Unternehmen Sexuelle Belästigung gehört in Deutschland zum Arbeitsalltag

Mehr als die Hälfte aller deutschen Arbeitnehmer hat schon sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt.

Mehr als die Hälfte aller deutschen Arbeitnehmer hat schon sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt.© paylessimages/Fotolia.com

Jeder zweite Beschäftigte in Deutschland hat am Arbeitsplatz schon einmal sexuelle Belästigung erlebt - das gilt für Frauen wie für Männer. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Über ihre Rechte sind beide Geschlechter schlecht informiert. Arbeitgeber sind verpflichtet, einzuschreiten.

Zweideutige Sprüche, Sex-Witze, unangebrachte Berührungen: Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland hat schon Erfahrungen mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz sammeln müssen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Der Untersuchung zufolge sind meist Frauen Opfer sexueller Belästigung. Fast jede fünfte befragte Frau (19 Prozent) gab an, schon einmal gegen ihren Willen von einem Kollegen berührt worden zu sein. Auch zwölf Prozent der Männer berichteten von unerwünschter körperlicher Annäherung. Insgesamt erleben Frauen tendenziell eher physische Belästigungen, Männer eher visuelle und verbale Belästigungen.

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Sowohl Männer als auch Frauen gaben an, am häufigsten von Männern belästigt zu werden. Die Täter kommen in den meisten Fällen aus der gleichen Hierarchieebene wie die Opfer (bei Frauen: 65 Prozent, bei Männern: 81 Prozent). Frauen (31 Prozent) werden im Vergleich zu Männern (14 Prozent) häufiger von Vorgesetzten belästigt.

Arbeitnehmer wissen wenig über ihre Rechte

Die Untersuchung zeigt auch, dass viele Arbeitnehmer unzureichend über ihre Rechte informiert sind. 81 Prozent der Befragten wissen nicht, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, sie aktiv vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu schützen. Mehr als 70 Prozent kennen keinen Ansprechpartner im Unternehmen, an den sie sich bei dem Thema wenden können.

Gleichzeitig liefert die Untersuchung Aufschluss darüber, wie unterschiedlich Menschen sexuelle Belästigung wahrnehmen. Immerhin 13 Prozent der Männer gaben an, aus ihrer Sicht seien Sprüche wie „Setz dich auf meinen Schoß“ gar keine Belästigung. Das sahen auch acht Prozent der Frauen so.

Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei sexueller Belästigung tun können, lesen sie hier.

Für die repräsentative Umfrage wurden zwischen November 2014 und Januar 2015 insgesamt 1002 sozialversicherungspflichtige Frauen und Männer ab 15 Jahren befragt. Die Ergebnisse der Befragung fließen in die Arbeit einer von der Antidiskriminierungsstelle berufenen Expertenkommission ein.

 

Sexuelle Belästigung – was bedeutet das eigentlich? Wenn unerwünschtes „sexuell bestimmtes Verhalten“ die Würde eines Menschen verletzt, liegt dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zufolge eine sexuelle Belästigung vor.

Konkret verboten sind:

  • „unerwünschte sexuelle Handlungen“, (beispielsweise bedrängende körperliche Nähe durch Kollegen oder Vorgesetzte)
  • „die Aufforderung zu unerwünschten sexuellen Handlungen“ (beispielsweise Sprüche wie „Setz dich auf meinen Schoß!“)
  • „sexuell bestimmte körperliche Berührungen“, (beispielsweise „zufällige“ Berührungen von Brust oder Po oder unerwünschte Nackenmassagen) dazu zählen
  • „Bemerkungen sexuellen Inhalts“ (obszöne Witze, sexuelle Anspielungen)
  • „unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen“ (Porno-Magazine auf dem Schreibtisch, Nacktfotos an Wänden oder auf dem Computerbildschirm)

 

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