Unternehmen IW: Rente ab 63 verschärft Fachkräfte-Mangel

Die Rente mit 63 bedeutet  für Ruheständler Entspannung - stellt jedoch Gesellschaft und Wirtschaft vor große Herausforderungen

Die Rente mit 63 bedeutet für Ruheständler Entspannung - stellt jedoch Gesellschaft und Wirtschaft vor große Herausforderungen© Darren Baker - Fotolia.com

Etwa 700.000 Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker sind laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) notwendig, allein um den demografiebedingten Ersatzbedarf in Unternehmen zu decken. Die neue Rente ab 63 könnte das Problem noch verschärfen.

Fachleute im naturwissenschaftlich-technischen Bereich werden weiter händeringend gesucht. Und die Lücke bei Mathematikern, Informatikern, Naturwissenschaftlern und Technikern könnte nach Einschätzung der Wirtschaft wegen der neuen Rente ab 63 sogar wieder wachsen.

Im April waren in Deutschland 117.300 Stellen für Bewerber mit beruflichem oder akademischem Abschluss nicht besetzt. Die Situation hat sich damit innerhalb der letzten sechs Monate kaum entspannt. Dies geht aus dem am Montag in Berlin vorgestellten neuen Report des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zu diesen Fachbereichen hervor. Sie werden nach ihren Anfangsbuchstaben unter dem Kürzel MINT zusammengefasst. Im vergangenen Oktober wurden für rund 121.000 dieser Stellen noch Fachleute gesucht.

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Seit 2005 stieg die Zahl der MINT-Facharbeiter über 63 Jahren um mehr als 70 Prozent: „Auf diese erfahrenen, älteren Mitarbeiter nun zu verzichten, steht dem Ziel der Fachkräftesicherung diametral entgegen und ist vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung arbeitsmarktpolitisch komplett kontraproduktiv“, warnte der Chef der Initiative „MINT Zukunft schaffen“, Thomas Sattelberger.

Enormer Fachkräftebedarf

Die Ende vergangener Woche vom Bundestag beschlossene Möglichkeit einer abschlagsfreien Rente ab 63 könne den Fachkräftemangel weiter verschärfen. Dies bremse die Unternehmen in ihrer Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit und führe zu Wertschöpfungsverlusten.

IW-Direktor Michael Hüther forderte, es müssten „alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um das Fachkräfteangebot zu stärken“. Er erwartet zunehmende Engpässe vor allem bei Beschäftigten mit beruflicher Ausbildung. Um nur den demografiebedingten Ersatzbedarf decken zu können, werden am Ende dieses Jahrzehnts nach seiner Einschätzung etwa 700.000 MINT-Facharbeiter benötigt. Sollte die Beschäftigung wie in den vergangenen Jahren gar steigen, sei sogar mit einem Bedarf von 1,4 Millionen Fachleuten zu rechnen.

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