Unternehmen Showdown in Griechenland – doch die deutsche Wirtschaft bleibt gelassen

Griechenlands Premier Alexis Tsipras: "Geldeinlagen in griechischen Banken sind absolut sicher."

Griechenlands Premier Alexis Tsipras: "Geldeinlagen in griechischen Banken sind absolut sicher."© picture alliance / AP Photo

In Griechenland haben die Banken geschlossen, die Welt bereitet sich auf die Pleite des Landes vor. Die Finanzmärkte reagierten geschockt auf die Entwicklung, die deutsche Wirtschaft bleibt jedoch gelassen.

In Griechenland bleiben Banken und Börse bis Anfang kommender Woche geschlossen. Regierungschef Alexis Tsipras hatte die Schließung der Finanzinstitute und die Einführung sogenannter Kapitalverkehrskontrollen am Sonntagabend in einer emotionalen Rede angekündigt. In den vergangenen Tagen hatten immer mehr verängstigte Bürger Bargeld abgehoben und damit die Geldhäuser in Schwierigkeiten gebracht. An Geldautomaten dürfen Griechen seit Montag maximal 60 Euro pro Tag abheben, für ausländische Bankkarten soll die Beschränkung aber nicht gelten. Dennoch riet das Auswärtige Amt deutschen Griechenland-Besuchern bereits am Sonntag, ausreichend Bargeld mitzunehmen.

Als Auslöser für die Bankschließungen und Kapitalverkehrskontrollen gilt der Beschluss der Europäischen Zentralbank vom Sonntag, die Notkredite für griechische Banken zunächst einzufrieren. Dies setzt die Kreditinstitute unter Druck, da der bewilligte Kreditrahmen dem Vernehmen nach bereits ausgeschöpft war.

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„Geldeinlagen in griechischen Banken sind absolut sicher“

Griechenlands Premier Tsipras hatte für diesen Sonntag (5.7.) eine Volksabstimmung über die Reformvorschläge der Gläubiger Griechenlands angekündigt. Daraufhin brachen die Euro-Finanzminister am Samstag ihre Verhandlungen mit Athen ab. Das derzeitige Hilfsprogramm läuft am Dienstag aus, ohne dass Griechenland noch ausstehende Milliardenkredite erhält. Damit wird es für das hoch verschuldete Land praktisch unmöglich, am gleichen Tag eine Rückzahlung über 1,54 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds zu leisten. Denkbar sind mittelfristig auch der Staatsbankrott und das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone („Grexit“), was die Regierung aber verhindern will.

Tsipras rief seine Landsleute zur Besonnenheit auf. „Geldeinlagen in griechischen Banken sind absolut sicher“, sagte er. Gehälter und Renten seien „garantiert“. In den kommenden Tagen seien Geduld und Gelassenheit nötig. Die kritische Situation könne überwunden werden.

Auswirkungen eines „Grexit“ wären verkraftbar

Industriepräsident Ulrich Grillo warnte davor, dass Griechenland nach dem Motto „Koste es, was es wolle“ in der Eurozone bleibt. „Griechenland kann nicht um jeden Preis in der Währungsunion gehalten werden“, sagte Grillo am Montag in Berlin.

Klar sei, dass ein „Grexit“ für die stark von Importen abhängige griechische Wirtschaft ein Riesenproblem wäre. Die deutsche Industrie könnte die unmittelbaren Folgen eines Euro-Austritts der Griechen aber gut verkraften, weil der Handel zwischen beiden Ländern überschaubar sei.

Maschinenbauer wenig betroffen, Reeder stärker

Für die deutschen Maschinenbauer wäre ein griechischer Austritt aus dem Euro nach eigener Einschätzung verkraftbar. Aus reiner Marktsicht seien die Effekte überschaubar, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Thilo Brodtmann, am Montag in Frankfurt.

Laut VDMA lag Griechenland 2014 mit einem Ausfuhrvolumen von 360 Millionen Euro lediglich auf Rang 54 der wichtigsten Exportmärkte der Branche. 2008 hatten die Ausfuhren noch ein Volumen von 680 Millionen Euro. In den beiden vergangenen Jahren hatte sich allerdings ein deutlicher Aufwärtstrend abgezeichnet.

Kritischer sieht der Verband die Lage der Schiffbauindustrie und ihrer Zulieferer, da griechische Reedereien trotz der jahrelangen Krise noch immer zu den weltweit größten Auftraggebern zählten. Allerdings lägen die Konten der Reeder überwiegend im Ausland, weswegen sich ein „Grexit“ kaum auf sie auswirken würde.

Dax sackt ab, erholt sich aber wieder leicht

Lutz Goebel, Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“, forderte einen Neustart für Griechenland und die Euro-Zone. „Die gemeinsamen Anstrengungen müssen jetzt einem geregelten Austritt Griechenlands aus dem Euro gelten“, sagt er.

Die dramatische Zuspitzung der Griechenland-Krise hat am Montag die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt. Zum Handelsauftakt an den europäischen Börsen rutschten die Kurse tief ins Minus, erholten sich dann aber wieder etwas. In Athen hatte die Börse gar nicht erst aufgemacht. Der deutsche Leitindex Dax rutschte zum Start um mehr als vier Prozent ab, mittags lag der Rückgang im Vergleich zum Freitag noch bei gut drei Prozent. Der Euro-Wechselkurs konnte sich ebenfalls wieder etwas fangen und lag zuletzt bei gut 1,11 Dollar und damit knapp einen Cent im Minus.

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