Schlaf und Produktivität Warum ein Unternehmen seinen Mitarbeitern Geld fürs Schlafen zahlt

Raus aus den Federn? Lieber noch mal umdrehen: Ausreichend Schlaf ist die Voraussetzung für Produktivität.

Raus aus den Federn? Lieber noch mal umdrehen: Ausreichend Schlaf ist die Voraussetzung für Produktivität.© läns / photocase.de

Bis zu 25 Dollar pro Nacht können Angestellte einer US-Versicherung verdienen - wenn sie genug schlafen. Was der Firmenchef damit bezweckt und welche Folgen zu wenig Schlaf für die Arbeit haben kann.

Wer regelmäßig die halbe Nacht am Schreibtisch verbringt, gilt oft als besonders fleißig und leistungsbereit. Doch gesund ist ein solches Verhalten nicht, das gilt als wissenschaftlich erwiesen. In ruhelosen Nächten schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus, die unter anderem das Herz-Kreislauf-System belasten. „Mehr als zehn Jahre zu kurzer oder zu schlechter Schlaf geht an die Lebenserwartung“, sagt Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité in Berlin.

Dennoch schläft laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse Knappschaft jeder vierte Deutsche durchschnittlich nur sechs Stunden pro Nacht, neun Prozent kommen sogar nur auf fünf Stunden. Den Schlaflosen drohen langfristige Folgen, etwa Übergewicht, Bluthochdruck oder psychische Erkrankungen.

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Neben der Sorge um die Gesundheit ihrer Angestellten gibt es für Chefs weitere handfeste Gründe, sich mit dem Schlafverhalten ihrer Mitarbeiter zu beschäftigen: Oft genug quälen sich Nachteulen am nächsten Morgen gähnend durch den Tag, während die ausgeschlafenen Kollegen konzentriert an die Arbeit gehen. Laut der Forsa-Umfrage klagten 31 Prozent der Befragten über Tagesmüdigkeit, 24 Prozent über Stimmungsschwankungen und 20 Prozent über Konzentrationsprobleme – das senkt die Leistungsfähigkeit.

Bis zu 500 Dollar pro Jahr für genug Schlaf

Mark Bertolini, Chef des amerikanischen Versicherungsunternehmens Aetna, greift nun zu ungewöhnlichen Mitteln, damit seine Angestellte nachts zur Ruhe kommen. „Wenn Angestellte nachweisen können, dass sie 20 Nächte hintereinander mindestens sieben Stunden Schlaf bekommen, werden wir ihnen 25 Dollar pro Nacht bezahlen – bis zu 500 Dollar pro Jahr“, sagte er in einem Interview mit dem TV-Sender CNBC. Aetna ist die größte Krankenversicherung der USA mit fast 50.000 Mitarbeitern.

Wer ausgeschlafen sei, arbeite produktiver und treffe bessere Entscheidungen, begründete Bertollini den Schritt:„Sie können nicht vorbereitet sein, wenn Sie im Halbschlaf sind.“ Ihre Schlafdaten können Aetna-Mitarbeiter beispielsweise mit Hilfe elektronischer Fitnessarmbänder an das Unternehmen übermitteln.

Auch sonst scheint Bertolini die Gesundheit seiner Mitarbeiter am Herzen zu liegen: Wie die New York Times im vergangenen Jahr berichtete, hat er kostenlose Yoga- und Meditationskurse im Unternehmen eingeführt. Im CNBC-Interview zeigte er sich dann auch überzeugt, dass sich solche Investitionen in die Gesundheit der Angestellten auszahlen. Eine Studie habe gezeigt, dass seine Mitarbeiter aufgrund der Gesundheitsförderungsprogramme monatlich 69 Minuten länger produktiv seien.

Eine Investition, die sich auszahlt

In seinem Kampf für ein gesünderes Schlafverhalten hat Bertollini übrigens eine prominente Mitstreiterin: die höchst erfolgreiche amerikanische Verlegerin Arianna Huffington, die jüngst das Buch „The Sleep Revolution“ veröffentlicht hat. Dass Angestellte um so produktiver seien, je erschöpfter und ausgebrannter sie seien, bezeichnete die Chefin der „Huffington Post“ als weit verbreiteten Irrglauben. „Wir verlieren elf Tage an Produktivität, weil Angestellte erschöpft sind“, sagte sie CNBC. Das Geschäftsergebnis von Aetna hingegen zeige, dass sich Gesundheitsförderungsprogramme lohnen.

In ihrem neuen Buch propagiert Huffington unter anderem Power-Napping am Arbeitsplatz. Zudem bezeichnet sie es als wissenschaftlich erwiesen, dass Unternehmenschefs, die zu wenig schliefen, weniger Probleme lösten und schlechtere Ideen hätten. Auch an der Spitze erfolgreicher Unternehmen habe man begriffen, wie wichtig Schlaf sei, sagt Huffington. Als Beispiele für bekennende Genugschläfer führt sie unter anderem Amazon-Chef Jeff Bezos und Microsoft-CEO Satya Nadella an. Na dann: Gute Nacht!

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