Unternehmen Russlandgeschäft: Maschinenbauer fürchten Auftragseinbruch

Bei Deutschlands Maschinenbauern wachsen die Sorgen vor den Folgen der Russland-Krise. Die Exporte sind zum Jahresauftakt eingebrochen, jetzt bremsen zusätzlich Verzögerungen bei der Exportkontrolle und Probleme bei der Finanzierung das Geschäft.

Drohende Sanktionen und die Rubelkrise belasten zunehmend das Russlandgeschäft der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer. „Auftragseinbrüche und Finanzierungsprobleme stehen an erster Stelle der Sorgenskala“, teilte der Branchenverband VDMA am Freitag nach einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen in Frankfurt mit. Die seit Wochen anhaltenden Diskussionen in der Politik „über Sanktionen der Stufe 3 führen zu einer massiven Verunsicherung des Marktes“, betonte der Verband. Derzeit wüssten viele Unternehmen nicht, ob sie überhaupt noch einen Auftrag aus Russland annehmen sollen: „Sie fürchten, dass der Auftrag unter Umständen nicht mehr nach Russland geliefert werden kann.“

Zudem spürten die Maschinenbauer Verzögerungen bei der Exportkontrolle. Besonders für Lieferanten kontrollierter Werkzeugmaschinen in die russische Luftfahrtindustrie oder an andere Mischempfänger sei die Lage kritisch. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete, kann eine wachsende Zahl gefertigter Anlagen nicht nach Russland geliefert werden, weil die Exportgenehmigung ausbleibt – zum Teil seit Monaten.

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Demnach hat das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) rund 60 Anträge für eine Ausfuhrgenehmigung „auf Eis gelegt“ oder abgelehnt. „Das kann für manchen Mittelständler zur Existenzgefährdung werden“, zitierte das Blatt den VDMA-Außenwirtschaftsexperten Klaus Friedrich.

Zwei von drei Maschinenbauern spüren negative Folgen der Krise

Ein Bafa-Sprecher sagte am Freitag auf Anfrage, dass Russlandaufträge grundsätzlich wie alle anderen auch in jedem Einzelfall danach untersucht würden, ob der Empfänger die Güter militärisch nutzen könne. „Mit der Ukraine-Krise hat sich jedoch eine vertiefte Prüfung ergeben. Dies kann im Einzelfall zu einer etwas längeren Bearbeitung führen.“

Nach der VDMA-Umfrage spüren bereits zwei von drei Maschinenbauern negative Folgen der Krise. Die Mehrheit berichtete von weniger Anfragen (63 Prozent) und Aufträgen (61) aus dem ohnehin schon schwierigen russischen Markt. Auch Auftragsstornierungen und Zahlungsausfällen machen der Branche zu schaffen. „Als Gründe für sinkende Auftragseingänge und den Abbruch laufender Geschäfte werden in erster Linie der schlechte Rubelkurs, steigende Zinsen und danach die politische Situation genannt“, erklärte der VDMA.

Sinkende Zahlungsmoral macht mittelständischen Firmen zu schaffen

Zudem habe fast jeder zweite deutsche Betrieb (45 Prozent) Finanzierungsprobleme. Russische Banken seien offensichtlich derzeit nicht bereit, selbst geringe Risiken zu übernehmen. Ferner klagten die größtenteils mittelständischen Betriebe über eine sinkende Zahlungsmoral, steigende Korruption und wachsenden Protektionismus in Russland. Dennoch beabsichtige derzeit keines der befragten Unternehmen, seine Aktivitäten in dem Land zurückzufahren.

Bereits im ersten Quartal 2014 waren die deutschen Maschinenexporte nach Russland gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17,2 Prozent eingebrochen. Russland gehört mit einem Ausfuhranteil von mehr als 5 Prozent nach China, den USA und Frankreich zu den wichtigsten Exportmärkten der deutschen Schlüsselindustrie. VDMA-Präsident Reinhold Festge hatte schon Ende Mai im „Tagesspiegel“ betont: „Es ist Sand im Getriebe, die Russen wissen nicht, was wird, und wir Maschinenbauer wissen das auch nicht. Russland hat die Kraft, uns nach unten zu ziehen.“

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