Unternehmen „Survival of the fittest“: Das umkämpfte Geschäft der Online-Fitness-Anbieter

Die Fitness-App "Freeleticss" gibt Kraft- und Ausdauerübungen vor, für die man kein Fitnessstudio braucht.

Die Fitness-App "Freeleticss" gibt Kraft- und Ausdauerübungen vor, für die man kein Fitnessstudio braucht. © dpa

Nicht jeder kann sich für ein Fitnessstudio begeistern, manchen ist schlicht schon der Weg dorthin zu weit. An diese Zielgruppe richten sich Online-Fitness-Anbieter. Mit ihren Apps für Kraft- und Ausdauerübungen machen sie den stationären Studios zunehmend Konkurrenz. Aber auch untereinander wird das Gerangel größer.

Menschen, die vor dem heimischen Bildschirm herumturnen und Übungen für Bauch, Beine und Po machen: Was nach Telegymnastik aus den 1980er Jahren klingt, ist tatsächlich ein Geschäftsmodell, auf das inzwischen zahlreiche Anbieter aufspringen. Online-Fitness-Portale wie Gymondo, Fitnessraum oder pur-life machen damit nicht nur stationären Studios Konkurrenz – auch untereinander wird das Gerangel größer.

„Wir sehen einen immer größer werdenden Trend, der sich an flexiblen Workout-Zeiten und Trainings in der freien Natur orientiert“, sagt Pierre Ostrowski, der beim Anbieter Freeletics für das Marketing zuständig ist. Über das Internet oder per Handy-App gibt Freeletics Nutzern Kraft- und Ausdauerübungen vor, die sie in möglichst kurzer Zeit bewältigen müssen – ins Fitnessstudio braucht dafür niemand. Jeder vierte der gut eine Million Nutzer kommt aus Deutschland.

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Wirklich „free“ sind an Freeletics aber nur die Grundübungen: Wem die nicht reichen, der muss zahlen. Ein digitaler Coach schlägt mit 39,90 Euro für 15 Wochen zu Buche, ein Ernährungsplan kostet 29,90 Euro. Wer alle Workouts nutzen will, muss eine Bezahl-App installieren. Freeletics ist damit nur ein Beispiel für mehrere Online-Portale, die ein Geschäft mit Sportbegeisterten wittern.

Branche wächst rasant

„Da sind natürlich noch große Wachstumsraten. Die sind sehr stark steigend im Vergleich zum klassischen Fitnessbereich“, sagt Karsten Hollasch, der für die Unternehmensberatung Deloitte den Fitness-Markt analysiert. Der Gesamtumsatz stieg zuletzt auf rund 4,5 Milliarden Euro.

Konkrete Zahlen zu Online-Portalen liegen Hollasch zufolge aber nicht vor, da sich die Anbieter bedeckt hielten. Auch Freeletics will auf Anfrage keine Zahlen herausgeben. Einer anderen Deloitte-Studie zufolge verwenden aber bereits 57 Prozent der deutschen Hobbysportler ihr Smartphone beim Sport in Verbindung mit einer Fitness-App. In Deutschland ist Gymondo mit 190.000 Besuchern im Juli 2014 Deloitte zufolge der meistbesuchte Anbieter.

Dort sieht man deutliche Kostenvorteile gegenüber der stationären Konkurrenz: „Ein herkömmliches Studio hat im Gegensatz zu einem Online-Fitnesstraining-Portal gerade am Anfang hohe Kosten, um ein Studio zu eröffnen, denn das Interieur und die Geräte sind sehr preisintensiv“, heißt es bei Gymondo. „Dazu kommen laufende Kosten wie beispielsweise Miete, Strom und die Wartungsarbeiten an den Geräten.“ All das habe Gymondo nicht – und könne daher mit vergleichsweise niedrigen Mitgliedsbeiträgen punkten.

„Survival of the fittest“

Nicht für jeden Online-Fitnessclub sieht Experte Hollasch allerdings Chancen auf dem umkämpften Markt: „Ich glaube, es läuft auf einen Verdrängungswettbewerb hinaus, bei dem sich ein oder zwei große Anbieter durchsetzen werden“, erklärt der Fachmann. Der Heidelberger Anbieter Fitnessraum sieht das ähnlich: „Hier greift tatsächlich der alte Spruch „Survival of the fittest““, erklärt eine Sprecherin und gibt sich selbstbewusst: „Das sind wir.“

Auch die Konkurrenz schläft nicht: Während sich Freeletics mit der Aufforderung, die Programme möglichst schnell durchzuziehen abgrenzt, setzt das Online-Portal pur-life auf live übertragene Kurse. Gymondo wirbt indes offensiv mit Werbespots im Fernsehen um Kunden. 14,99 Euro kostet dort ein Monatsbeitrag – wer sich länger festlegt, kommt günstiger weg. Zum Vergleich: Eine Mitgliedschaft in der klassischen Mucki-Bude liegt im Schnitt bei 47,12 Euro. Aber bedrohen solche Portale tatsächlich das Studio um die Ecke?

Bei Deutschlands zweitgrößter Kette Fitness First gibt man sich gelassen: „Wir sehen die Online-Anbieter als Chance und nicht als Konkurrenz“, betont Geschäftsführer Stefan Tilk. „Denn sie erschließen neue Kunden, die vielleicht einem Fitnessclub-Besuch anfangs skeptisch gegenüber stehen.“ Den Besuch im Studio könne ein Internet-Angebot aber nicht ersetzen, glaubt er. Das räumt sogar Online-Konkurrent Gymondo ein: „Wer das Flirten an der Bar im Fitness-Studio vermisst, dem wird Gymondo auf Dauer nicht reichen.“

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