Unternehmen Siemens-Chef Kaeser sieht Putin weiter als guten Geschäftspartner

Das Siemens-Logo

Das Siemens-Logo© Siemens

Die deutsche Wirtschaft hofft, dass harte Sanktionen gegen Russland noch abgewendet werden können. Siemens-Chef Kaeser versicherte Präsident Putin, dass er auf eine langfristige Partnerschaft setze. US-Präsident Obama mahnte die Europäer dagegen zu mehr Unabhängigkeit.

Siemens will trotz des angespannten Verhältnisses zwischen Moskau und Berlin weiter in Russland investieren. „Wir setzen auf eine langfristige Wertepartnerschaft“, sagte der Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser am Mittwoch bei einem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin in der Residenz Nowo-Ogarjowo bei Moskau.

Kaeser sagte zu möglichen schärferen Sanktionen des Westens gegen Russland, Siemens respektiere „das Primat der Politik“. Er betonte: „Die Bundesregierung weiß, dass ich hier bin. “ Dies bekräftigte Kaeser am Abend auch in einem Interview des ZDF-„Heute journals“: Siemens habe keinen Widerstand aus dem Kanzleramt erfahren.

Anzeige

Sein Unternehmen lasse sich „von kurzfristigen Turbulenzen in der langfristigen Planung nicht leiten“. Es gehe Siemens im Verhältnis zu Russland darum, „dass wir langfristige Beziehungen auch honorieren“. Ein Wert sei auch, was „ein Unternehmen, eine Gesellschaft erbringen kann“. Mit Blick auf Stellungnahmen mehrerer Altkanzler, die Verständnis für die Position Russlands geäußert hatten, meinte der Konzernchef: „Dann fühlt man sich nicht besonders allein.“

„Ich arbeite für eine Deeskalation“

Merkel sagte am Abend in Berlin auf die Frage nach dem Besuch Kaesers bei Putin, bei dem der Siemens-Chef weitere Investitionen zugesagt hatte: Es fänden nach wie vor wirtschaftliche Kontakte statt. „Ich habe kein Interesse daran, dass wir eine Eskalation haben, sondern ich arbeite für eine Deeskalation.“ Russland müsse aber wissen, „wenn bestimmte weitere internationale Verträge überschritten werden, dass dann wir auch zu einer harten Reaktion bereit sind“. Europa werde hier einheitlich mit den USA handeln.

Die Krise zwischen dem Westen und Russland, ausgelöst durch den Krim-Konflikt, bereitet der deutschen Wirtschaft zunehmend Sorgen. Verbandssprecher warnten vor negativen Auswirkungen von Sanktionen.

Der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner, sagte in Berlin, die Nervosität in der Wirtschaft werde von Tag zu Tag zu stärker. Bei einer Eskalation der Krim-Krise und gegenseitigen harten Wirtschaftssanktionen könnte das deutsche Wirtschaftswachstum im schlimmsten Fall um 0,4 Prozent schwächer ausfallen, zitierte Börner Studien. In Russland sind rund 6200 deutsche Unternehmen aktiv, in der Ukraine etwa 400.

Putin würdigte das Engagement des Siemens-Konzerns, der in den vergangenen Jahren rund 800 Millionen Euro in die russische Wirtschaft investiert habe. Die Zusammenarbeit gerade mit deutschen Firmen entwickle sich gut, sagte der russische Präsident. Siemens hatte mit Russland in den vergangenen Jahren etwa Verträge über den Bau von E-Lokomotiven sowie die Lieferung von Hochgeschwindigkeitszügen auf Grundlage des ICE im Wert von Hunderten Millionen Euro abgeschlossen.

Ifo-Index sinkt

Siemens erklärte zum Treffen Putins mit Kaeser, der Besuch sei schon seit längerem vereinbart gewesen. Kaeser betonte mit Blick auf die Krim-Krise beim Treffen mit Putin: „Siemens und Russland verbindet eine 160-jährige Tradition. Die lange Tradition zeigt, dass wir bei Herausforderungen miteinander und nicht übereinander sprechen sollten. “ Siemens kommt in Russland auf einen Jahresumsatz von zuletzt rund 2 Milliarden Euro. Rund 3000 Beschäftigte sind in Russland für den Elektrokonzern tätig.

Die Bundesregierung stellte klar, trotz der Krim-Krise würde deutschen Unternehmen unverändert angeboten, Exportgeschäfte in Russland und der Ukraine abzusichern. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit beiden Ländern gehe weiter; die vom Bund angebotenen Hermes-Bürgschaften könnten weiter genutzt werden, sagte der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Stefan Kapferer, in Berlin.

Betroffene Exporteure müssten vor allem selbst das Risiko abwägen, ob sie aktuell in Russland investieren wollten. Bislang seien dem Ministerium keine Probleme von Firmen mit russischen Geschäftspartnern infolge der Krim-Krise bekannt.

Die monatliche Konjunkturumfrage des Ifo Instituts vom März hatte ergeben, dass die Erwartungen der Unternehmen auch wegen der Krim-Krise etwas skeptischer ausfallen. Der Vorsitzende des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckard Cordes, hatte vor Sanktionen gegen Russland gewarnt, die Moskau dazu brächten, sich in Richtung China zu orientieren.

USA rufen Europa zu mehr Unabhängigkeit auf

Am Mittwoch hatte US-Präsident Barack Obama in Brüssel die Europäer im Konflikt um die Ukraine zu einer stärkeren Abgrenzung von Russland aufgerufen. Die EU-Staaten müssten mehr für eine unabhängige Energieversorgung und Verteidigungsfähigkeit tun, sagte er. „Die Lage in der Ukraine erinnert uns daran, dass Freiheit nicht kostenlos ist. “ Später fügte er hinzu: „Russlands Führung greift Wahrheiten an, die noch vor Wochen selbstverständlich waren: dass im 21. Jahrhundert die Grenzen in Europa nicht mit Gewalt neu gezeichnet werden können. “

Die USA wollen eine stärkere Nato-Präsenz in Polen und im Baltikum. Dies solle durch intensivere Rotation von Militäreinheiten erreicht werden, sagte der stellvertretende US-Sicherheitsberater Ben Rhodes am Mittwochabend. Die Nato-Minister würden nächste Woche über eine „dauerhafte Präsenz“ beraten, um die Verbündeten zu beruhigen.

Russland will bis 2016 Überschallbomber sowie Jagdflugzeuge auf die Krim verlegen. Sewastopol soll zum Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte ausgebaut werden, meldete die Agentur Interfax.

Die Bundesregierung ist bemüht, den Ukraine-Konflikt nicht weiter anzuheizen. „Wir sind zu der Stufe der wirtschaftlichen Sanktionen mit Ausnahme der Produkte der Krim nicht gekommen. Und ich hoffe, dass das auch vermieden werden kann“, sagte Kanzlerin Angela Merkel am Mittwochabend in Berlin. Außenminister Frank-Walter Steinmeier warb erneut für eine internationale Kontaktgruppe.

 

 
ZUM THEM KRIM-KRISE

Auf impulse.de:

Der Unternehmer Stefan Dürr hat sich seit Anfang der 90er Jahre ein riesiges Agrarunternehmen in Russland aufgebaut. Im impulse-Interview spricht er über die Krise zwischen Moskau und dem Westen, die Stimmung in Russland – und mögliche Konsequenzen für deutsche Firmen.

Der Rubel ist angesichts der Krim-Krise auf Talfahrt, für ihn gibt es immer weniger Euro oder Dollar. Wer nach Russland exportiert, spürt das schmerzlich. Und auch härtere Sanktionen sind nicht vom Tisch. Eine Überblick über die Autobranche.

 
Im Web:
 
Spiegel Online: So eng sind Deutschland und Russland verwoben
carnegieeurope.eu: Haltung einzelner EU-Staaten gegenüber Sanktionen
Newsblog der Sueddeutschen Zeitung zur Krim-Krise

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.