Unternehmen Taxi-Rivale Uber verspricht zehntausende Jobs für Selbständige

Will vom Buhmann zum Heilsbringer werden: Der von der Taxibranche angefeindete Uber-Chef Travix Kalanick versprach auf der DLD in München zehntausende neue Jobs.

Will vom Buhmann zum Heilsbringer werden: Der von der Taxibranche angefeindete Uber-Chef Travix Kalanick versprach auf der DLD in München zehntausende neue Jobs. © picture alliance für DLD

Nirgendwo schlägt dem Taxi-Schreck Travis Kalanick so viel Ablehnung entgegen wie in Europa. Jetzt hat sich der umstrittene Gründer der Mitfahr-App Uber nach München zur Digitalkonferenz DLD gewagt. Seine Vision für eine moderne Stadt: Weniger Autos auf den Straßen, geringere Kosten für Mobilität, mehr Effizienz – und mehr Jobs

Für viele ist er eine Hass-Figur. Andere sehen in ihm einen kreativen Zerstörer, der ein verkrustetes Monopol aufbricht und Menschen weltweit zu mehr Mobilität verhilft. Travis Kalanick lässt kaum jemanden kalt. Dabei wollte der Gründer des Mitfahr-Konzerns Uber eigentlich nur ein kleines Problem lösen, als er seine App entwickelte: „Per Knopfdruck schnell und einfach ein Taxi rufen.“ So erzählte es Kalanick am Sonntagabend bei der Digitalkonferenz DLD in München, wo er der mit Spannung erwartete Stargast des ersten Tages war.

Mit sanfter Stimme und fast versöhnlich entwarf der als „Beißer“ und „Taxi-Schreck“ kritisierte Gründer aus San Francisco seine Vision von moderner Mobilität, in deren Zentrum sein Startup steht. Dank Uber würden künftig weniger Autos die Straßen verstopfen und die Fahrt von A nach B für alle deutlich günstiger werden als es heute üblich sei. „Unser Ziel ist es, so günstig und so verfügbar zu sein, dass es sich nicht mehr lohnt, ein eigenes Auto zu haben“, sagte Kalanick.

Jeder kann zum Chauffeur werden
Bislang stößt das Startup weltweit auf Widerstand bei seiner Expansion. Während das Angebot in den US-Metropolen kaum noch wegzudenken ist, haben Gerichte in Deutschland und Spanien den Dienst teilweise verboten, weil das Angebot gegen geltende Gesetze zur Beförderung von Fahrgästen verstößt. Anders als bei normalen Taxis haben Uber-Fahrer keinen Taxischein. Sie nutzen meistens ihr Privatfahrzeug, die Fahrgäste vermittelt Uber per App. So kann theoretisch jeder mit eigenem Auto zum Chauffeur werden und sich nebenbei oder hauptberuflich etwas dazu verdienen. Viele Nutzer schätzen die in der Regel niedrigeren Preise und die schnellere Verfügbarkeit im Vergleich zu traditionellen Taxis. „Letztlich braucht man kein eigenes Auto mehr: Wir holen Wagen von der Straße, so bekommen wir mehr Platz in unseren Städten“, so Kalanick.

In München stellte Kalanick eine „Uber Pool“ genannte neue Option seines Fahrdienstes vor. Da viele Menschen dieselbe Strecke zurücklegen würden, sollen sie künftig gemeinsam mit anderen ein einziges Uber-Auto nutzen – „wie ein persönlicher Bus auf Abruf“ sei das. Das würde die Kosten für die Nutzer weiter senken und die Zahl der Autos auf den Straßen verringern. Gleichzeitig würden die Fahrer so viel verdienen, dass sie davon leben könnten. Zugleich warb der Selfmade-Milliardär um die Gunst der europäischen Städte und Gemeinden. „Wir wollen 2015 zu dem Jahr machen, in dem wir Uber in Europa ein Stück voranbringen.“ Das wäre gut für die Städte, für die Umwelt und für die Verbraucher, so sein Versprechen.

Zehntausende Vollzeitstellen seien in der EU möglich
Trotz des versöhnlichen Tonfalls erneuerte Kalanick seine Kritik an den oftmals Jahrzehnte alten Regeln für die Taxi-Branche. Überall auf der Welt werde neuen Angeboten das Leben schwer gemacht. In New York etwa gebe es heute noch genauso viele Taxis wie in den 50-er Jahren – die Lizenzen, um Passagieren mitnehmen zu dürfen, würden künstlich knapp gehalten. In Europa sei es viel zu kompliziert und nicht mehr zeitgemäß, eine Taxi-Lizenz zu erwerben. Arbeitslose müssten viel schneller als Chauffeure arbeiten dürfen, als das bislang möglich sei. Zehntausende Vollzeitstellen könnten in der EU geschaffen werden, wenn Uber endlich sein volles Potenzial entfalten dürfte. Das wären deutlich mehr als womöglich im Taxigewerbe verloren gehen würden. So sind laut Kalanick allein in San Francisco, wo Uber vor knapp fünf Jahren startete, bislang 7500 Vollzeitstellen entstanden.

Uber ist nach eigenen Angaben weltweit in 240 Städten präsent. In Deutschland ist das Angebot bislang nur sehr eingeschränkt zugelassen, nachdem Gerichte den Dienst teilweise verboten haben. Ausreichend Kapital für teure Gerichtsprozesse hat das Unternehmen: der Firmenwert liegt aktuell bei 40 Milliarden Dollar. Investoren füllten die Kriegskasse kürzlich mit frischen 1,2 Milliarden Dollar auf. Offenbar glauben sie, dass Uber tatsächlich den globalen Stadtverkehr revolutionieren wird.

2 Kommentare
  • Cabbi 19. Januar 2015 17:21

    Abgesehen davon das ich niemals glaube, dass es nur 500 m waren… Wie viel darf ein Taxifahrer Ihrer Meinung nach verdienen der vielleicht schon eine halbe Stunde am Taxiplatz auf Sie gewartet hat und sich danach wieder hinten anstellen und warten muss? Wie viel würde ein Uber-Fahrer verdienen der diese angeblichen 500 m gefahren ist während einer schwachen Nachfrage für Beförderungsmöglichkeiten? Meinen Sie wirklich, dass einer dieser beiden Fahrer dabei reich wird oder auch nur annähernd 8,50 Euro Mindestlohn bekommt und der Chef vom Taxifahrer Millionär wird?
    Uber möchte bestehende Märkte zerstören um selber die Preise diktieren zu können. Die von den Städten und Gemeinden festgelegten stabilen Kilometerpreise für Taxis existieren dann nicht mehr.

    Wenn beim Karneval eine starke Nachfrage nach Beförderungen entsteht, steigen entsprechend die Preise. Da kostet Ihre Fahrt dann locker mal 8 Euro oder mehr!

  • Claudia Ersfeld 19. Januar 2015 15:16

    Ich fahre höchstens einmal im Jahr Taxi, und zwar Karneval, weil ich etwas getrunken habe und mir die Füße wehtun. Dann bezahle ich vom S-Bahnhof bis nach Hause – ca. 500 m – über 7 Euro, obwohl das Taxi schon am Bahnhof steht. Das finde ich viel zu teuer.
    Auf der anderen Seite würde ich gern Leute mitnehmen. Die meisten Autos haben 4 Sitzplätze, von denen nur einer besetzt ist. Jemanden mitfahren zu lassen wäre umweltfreundlich. Wozu brauche ich einen Taxischein? Weil Geld im Spiel ist?
    Wäre schön, wenn mal in unserer Bürokratie ein bisschen Staub geputzt und aufgeräumt wird. Wir leben in einer modernen Welt und brauchen moderne Regeln, keine Paragraphenwerke aus Urgroßvaters Zeiten.

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