Unternehmen Land lässt Strategie von Porzellan-Manufaktur überprüfen

Christian Kurtzke, Geschäftsführer der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen

Christian Kurtzke, Geschäftsführer der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen© dpa

Christian Kurtzke will die mehr als 300 Jahre alte Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen zu einem modernen Luxuskonzern umbauen - und hat inzwischen auch Mode, Schmuck und Möbel ins Programm aufgenommen. Kritiker sehen darin ein riskantes Manöver - und haben jetzt Berater zur Überprüfung der Strategie des Firmenchefs angeheuert.

Seit über 300 Jahren wird in Meißen Porzellan hergestellt. Doch das einstige „weiße Gold“ Sachsens ist nicht mehr so leicht unters Volk zu bringen. Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen schreibt rote Zahlen. Um das Porzellangeschäft und die rund 650 Arbeitsplätze in Meißen zu sichern, will Geschäftsführer Christian Kurtzke die Firma deshalb zu einem modernen Luxuskonzern umbauen. Dafür hat der 45-Jährige bereits neue Produkte wie Mode, Schmuck und Möbel ins Programm genommen.

Kritiker befürchten allerdings, dass dadurch das traditionsreiche Porzellangeschäft ins Hintertreffen geraten könnte – und sehen in der Strategie von Kurtzke ein riskantes Manöver auf einem hartumkämpften Markt, für das am Ende der Steuerzahler gerade stehen müsste.

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Der Freistaat Sachsen, dem die Manufaktur gehört, hat nun eine Überprüfung der Strategie angeordnet. Die Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG werde das Konzept des Manufaktur-Geschäftsführers auf seine Plausibilität und Zukunftsfähigkeit prüfen, teilte Finanzminister Georg Unland (CDU) nach einer gemeinsamen Sitzung von Gesellschafterausschuss und Aufsichtsrat in Dresden mit. Das Gutachten, das bis zum Herbst vorliegen solle, bilde die Grundlage für die weitere finanzielle Begleitung.

Manufaktur braucht Geld für den Umbau

Geld braucht der Porzellanhersteller dringend, vor allem auch für den Unternehmensumbau. Die Manufaktur benötige in der Umbauphase „natürlich“ Geld, sagte der frühere sächsische Ministerpräsident und Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Biedenkopf (CDU). „Die Erweiterung von Märkten erfordert erhebliche Investitionen.“ Zahlen nannte er nicht. In den vergangenen zwei Jahren hatte der Freistaat Sachsen bereits 14,8 Millionen Euro zugeschossen.

Auch das Tagesgeschäft läuft schlechter als erhofft. Im ersten Quartal dieses Jahres sei der Umsatz zurückgegangen, was aber auf einen Preisanstieg zurückzuführen sei, der schon im Vorjahr zu Vorratskäufen geführt habe. Bis zum Jahr 2017 wolle man aber eine „schwarze Null“ schreiben, sagte Biedenkopf.

An Kurtzke als Geschäftsführer wollen die Eigentümer trotz aller Kritik aber festhalten. Seine Person stehe nicht infrage, betonte Biedenkopf, der den heute 45-Jährigen 2008 in die Manufaktur geholt hatte. Ihm sollen künftig aber zwei weitere Geschäftsführer für den kaufmännischen und den Produktionsbereich an die Seite gestellt werden.

Kurtzke kann dem Ganzen zumindest auch etwas Positives abgewinnen. Die Plausibilisierung der beschlossenen Strategie durch die KPMG werde das Vertrauen in den eingeschlagenen Weg verstärken, sagte er nach der Gesellschafterversammlung. „Durch die Absicherung der mittelfristigen Finanzierung unserer Strategie kommt dann endlich auch mehr Ruhe in die Belegschaft, so dass wir uns wieder voll auf die Produktion und unsere Kunden konzentrieren können.“

Mit dpa

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