Unternehmen Sal. Oppenheim-Prozess: Fünf Zeilen bringen Middelhoff zum Schweigen

Der ehemalige Topmanager Thomas Middelhoff wurde vom Essener Landgericht zu drei Jahren Haft verurteilt.

Der ehemalige Topmanager Thomas Middelhoff wurde vom Essener Landgericht zu drei Jahren Haft verurteilt.© dpa

Thomas Middelhoff galt neben Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz als der spannendste Zeuge im Sal. Oppenheim-Prozess. Doch der Auftritt des ehemaligen Arcandor-Chefs geriet zur Enttäuschung. Zum großen Ärger des Gerichts.

Thomas Middelhoff strahlt die Journalisten an, als ginge er zu einer Preisverleihung. „Guten Morgen allerseits!“ Die weißen Zähne blitzen im braungebrannten Gesicht. Dabei überragt „TM“ alle Umstehenden um Haupteslänge. Auch in der Sicherheitsschleuse lächelt er weiter, und dies kein bisschen gequält. Entweder ist der Mann eine durch nichts zu erschütternde Frohnatur oder ein beachtliches Schauspieltalent. Denn der ehemalige Chef des Handelskonzerns Arcandor hat einen nicht gerade angenehmen Gang vor sich.

Der Manager soll als Zeuge im Sal. Oppenheim-Prozess aussagen. Da lässt sich auch seine eigene Rolle bei der Arcandor-Pleite schwerlich ausblenden, die auch den Niedergang der Kölner Traditionsbank forcierte. Seit über einem Jahr müssen sich die ehemaligen Topbanker von Sal. Oppenheim und der Immobilienmanager Josef Esch teils wegen Untreue in besonders schwerem Fall, teils wegen Beihilfe dazu verantworten. Alle beteuern ihre Unschuld.

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„Der Doktor Middelhoff macht das schon“

Die einst größte Privatbank Europas war 2009 durch die Arcandor-Insolvenz an den Rand des Ruins geraten. Immer und immer wieder hatten Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz zuvor Geld in den Konzern mit den Karstadt-Warenhäusern gepumpt. Ihr sei gesagt worden, dass „der Doktor Middelhoff“ das schon machen werde, hatte Schickedanz im März als Zeugin gesagt.

Noch immer strömt Middelhoff großes Selbstvertrauen aus. Als ihn die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker nach seinem Alter fragt, antwortet er lächelnd: „In vollen Jahren 60.“ Als seinen Wohnort gibt er Saint-Tropez an. Und dann kommt auch schon die böse Überraschung: Sein Anwalt teilt mit, dass gerade ein „Focus“-Artikel bekanntgeworden sei. Darin werde über ein laufendes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Bochum gegen seinen Mandanten wegen Insolvenzverschleppung berichtet. Angesichts dieser neuen Entwicklung müsse Middelhoff jetzt an seine eigenen Interessen denken und die Aussage weitgehend verweigern.

Grobecker stellt dann zwar ihre Fragen, aber der Anwalt antwortet jedesmal bloß, dazu würden sie nichts sagen. Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich reagiert verärgert: „Das, was Sie hier heute machen, lässt jeden Respekt gegenüber dem Gericht (…) vermissen.“ Das Bochumer Ermittlungsverfahren laufe schon seit 2009, da sei es „erbärmlich und unglaubwürdig“, sich nun hinter „fünf Zeilen“ aus dem „Focus“ zu verstecken.

Auch Richterin Grobecker erklärt unumwunden, der Zusammenhang zwischen dem „Focus“-Artikel und der Aussageverweigerung sei ihr nicht klar. Das Gericht könne gleichwohl nichts anderes tun, als den Zeugen zu entlassen. Die Kosten für die Anreise könne er sich nur bedingt von der Gerichtskasse zurückerstatten lassen: „Eine Anreise von Saint-Tropez wird nicht erstattet.“

Auf zum nächsten Gerichtstermin

Draußen auf den Gerichtskorridoren beteuert Middelhoff im Anschluss: „Ich wollte hier heute aussagen!“ Für den Prozess wäre es sicherlich gut gewesen, meint er. Doch dann sei eben der „Focus“-Bericht dazwischen gekommen. Die Kosten für die Anfahrt trage er natürlich selbst.

An diesem Dienstag hat Middelhoff schon seinen nächsten Gerichtstermin, dann muss er sich in Essen als Angeklagter wegen des Vorwurfs von Charterflügen auf Firmenkosten verantworten. Middelhoff selbst weist die Vorwürfe allerdings zurück. Sein Anwalt Winfried Holtermüller rechnet mit einen Freispruch in allen Punkten. Er wolle dort auch aussagen, versichert Middelhoff am Montag. Dann lächelt er nochmal besonders verbindlich, winkt den Journalisten zum Abschied zu – und entschwindet. Man sieht sich in Essen.

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