Unternehmen Rinderzucht mit App: Wie Landwirte immer mehr auf moderne Technik setzen

Moderne Technik findet immer mehr Einzug in die Landwirtschaft.

Moderne Technik findet immer mehr Einzug in die Landwirtschaft.© DLG

Ob innovative Ferkelaufzucht oder automatische Rinderfütterung, die Chancen von Algenverwertung oder Smartphones fürs Hüten: Die Landwirtschaft setzt verstärkt auf moderne Technik.

Romantik ist im modernen Schweinestall fehl am Platze: „Was zählt, ist Leistung“, bringt es die Französin Isabelle Thomas auf den Punkt – und zeigt bei der Fachmesse EuroTier in Hannover, was das bei ihrem Unternehmen Cobiporc bedeutet. Mit einem Schlauch wird die Sau klinisch steril künstlich befruchtet. „Intra-uterinär geht kein Tropfen der kostbaren Samenflüssigkeit verloren“, sagt die Managerin.

Beim schwierigen Balance-Akt zwischen Tierwohl, Arbeitsschutz und Rentabilität setzen Landwirte auf moderne Technik. Die am Dienstag eröffnete Eurotier ist die weltgrößte Leistungsschau der Branche – hier findet der moderne Bauer die App für die Rinderhaltung ebenso wie das Konzept für die innovative Ferkelaufzucht. Neben ökonomischen stehen auch ethische Debatten im Zentrum. Denn das Treffen der Nutztier-Profis kommt in Deutschland zu einer Zeit, in der viele Landwirte sich Sorgen machen.

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Sorgen und Druck

Nicht nur hinter vorgehaltener Hand stellen sie sich die bange Frage: „Haben wir mit unserem Angebot noch eine Chance – und wenn ja: welche?“. Nachdem in vielen Bundesländern die Intensivtierhaltung unter Druck geraten ist, wächst die Suche nach Antworten durch moderne Techniken. Hinzu kommen Sorgen wegen fallender Rohstoffpreise und des politisch bedingten Exporteinbruchs im Russlandgeschäft.

Neue Vorgaben erhöhen aber auch den Druck zur Modernisierung von Ställen und Produktionsabläufen. Kostensenkung ist Trumpf: „Viele Erzeuger drehen heute an vielen kleinen Stellschrauben“, beschreibt es der Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Werner Schwarz.

Der Trend heißt daher Bestandsoptimierung statt Bestandsausweitung. Die Folge: Die Zahl der deutschen Betriebe sinkt, die Zahl der Tiere pro Bauer wächst. Das Tierwohl rückt in den Mittelpunkt. Damit sich die Tiere etwa im Schweinestall sauwohl fühlen, setzt menschlicher Erfindergeist heute auf spielerische Unterhaltung – etwa, um junge Ferkel bei Laune zu halten. Denn die beißen sich vor lauter Langeweile oft die Ringelschwänzchen ab – was nicht nur Unruhe im Schweinestall, sondern auch Krankheitsrisiken hervorruft.

Wohlfühlfaktor im Milchstall

Weniger auf Bespaßung, dafür aber den Wohlfühlfaktor setzen die Profis im Milchstall: Ohne Schupperbürste fürs Rindvieh kommt kaum noch ein Bauer mehr aus, der was auf sich hält. Und was ist mit dem unappetitlichen Problem der Gülle-Entsorgung? „Zukunftsweisende Wege“ versprechen die Aussteller – darunter die „Umwandlung in verkaufsfähige Verwertungsformen“.

Für die Ausmistung des Stalls sorgen mittlerweile automatische Roboter wie die der niederländischen Firma JOZ-Tech – in ihren Greifarmen sind sogar Sprenkler mit desinfizierender Flüssigkeit integriert. Und hat es der Bauer nach allzu häufigem herkömmlichen Ausmisten mal im Kreuz, dann kann er auf die Schubkarre mit Elektroantrieb setzen.

Ein weiteres Trendthema ist die Aquakultur, bei der die Organisatoren noch viel Luft nach oben sehen. Das betrifft nicht nur Karpfen- oder Forellenteiche. Auch die Produktion und Verwertung von Algen etwa hat Zukunft – vom Feinkostladen bis zum Bio-Flugzeugtreibstoff. „Die Märkte bewegen sich, das wissen auch die Landwirte“, sagt DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. Er spricht von einem Strukturwandel der Branche, der mit Blick auf moderne Tierhaltung gerade auch vor den Ställen nicht Halt macht.

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