Unternehmen Rettung von Max Bahr weiteren Schritt näher gerückt

Max-Bahr-Baumarkt: Die Krise des Praktiker-Konzerns hatte auch das Tochterunternehmen erfasst

Max-Bahr-Baumarkt: Die Krise des Praktiker-Konzerns hatte auch das Tochterunternehmen erfasst© Max Bahr

Die geplante Übernahme der insolventen Baumarktkette Max Bahr ist einen Schritt näher gerückt. Der Gläubigerausschuss stimmte dem Vertrag mit dem Bieterkonsortium um das Dortmunder Baumarkt-Unternehmen Hellweg zu. Jetzt fehlt nur noch eine Unterschrift, um die Zukunft von 73 Märkten zu sichern.

Die geplante Übernahme der insolventen Baumarktkette Max Bahr ist einen Schritt näher gerückt. Der Gläubigerausschuss stimmte dem Vertrag mit dem Bieterkonsortium um das Dortmunder Baumarkt-Unternehmen Hellweg und den ehemaligen Max-Bahr-Chef Dirk Möhrle zu. Jetzt fehlt nur noch eine Unterschrift, um die Zukunft von 73 Märkten zu sichern. Und zwar die der Royal Bank of Scotland (RBS), mit deren Vertretern sich Hellweg-Eigentümer Reinhold Semer und Dirk Möhrle über die Miethöhe von 66 Märkten und die Kosten für nötige Investitionen einigen müssen.

Bislang war die Übernahme von 78 Märkten geplant, doch fünf davon wollten die Investoren nicht übernehmen. Es handelt sich um Märkte im Süden Deutschlands, etwa in Villingen-Schwenningen und Regensburg. Diese Märkte sollen nun einzeln verwertet werden, ebenso wie 54 Filialen mit 2800 Beschäftigten, die seit September 2012 von Praktiker auf Max Bahr umgeflaggt worden waren. Praktiker hatte Max Bahr 2007 aus Familienbesitz übernommen und im Sommer mit in die Insolvenz gerissen.

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Finanzierung mit Banken und Kreditversicherungen gesichert

Die Rettung von rund 3600 Arbeitsplätzen bei der insolventen Kette Max Bahr ist damit nur noch einen Schritt entfernt. Das teilte Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder am Dienstag in Hamburg mit. Zuvor habe das Konsortium nachgewiesen, dass die Finanzierung mit Banken und Kreditversicherungen gesichert ist. Die Übernahme hänge nun davon ab, dass sich das Konsortium mit dem Hauptvermieter über die Konditionen für einen Mietvertrag für 66 der 73 Baumarkt-Immobilien einige. Hinter dem ebenfalls insolventen Vermieter Moor Park MB steht die Royal Bank of Scotland (RBS) als Hauptgläubiger. Eine Einigung muss nach dem Willen der Max-Bahr-Gläubiger nun bis 15. November vorliegen, berichtet das Hamburger Abendblatt.

Investor Möhrle drängte am Dienstag auf ein möglichst schnelles Einlenken des Vermieters. „Wir wollen Max Bahr so bald wie möglich übernehmen, um das Unternehmen neu aufstellen zu können“, sagte er gegenüber der Zeitung. Verzögere sich die Vertragsunterzeichnung zu lange, dann könnte dies den Businessplan des Konsortiums ins Wanken bringen.

Diese 73 Filialen sollen gerettet werden:

Vom ursprünglichen Konzern Praktiker mit der Tochtergesellschaft Max Bahr mit rund 315 Filialen bleibt nach den derzeitigen Plänen nach einem erfolgreichen Insolvenzverfahren bestenfalls ein Kern übrig, der noch ein Viertel so groß ist. Der Rest der Märkte, die allesamt ihren Warenbestand verkaufen, geht an Konkurrenten oder auch an Einzelhändler aus anderen Branchen wie Textil- oder Elektronikmärkte. Wie viele der ursprünglich rund 15.000 Arbeitsplätze letztlich erhalten bleiben oder bei anderen Unternehmen neu entstehen, ist derzeit offen.

Hellweg beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter

Das Dortmunder Familienunternehmen Hellweg steuert 92 Filialen in Deutschland und Österreich sowie 56 BayWa-Bau&Garten-Filialen in Süddeutschland. Zur Unternehmensgruppe gehören außerdem die Gartencenter Augsburg mit sechs Standorten in Nordrhein-Westfalen. Hellweg beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter.

Mit der Übernahme würde Max Bahr teilweise auch wieder Dirk Möhrle gehören, dem früheren Eigentümer und Ex-Chef der Baumarktkette, der dem Vernehmen nach aber nicht ins operative Management einsteigen will. Sein Vater Peter Möhrle hatte das Unternehmen gegründet und es mit seinem Sohn zu einem der größten Baumarktketten Deutschlands aufgebaut. Er verkaufte das Unternehmen im Jahr 2007 an den Praktiker-Konzern, weil er glaubte, auf Dauer nicht gegen mächtige Konkurrenten wie Martkführer Obi und Ketten wie Bauhaus und Hornbach bestehen zu können. Dirk Möhrle, der schon im Jahr 2004 aus dem Familienunternehmen ausgestiegen war, hielt dies für einen Fehler – den er nun mit dem Rückkauf korrigieren könnte.

Möhrle will Bahr-Märkte modernisieren

Möhrle hatte nach dem BWL-Studium in Kassel einen Gartenmarkt gegründet, von 1997 bis 2005 führte er dann die familieneigene Baumarktkette Max Bahr. Heute entwickelt und betreibt er unter dem Dach der Möhrle Group Immobilien, vor allem in Berlin, etwa den Kunsthof in der Oranienburger Straße.

Möhrle will die Bahr-Märkte dem Vernehmen nach modernisieren, um sie für breitere Kundengruppen zu öffnen, speziell für Frauen. „Ein Kunde für einen Baumarkt ist jeder, der einen Schraubendreher in die Hand nehmen kann“, sagt er. Wichtig ist laut Möhrle eine sorgfältige Sortimentsgestaltung: „Einzelhandel ist Psychologie.“ Zusammen mit der Hellweg-Gruppe will Dirk Möhrle Max Bahr als eigenständige Gesellschaft in der Gruppe weiterführen. Die Zentrale soll in Hamburg bleiben.

Baumärkte: Top 10 nach Umsatz

Quelle: Dähne Statistik 2013

Dirk Möhrle ist Minderheitseigner des Verlags Impulse Medien GmbH.

Mit dpa

1 Kommentar
  • Wasi 12. November 2013 19:31

    Es doch noch gut aus, die Rettung ist erfolgreich. Jetzt muss nur noch die letzte Hürde genommen werden, die Einigung mit dem Hauptvermieter, der ebenfalls insolventen Firma Moor Park, über einen Mietvertrag für 66 der 73 Baumarktimmobilien. Hauptgläubiger von Moor Park ist die Royal Bank of Scotland. [Quelle: http://www.finance-magazin.de/nachrichten/strategie-effizienz/ma/ma-deals-siemens-celesio-thyssenkrupp/ ]
    Bin mal gespannt, wie dies noch weitergeht. Aber ich denke, dass der letzte Schritt kein Problem darstellen sollte.

    Gruß,
    W.

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