Mittelstand Seidensticker: Das können Unternehmer vom Hemdenhersteller lernen

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Frank-Walter Seidensticker leitet das Familienunternehmen aus Bielefeld mit seinem Cousin Gerd Oliver Seidensticker in dritter Generation.

Frank-Walter Seidensticker leitet das Familienunternehmen aus Bielefeld mit seinem Cousin Gerd Oliver Seidensticker in dritter Generation.© Christoph Gödan

Maßvolle Veränderungen am Produkt, steter Wandel: Was Unternehmen vom Hemdenhersteller Seidensticker lernen können.

1. Spezialisierung – aufs Kernprodukt konzentrieren

Seidensticker fokussiert sich auf Hemden und Blusen. Hosen, Schuhe oder Jacken werden als Eigenmarken nicht verkauft. Das hat Tradition: Firmengründer Walter Seidensticker soll gesagt haben: „Alles, was ich anfasste, wurde zu Hemden.“ Daran orientiere sich auch die dritte Generation, sagt sein Enkel Frank-Walter Seidensticker. Der Firmengründer entwickelte die ersten bügelfreien Baumwollhemden und erfand den „Londoner Kragen“.

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„Wir haben uns für den Weg der Spezialisierung entschieden“, sagt Seidensticker. Versuche, sich breiter aufzustellen, waren nicht erfolgreich und wurden beendet. 2008 verkaufte Seidensticker zum Beispiel Jobis, eine Marke für Damenbekleidung, die dem Unternehmen Verluste eingebracht hatte.

2. Selber verkaufen – direkt zum Kunden

Die Margen für den Handel sind in Deutschland hoch. Seidensticker will sich deshalb mit eigenen Läden ein Stück weit unabhängig vom Handel machen und investiert stark in den Bereich Retail. Die Bielefelder haben bereits 47 eigene Geschäfte in ganz Deutschland. Das Familienunternehmen will die Bekanntheit der Marke nutzen, um Kunden in die eigenen Läden zu locken. Das Konzept: Geschultes Personal, große Räume, „markenkonforme Ansprache“, wie Frank-Walter Seidensticker sagt.

Zwar sind die Geschäfte in Top- Innenstadtlagen teuer; lohnen könnten sie sich gleichwohl, wenn sie Absatz und auch Gewinn steigern. Auch das direkte Kunden-Feedback sei wertvoll. In den Geschäften könne sehr genau beobachtet werden, wie die neue Kollektion ankomme und warum Kunden ohne Einkauf wieder gehen. „Das kann kein Warenwirtschaftssystem leisten.“

3. Selber herstellen – Wege verkürzen

Hergestellt werden Seidensticker-Hemden in eigenen Produktionswerken mit fester Belegschaft, wenn auch nicht in Deutschland. Während andere Textilhersteller Subunternehmer etwa in Bangladesch oder China beauftragen, investiert Seidensticker in eigene Werke in Asien, zuletzt in einen neuen Standort in Indonesien.

Wichtigstes Fertigungsland ist Vietnam, wo jährlich 8 Millionen der 15 Millionen Kleidungsstücke von Seidensticker genäht und vor Ort sortiert, etikettiert und verpackt werden. In Containern kommen die Hemden nach Deutschland und werden von den Häfen direkt zu den Abnehmern gebracht, ohne den Umweg über Bielefeld zu nehmen.

4. Modern trotz Tradition – nicht jeden Trend mitgehen

Die Hemden von Seidensticker sind klassisch geschnitten, einige Modelle und Passformen sind seit Jahren im Programm. „Wir wollen ein Gefühl der Sicherheit, deshalb machen wir nicht jeden Schnickschnack mit“, sagt Frank-Walter Seidensticker. Es werde bei jedem neuen modischen Trend genau geprüft, ob er zur Marke Seidensticker passe.

Schon seit 1919 stellt das Bielefelder Familienunternehmen Seidensticker Oberhemden her – rund 15 Millionen Kleidungsstücke pro Jahr. Das Unternehmen hat 2400 Mitarbeiter weltweit und erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 193 Millionen Euro.

 

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