Unternehmen Schottland-Referendum: „Die Aufregung ist vorbei“

Am Donnerstag entschied sich eine Mehrheit der Schotten gegen ein Unabhängigkeit von Großbritannien. Im Bild: Schottlands Hauptstadt Edinburgh

Am Donnerstag entschied sich eine Mehrheit der Schotten gegen ein Unabhängigkeit von Großbritannien. Im Bild: Schottlands Hauptstadt Edinburgh© Heartland Arts - Fotolia.com

Groß war die Unsicherheit, umso größer ist nun die Erleichterung: Das "No" der meisten Schotten zur Unabhängigkeit von Großbritannien hat die angespannten Finanzmärkte wieder beruhigt. Wirtschaftsforscher hatten für den Fall der Abspaltung große Probleme erwartet.

Kein Bruch mit London, kein Durcheinander in Wirtschafts- und Währungsfragen: Finanzmärkte und Volkswirte haben erleichtert auf das Votum der Schotten gegen eine Abspaltung von Großbritannien reagiert. Das Ergebnis habe das Vereinigte Königreich vor einer Phase starker Unsicherheit bewahrt und Zweifel beseitigt, hieß es am Freitag in Kommentaren und Analysen. Die Zustimmung zur Union von 55,3 Prozent sorgte auch im Aktienhandel für Zuwächse.

In Frankfurt stieg der Dax in den ersten Handelsminuten um 0,53 Prozent, nachdem das Resultat des Referendums bereits am frühen Morgen bekanntgeworden war. Am Mittag lag der Dax mit 0,67 Prozent im Plus. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rückte zum Handelsauftakt um 0,66 Prozent vor, der britische FTSE 100 zog um 0,68 Prozent an. In Tokio war der Nikkei-Index zuvor auf dem höchsten Stand seit November 2007 aus dem Geschäft gegangen.

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Weitreichende Zusagen an Schottland

„Das Worst-Case-Szenario konnte vermieden werden“, schrieb ein Analyst der italienischen Großbank Unicredit. Er sah die britische Wirtschaft nach dem Ja der Schotten zum Verbleib im Königreich auf einem robusten Wachstumspfad. Allerdings dürfte eine Rückkehr zu „business as usual“ nach Einschätzung der DZ Bank nur bedingt möglich sein: „Dies liegt vor allem an den Zugeständnissen, die der britische Regierungschef David Cameron den Schotten versprochen hat.“ Unter anderem soll Schottland in der Finanzpolitik bessergestellt werden.

Auch an der Börse in Madrid nahmen Anleger die Niederlage der Abspaltungsanhänger mit Erleichterung auf. Der Index Ibex-35 stieg am Morgen um 1,24 Prozent. In Spaniens nordöstlicher Region Katalonien gibt es seit längerem ebenfalls eine starke Unabhängigkeitsbewegung.

Das schottische Ergebnis gab dem britischen Pfund Auftrieb. Am Morgen wurde die Währung des Vereinigten Königreichs bei 1,6473 US-Dollar und 1,2753 Euro gehandelt – je etwa ein halbes Prozent höher als am Vortag. „Die Aufregung ist vorbei“, sagte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Der Markt könne sich wieder ökonomischen Themen widmen.

Großbritannien strebt EU-Referendum an

Der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner, bewertete den Ausgang des Schottland-Referendums positiv: „Genauso wie es eine dumme Idee war, dass Schottland aus Großbritannien austritt, ist es eine dumme Idee, dass Großbritannien aus Europa austritt.“ Nach Auffassung der Berenberg Bank hat die Volksabstimmung auch die Chancen für einen Verbleib der Briten in der EU erhöht: Wenn es 2017 wie beabsichtigt zu einem Referendum in Großbritannien kommen sollte, „erwarten wir keinen Austritt des Vereinigten Königreichs“.

Ähnlich beurteilte dies die Landesbank Baden-Württemberg: „Große Umwälzungen, wie sie im Falle einer schottischen Unabhängigkeit zu erwarten gewesen wären, wird es nun nicht geben.“ Die BayernLB rechnet damit, dass innerhalb des Vereinigten Königreichs nun allerdings auch England, Wales und Nordirland mehr Eigenständigkeit bekommen. Der britische Honorarkonsul und Vorstandschef der NordLB, Gunter Dunkel, sagte der Nachrichtenagentur dpa in Hannover: „Dies ist ein guter Tag für Europa und für den europäischen Gedanken.“

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