentscher (SPD), sieht den Schifffahrtsstandort Hamburg durch die Fusion gestärkt. „Es ist vor allem auch für die Stadt ein Gewinn, den Zusammenschluss unter Hamburger Führung zu vollziehen und damit die Unternehmenszentrale am Ballindamm zu stärken“, teilte Tschentscher am Mittwochabend mit. Die Stadt ist über ihre Beteiligungsholding derzeit mit rund 37 Prozent an der Hapag-Lloyd AG beteiligt.

Dem Zusammenschluss müssen die Wettbewerbsbehörden noch zustimmen. Eine weitere Bedingung ist den Angaben zufolge, dass nicht mehr als fünf Prozent der CSAV-Minderheitsaktionäre ihr Rückzugsrecht ausüben. Das wird sich bis zum 20. April endgültig entscheiden.
 

Chiles Topreederei CSAV

Die chilenische Compañía Sudamericana de Vapores (CSAV) spielt als einzige Containerreederei Lateinamerikas ganz vorn mit in der Welt-Liga. Mit rund 50 Schiffen und einem Umsatz von etwa drei Milliarden Dollar rangiert das 1872 gegründete Traditionsunternehmen auf Platz 20 der Reedereien. Durch die Fusion mit der deutschen Hapag-Loyd entsteht nun die viertgrößte Containerreederei der Welt.

Hinter dem Konzern steht die mächtige Luksic-Gruppe, deren Name auf die kroatische Einwanderer-Familie zurückgeht, die heute eine der reichsten und einflussreichsten Unternehmerdynastien Chiles ist. Unter dem Dach der Holding Quiñenco konzentriert die Gruppe ihre Industrie- und Finanzaktivitäten, während sich die Antofagasta plc dem Bergbaugeschäft widmet.

An der CSAV hält Quiñenco inzwischen 46 Prozent der Anteile. Zusammen mit Heineken hat das Unternehmen auch beim Bierkonzern CCU das Sagen. Der Gründer der Quiñenco-Holding, Antonio Andrónico Luksic Abaroa, verstarb 2005. Seine Witwe Iris Fontbona war laut Forbes 2013 auf Platz eins der reichsten Chilenen mit einem geschätzten Vermögen von 15,5 Milliarden Dollar.

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