Unternehmen Schweizer Franken: Deutsche Firmen sind die Gewinner

Die Schweizer Flagge

Die Schweizer Flagge© JWS - Fotolia.com

Wer profitiert von der Aufwertung der Schweizer Währung gegenüber dem Euro? Vor allem deutsche Mittelständler, die viel exportieren oder Schweizer zum Shoppen über die Grenze locken. Wie Familienunternehmer jetzt reagieren.

Ein „Tsunami“ sei über sein Land hereingebrochen, schimpfte Nick Hayek aufgebracht, als ihn die Nachricht erreichte. Was den Chef des Schweizer Uhrenherstellers Swatch so wütend machte, waren keine Naturgewalten, sondern eine folgenreiche Entscheidung der Schweizer Notenbank. Die Währungshüter hatte den bislang festen Wechselkurs des Franken zum Euro vorvergangene Woche aufgegeben, woraufhin die Schweizer Währung dramatisch aufwertete. Für eidgenössische Exporteure wie Swatch eine Katastrophe: Fast über Nacht wurden ihre Produkte im Ausland um rund ein Fünftel teurer. So warnte denn auch ein Sprecher des Verbands Swissmechanic, der kleine und mittlere Unternehmen in der Maschinen-, Metall- und Elektroindustrie repräsentiert, vor einer „Katastrophe“, die auf die Firmen des Landes zukomme.

Auf der nördlichen Seite der Grenze finden Familienunternehmer ganz andere Worte für das Manöver der Schweizer Notenbank. „Das erste, was mir in den Kopf schoss, war: Wie großartig für mich und mein Unternehmen“, sagte Hartmut Neidlein der Nachrichtenagentur Bloomberg. Seine Firma Wurotec stellt in der Nähe von Stuttgart Maschinen für die Rodung von Bäumen und Wurzeln her. Die Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro könnte seinen Umsatz in der Schweiz kräftig steigen lassen, so die Hoffnung des Mittelständlers. „Es ist dort nun viel günstiger, unsere Produkte zu kaufen, was die Nachfrage beflügeln könnte.“ Neidlein hat bereits einen Termin bei seinem Schweizer Vertriebspartner gemacht, um die Chance zu nutzen und die Exporte in die Schweiz hochzufahren. Aktuell liefert er etwa jede zehnte seiner ab 2000 Euro teuren Maschinen in das südliche Nachbarland.

Anzeige

Wie Wurotec könnten hunderte kleiner und mittlerer Exporteure von dem teurer gewordenen Franken profitieren, da ihre Produkte preislich wettbewerbsfähiger werden. Für deutsche Firmen wäre das ein nicht zu unterschätzender Vorteil, da der deutsche und der Schweizer Mittelstand in ähnlichen Segmenten im Wettbewerb miteinander stünden, glaubt Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin. „Das bedeutet, das Deutschland auch einen Vorteil gegenüber Frankreich und Italien hat, wo es diese Überschneidungen nicht so stark gibt“, sagte Junius gegenüber Bloomberg. Schon jetzt importiere die Schweiz mehr aus Deutschland als aus Frankreich, Italien und China zusammen.

Einzelhändler in der Grenzregion erwarten deutlichen Kundenanstieg

Waren im Wert von 47 Milliarden Euro kaufen die Schweizer pro Jahr „Made in Germany“ – damit gehört das kleine Nachbarland sogar zu den zehn wichtigsten Handelspartnern von Deutschland weltweit. „Der Import in die Schweiz wird von der Freigabe weiter profitieren“, glaubt auch Claudius Marx, Chef der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee in Konstanz.

Zu den Profiteuren des teuren Franken zählen auch kleine und große Einzelhändler in der Nähe der Grenze. Die mittelständische Kaufhauskette E. Breuninger etwa rechnet fest damit, dass nun mehr Schweizer aus Basel die kurze Strecke nach Freiburg zurücklegen werden, um günstiger in Deutschland einzukaufen. Das Warenhaus, das tausende Schweizer zu seinen Stammkunden zählt, beschäftigt deshalb auch Verkaufspersonal, dass das im Schweizer Kanton Graubünden gesprochene Rätoromanisch beherrscht. „Wenn die Währung auf diesem Niveau bleibt, erwarten wir einen deutlichen Anstieg bei der Zahl der Schweizer Kunden“, sagte Breuninger-Sprecher Christian Witt gegenüber Bloomberg. „Es würde für sie einfach keinen Sinn machen, Kleidung in der Schweiz zu kaufen.“

„Das ist ein Extra-Konjunkturprogramm“

Rund 25 Prozent der Schweizer kaufen laut einer Studie der Universität St. Gallen aus dem Jahr 2013 einmal im Monat gezielt im Ausland ein. Entlang der Grenze betrage ihr Anteil im Schnitt sogar bis zu 35 Prozent, schätzt der südbadische Einzelhandelsverband in Freiburg – Tendenz steigend. In einigen Branchen, beispielsweise im Möbel- oder Elektronikhandel, machten sie 60 Prozent und mehr vom Umsatz aus.

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hofft auf ein deutliches Plus für viele Unternehmen. Chefvolkswirt Alexander Schumann jubelt bereits: „Das ist ein Extra-Konjunkturprogramm – etwa für die deutsche Tourismuswirtschaft in der laufenden Wintersaison, aber auch für die Autobauer und andere Industriezweige.“ Zudem rechne er damit, dass Schweizer Unternehmen nun verstärkt in Deutschland investieren, um Währungsnachteile auszugleichen. Das würde dann sogar neue Arbeitsplätze schaffen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.