Unternehmen Regionale Marken: Mit Schaf und Sherry

Wer eine Reise tut, der findet manchmal mehr, als er gesucht hat. Wir suchten ein Hotel für eine Nacht - und fanden den Retter des Rhönschafs. Das ist seine Geschichte. [Aus dem impulse-Archiv]

Regionale Wertschöpfung im Niemandsland: Jürgen Krenzer ist das gelungen. „Wir haben nicht viel hier in der Rhön“, sagt unser Gastgeber, als wir abends im schummrigen Gewölbekeller sitzen. Hinter ihm stehen beleuchtete Weinballone, es duftet nach Holz, Stein und Apfelwiese im Spätherbst. „Wir haben hier eigentlich nur saure Äpfel, die sauersten der Welt sogar“, sagt Krenzer.

Und das Rhönschaf. Das sei der „Adonis“ unter den Schafen: zu nichts nutze. „Die Wolle taugt nichts, sie geben kaum Milch und sind erst nach einem Jahr schlachtreif.“ Kurzum, diese Art wäre ausgestorben. Wären nicht Krenzer gewesen – und die Unesco. Sie erklärte 1991 die Rhön zum Biosphärenreservat, die Schafe sollten ein Teil davon sein. „Die fragten mich, ob ich das Fleisch auf die Karte nehmen will, damit die Züchter einen Anreiz haben“, sagt Krenzer. Er machte es. „Viele haben mich für verrückt erklärt.“ Doch das Rhönschaf schmeckt. So wurde aus dem Gasthaus Zur Krone das Rhönschaf-Hotel.

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Dann waren da noch die Äpfel. Krenzer lacht, wenn er an den Abend denkt, als ein Schotte ihm sagte, dass saures Obst eine ideale Grundlage für Sherry sei. Der erste Versuch misslang, doch als Krenzer den Sherry nach einem Jahr ausgoss, bemerkte er den leckeren Duft. „Ich wusste nicht, dass das Rezept so lange braucht“, erzählt er. Das war Anfang der 90er, danach ging es bergauf. Weil Sherry ein geschützter Begriff ist, steht „Krenzers Apfel“ auf den Flaschen. Seine Firma, zu der auch eine Schaukelterei gehört, nennt er „Krenzers Rhön.“

Es ist zwei Uhr morgens, der Sherry schmeckt immer besser. Was denn Krenzers Ziel sei, fragen wir. „Wenn ein Ehepaar vom Abi-Ball der Tochter kommt und in diesem besonderen Moment sagt: Jetzt gönnen wir uns einen 2003er-Boskoop vom Krenzer. Dann habe ich es geschafft.“

 

Dieser Artikel stammt aus dem impulse-Magazin 05/13. Im November 2014 waren wir erneut mit impulse on tour im Rhönschaf-Hotel. Mehr darüber lesen Sie in der Februar-Ausgabe von impulse.Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

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