Richard Branson Rebell und Multimilliardär

Richard Branson ist sich für  keinen Spaß zu schade: Wie zum Beispiel die menschliche Kugel während eines Basketballspiels in Chicago zu mimen.

Richard Branson ist sich für keinen Spaß zu schade: Wie zum Beispiel die menschliche Kugel während eines Basketballspiels in Chicago zu mimen.© picture alliance / AP Photo

Mit Virgin Records mischte er einst die Musikbranche auf. Heute führt Richard Branson ein riesiges Firmenimperium. Der Hippie-Milliardär ist immer für eine Überraschung gut, Hauptsache, er steht im Rampenlicht. Am Wochenende wird er 65. Ein Porträt.

Wenn Richard Branson über sein Leben als Unternehmer spricht, dann ist das Wort „Spaß“ eines der am häufigsten benutzten. Branson ist seit weit über 40 Jahren der Hansdampf in allen Gassen der Londoner City, eine Art Klassenclown der britischen Unternehmer-Gilde, die eine oder andere Mutprobe als Abenteurer inklusive – zu Wasser, zu Land und in der Luft.

Branson besitzt meist unter dem Label Virgin ein Firmenimperium, das von der Fluggesellschaft über einen Telefonanbieter bis hin zum Raumfahrtunternehmen reicht. Der laut Forbes-Liste fast fünf Milliarden Dollar schwere Milliardär mit eigener Privatinsel in der Karibik wird am 18. Juli 65 Jahre alt – und denkt nicht im Traum an Ruhestand. „Ich kann mir nicht vorstellen damit aufzuhören, die Dinge zu tun, die ich liebe“, sagte Branson. Er wolle die Welt besser machen – mit guten Produkten aber auch gezielten Spenden, mit der Weitergabe von Erfahrung an junge Unternehmer und mit dem Kampf gegen den Klimawandel. Und dabei wolle er Spaß haben.

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Branson hat die Öffentlichkeit nie gescheut – im Gegenteil. Er sucht sie geradezu, macht sie zum Teil seines Geschäftsmodells. In Großbritannien kennt den Dandy-Typen mit der aschblonden Mähne fast jeder. Auf Pressekonferenzen erscheint er schon mal in kurzen Hosen, in einem seiner Flugzeuge bediente er in Frauenkleidern, als Stewardess verkleidet die Passagiere. Und als sein Mobilfunkanbieter Virgin Mobile in die USA expandierte, inszenierte er sich in einer modernen Adam-Interpretation mit einem Nacktkostüm auf dem Times Square – an entsprechender Stelle mit einem Handy bedeckt.

Eigene Privatinsel in der Karibik

Kritiker sehen in Branson allerdings nicht nur den findigen Unternehmer, den nimmermüden Ankurbler, den Macher mit den Hummeln im Hintern, der niemals stillhalten kann. Der britische Star-Biograf und Investitigativ-Journalist Tom Bower gilt als einer der Intimfeinde Bransons. Er hält dem Unternehmer in seinem Buch „Branson: Hinter der Maske“ vor, gar nicht der kluge Visionär mit dem Gespür für neue Märkte zu sein.

Vielmehr hätten seine ausgezeichneten Kontakte zum britischen Establishment ihm viel Geld gebracht – etwa in Form von begehrten Slots auf dem Flughafen Heathrow oder ertragstarken Bahnstrecken, die an seine Firma Virgin Trains gingen. Bill Clinton, Tony Blair, die britischen Royals: Wer immer Macht und Einfluss hat oder gehabt hat – Richard Branson ist nicht weit, behauptet Bower. Die Geschäftszweige Bransons liefen besonders gut, die staatlich reguliert seien: Luftverkehr, Bahnverkehr, Telekommunikation.

Dass Branson gerne die Schönen, Reichen und Mächtigen um sich schart, ist ebenso kein Geheimnis. Menschen mit Einfluss gehen auf seiner Privatinsel Necker Island in der Karibik, wo er selbst mit seiner zweiten Ehefrau einen Teil des Jahres verbringt, ein und aus. Necker Island ist nicht nur ein Steuerparadies. Übernachtungen sind für 40.000 Pfund pro Tag im Angebot. Ob das jemals jemand bezahlt hat, ist nicht sicher überliefert.

Sein größter Fehler: „Habe die Rechte an dem Brettspiel Trivial Pursuit nicht gekauft“

Dass Prinzessin Diana mit ihren Söhnen William und Harry dort war, Kate Middleton genauso wie Kate Moss und Nelson Mandela, dagegen schon. Bisweilen geraten die Promi-Parties mit Stars und Sternchen auch mal ein wenig dekadent, wie die BBC jüngst zeigte. Mit Oben-Ohne-Bedienungen und der Order ans Personal zum Flirt mit den Gästen. Die „Daily Mail“ fragte Branson daraufhin öffentlich, ob er wirklich das Image von „Playboy“-Gründer Hugh Hefner pflegen wolle.

Als Branson einmal auf offener Bühne erklärte, er werde seine Unternehmensgewinne in Höhe von drei Milliarden Dollar für den Klimaschutz spenden, weinten seine Mitarbeiter vor Rührung. Die Spenden folgten dann aber laut Medienberichten in dieser Höhe nicht. Branson selbst geht auf die entsprechende Frage nicht ein.

Der Brite hat innerhalb seines Firmenimperiums, das er einst in den 1970er Jahren mit der Plattenladen-Kette Virgin Megastores begründet hatte, viele Rückschläge erlitten. Den größten vielleicht, als 2014 über der Mojave-Wüste in den USA ein Raumfahrzeug seiner Sparte Virgin Galactic explodierte und ein Pilot starb. Ein herber Rückschlag für den Raumfahrttourismus des Tausendsassas Branson, der mit dem Space-Spleen aber nicht aufhören will. Sein größter Fehler als Unternehmer sei ein ganz anderer gewesen. „Ich habe die Rechte an dem Brettspiel Trivial Pursuit nicht gekauft, weil wir damals zu beschäftigt mit Virgin Records waren.“

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