Food Truck So wurden Gründer mit Burgern erfolgreich

Claudio Pekrun, einer der beiden Gründer von "The Big Balmy": In ihrem Food Truck braten sie Burger - mittags bei Unternehmen und abends auf Veranstaltungen.

Claudio Pekrun, einer der beiden Gründer von "The Big Balmy": In ihrem Food Truck braten sie Burger - mittags bei Unternehmen und abends auf Veranstaltungen.© The Big Balmy

Auf ihrem Food Truck brutzeln die Gründer von "The Big Balmy" seit zwei Jahren Gourmet Burger - mit großem Erfolg. Wie der Start gelingt, verraten sie im impulse-Interview.

Gourmet-Burger in einem Food Truck zu verkaufen: Mit dieser Geschäftsidee gründeten Claudio Pekrun (27) und Nikolaj de Lousanoff (31) 2013 das Start-up „The Big Balmy”. Jeden Tag brutzeln sie und ihre Mitarbeiter nun vor Firmenzentralen und auf Feiern Burger aus regionalen Lebensmitteln.

Ihr stammt beide aus der Finanzbranche. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Burger in einem Food Truck zu verkaufen?

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Claudio Pekrun: Nicolai und ich waren vor zwei Jahren auf der Suche nach einer guten Geschäftsidee, weil wir uns beide selbstständig machen wollten. Damals hab ich mit einer Freundin aus Los Angeles telefoniert und sie nach Dingen gefragt, die sie hier während ihres Auslandsstudiums in Europa vermisst hat. Und sie hat sofort gesagt: „Macht unbedingt einen Food Truck. Das ist in den Staaten extrem erfolgreich.“ Experten aus den USA gehen davon aus, dass Food Trucks ein ähnlich großer Trend werden könnten wie früher die Schnellrestaurants. In Hamburg gab es das damals noch nicht. Und dann haben wir entschieden, es einfach zu probieren.

In Deutschland darf man sich – anders als in den USA – mit einem Food Truck nicht einfach an den Straßenrand stellen, die Klappe hoch machen und sein Essen verkaufen. Ist das ein großes Hemmnis?

Deutschland ist in manchen Dingen tatsächlich extrem bürokratisch. In den USA zieht man ein Parkticket, stellt sich auf den Parkplatz, macht die Klappe auf und brät die Burger aus. Das ist alles ziemlich entspannt dort. In Deutschland braucht man für öffentliche Flächen eine Sondernutzungserlaubnis. Die zu bekommen ist quasi unmöglich. Wir konzentrieren uns deshalb ganz auf private Flächen, zum Beispiel von Unternehmen.

Und vor Unternehmen trifft man euch fast jeden Tag. Wie habt ihr die Kontakte dorthin geknüpft?

Die Akquise war anfangs etwas schwierig. Wir mussten die Leute erst einmal davon überzeugen, dass wir kein ramschiger Imbissstand sind, sondern wirklich gute Qualität bieten. Wir bekommen unsere Zutaten von Kleinbetrieben aus der Region und können ganz genau sagen, woher die Produkte stammen, die wir verarbeiten.

Mittlerweile ist es viel einfacher, Kunden zu gewinnen – auch weil wir in den Akquise-E-Mails Links zu Artikeln über uns im Stern oder Spiegel hinzufügen können. Auch das Marketing über Facebook ist wahnsinnig wichtig, um bekannter zu werden. Inzwischen sprechen die Leute sogar eher uns an und fragen, ob wir nicht mal zu ihnen kommen können. Momentan ist das schwierig, weil wir eigentlich voll ausgebucht sind. Wir stehen zurzeit zum Beispiel in der Hafencity bei den Werbeagenturen Scholz & Friends oder Philipp & Keuntje. Außerdem waren wir schon bei der Lufthansa Technik und bei Airbus und aktuell probieren wir einen Standort in Hamburg-Harburg aus.

Die beiden Gründer des Burger-Trucks "The Big Balmy", Nikolaj de Lousanoff (31) und Claudio Pekrun (27).

Die beiden Gründer des Burger-Trucks „The Big Balmy“, Nikolaj de Lousanoff (31) und Claudio Pekrun (27).© The Big Balmy

Wie viele Kunden habt ihr am Tag?

Es kommt ein bisschen aufs Wetter an. Generell kalkulieren wir in der Mittagszeit, also in einem Slot von zwei bis zweieinhalb Stunden, mit 120 bis 150 Personen. Die Straßenverkäufe sind gut, um den täglichen Umsatz zu generieren. Und auch um die Bekanntheit zu steigern. Von nachmittags bis abends geht im freien Verkauf aber leider wenig bis gar nichts.

Abends sind wir mittlerweile auch noch drei bis vier Mal in der Woche fürs Catering gebucht. Das haben wir am Anfang völlig unterschätzt. Inzwischen ist es sogar unsere Haupteinnahmequelle. Die Zahlen sind hier dieses Jahr wirklich explodiert.

Ihr seid momentan mit zwei Trucks unterwegs. Wie viel kostet so ein Fahrzeug?

Einen sechsstelligen Betrag. Deshalb haben wir zuerst einen Truck geleast. Nach einem Jahr konnten wir ihn flexibel monatlich zurückgeben. Davon haben wir auch Gebrauch gemacht, weil er unseren Bedarf nicht mehr gedeckt hat. Jetzt haben wir uns zwei neue Wagen gekauft. Mit Fritteuse. Die hatte unser erster Wagen nicht. Wir mussten uns einfach dem Ansturm der Leute beugen, die Pommes nachgefragt haben ohne Ende (lacht).

Wie viel habt ihr bisher insgesamt investiert?

Etwa 300.000 Euro, für die Wagen, fürs Marketing und auch für die Gehälter. Wir beschäftigen mittlerweile schon 24 Mitarbeiter, haben also einen relativ hohen Personalstock und dementsprechend hohe Fixkosten. Das Schöne an dem Geschäft ist aber, dass du vom ersten Tag an Einnahmen hast, die du dann gleich wieder investieren kannst. Das kommt uns extrem zugute, weil wir mit wachsenden Umsätzen das Business weiter nach vorne treiben können.

Wie groß wollt ihr noch werden?

Es ist geplant, dass wir dieses Jahr noch einen Truck dazu holen, dann haben wir drei. Nächstes Jahr wollen wir fünf bis zehn Food Trucks betreiben und nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen expandieren. 2016 planen wir dann nach Frankfurt, Köln, Düsseldorf und München zu gehen. Unser Ziel ist, relativ schnell in ganz Deutschland aktiv zu sein – und dann auch ein Franchise-Modell anzubieten.

Das sind sehr ambitionierte Pläne. Wie wollt ihr die finanzieren?

Wir haben relativ früh in der Seed-Phase zwei Venture-Kapitalgeber mit ins Boot geholt, die mit uns erst einmal die Expansion in Hamburg vorangetrieben haben. Ich habe vorher im Venture Capital Bereich gearbeitet, also in der Unternehmensfinanzierung von Start-ups. Das hat uns wahnsinnig geholfen – auch, um Kontakte zu knüpfen. Zum Ende des dritten Quartals planen wir nochmal eine größere Runde, wahrscheinlich über Crowd-Financing. Damit wollen wir das Wachstum in Norddeutschland finanzieren.
 

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© Nina Straßgütl (2); Heisser Hobel

 
Macht ihr inzwischen Gewinn?

Wir sind jetzt kurz vor der schwarzen Null, wenn nicht schon drüber. Wir wollen ja kräftig wachsen und haben deshalb auch höhere Kosten: Wir haben ein Büro an der Großen Elbstraße, die Trucks müssen zum Teil auch noch abbezahlt werden. Und da sind die Fixkosten fürs Personal. Auf jedem Truck stehen mindestens zwei Leute, bei größeren Veranstaltungen sogar mehr. Wir haben zudem einen eigenen Küchenchef eingestellt. Das addiert sich. Wir selbst stehen tagsüber inzwischen nur noch selten am Grill und kümmern uns stattdessen um die strategischen Dinge.

Was würdet ihr anderen raten, die mit einem Food Truck an den Start gehen wollen?

Eine gute Crew im Truck zu haben. Die Leute, die im Truck stehen, sind diejenigen, die auch den Erfolg des Unternehmens ausmachen. Das ist eine wesentliche Hürde. Man muss einen guten Weg finden, die Mitarbeiter so zu führen, dass sie ambitioniert bei der Sache sind und das machen, was man ihnen sagt – und dennoch einen lustigen Spruch auf den Lippen haben, damit die Kunden auch gerne wieder kommen.

Ein wesentlicher Punkt ist natürlich auch die Hygiene, gerade wenn man mit Hackfleisch arbeitet wie wir. Da sollte man schon jemand im Team haben, der weiß, wie man damit richtig umgeht.

Ich würde anderen Gründern außerdem immer raten, lieber am eigenen Gehalt zu schrauben als an der Qualität. Wir könnten unsere Waren auch sicher viel günstiger beziehen. Aber das ist nicht unser Credo. Unsere Maxime ist, die beste Qualität zum einigermaßen annehmbaren Preis anzubieten. Und das würde ich auch Leuten empfehlen, die sich damit selbstständig machen wollen. Denn nur dadurch kann man sich meiner Meinung nach einen echten Wettbewerbsvorteil gegenüber einfachen Imbissständen erarbeiten.
 
 

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2 Kommentare
  • Martin Hofer 23. Januar 2015 06:32

    Guten Tag,

    ich hätte gerne einmal gewusst, wie die Steuern für die verkauften Produkte errechnet werden. Muss jeder Truck eine Registriermaschine haben oder wie läuft das ?

    Vielen Dank für eine schnellstmögliche Antwort.

    • impulse-Redaktion 23. Januar 2015 12:36

      Sehr geehrter Herr Hofer,

      vielen Dank für Ihre Frage. Ich werde sie an einen der Gründer von „The Big Balmy“ weiterleiten. Sie müssten Ihre Frage sicherlich beantworten können.

      Herzliche Grüße aus der impulse-Redaktion

      Verena Bast

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