Unternehmen Teure Mini-Moleküle: Der Milliardenpoker um Düfte und Aromen

Das Geschäft mit Düften - hier ein Einblick in die Forschungsabteilung des Herstellers Symrise - boomt.

Das Geschäft mit Düften - hier ein Einblick in die Forschungsabteilung des Herstellers Symrise - boomt.© Symrise

Egal ob süß oder salzig, würzig oder fruchtig: Aromen und Düfte stecken in Nahrungsmitteln, Kosmetik und Reinigungsmitteln. Der Handel mit ihnen ist zum Milliardengeschäft geworden.

Nicht erst seit dem Schoko-Streit zwischen Ritter Sport, der Stiftung Warentest und dem Duftstoffhersteller Symrise sind Aromen in aller Munde. Der Markt mit dem „natürlichen“ Geschmack boomt und weckt in der Branche den Appetit auf lukrative Übernahmen. Auch wenn dafür Milliarden auf den Tisch gelegt werden müssen – so wie jetzt beim US-Konzern Archer Daniels Midland (ADM), der sich den deutschen Duft- und Aromenspezialisten Wild Flavors einverleiben und einen neuen globalen Champion aufbauen will.

Unternehmen wie Wild Flavors sind derzeit besonders begehrt, weil sie sich auf natürliche Aromen konzentrieren. Denn diese gelten in weiten Teilen der Getränke- und Lebensmittelindustrie inzwischen als praktisch unverzichtbar. Immer stärker achten Verbraucher etwa in Deutschland auf eine natürliche Herkunft dieser Stoffe. Künstliche Aromen gelten als Verkaufsbremse. Auch die staatliche Regulierung wirkt seit Jahren in diese Richtung.

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Doch das Geschäft mit den Naturstoffen ist nicht ohne Tücken, wie etwa der Schokostreit zwischen Ritter Sport und der Stiftung Warentest unlängst zeigte. Diese hatte in einem ihrer Tests behauptet, das von Symrise gelieferte Vanille-Aroma sei nicht natürlichen Ursprungs und daher auf einer Schokolade von Ritter Sport falsch deklariert. Einen Rechtsstreit vor dem Landgericht München konnte Symrise erst einmal für sich entscheiden – doch die Stiftung Warentest hat Berufung eingelegt. Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen.

Dass sowohl Symrise als auch Ritter Sport sensibel auf Anschuldigungen wie die der Warentester reagieren, hat seinen Grund: Duftstoffe sind für viele Hersteller ein entscheidender Verkaufsfaktor. Im Gegensatz zu sonstigen Grundstoffen in der Branche sind die Preise für die kleinen Duft-Moleküle deshalb auch vergleichsweise hoch – und die Unternehmen dementsprechend viel Wert.

Käufer müssen bei Übernahmen tief in die Tasche greifen

Bei einer Übernahme müssen Käufer also tief in die Tasche greifen. Der US-Lebensmittelzutaten-Hersteller ADM erhielt beim deutsch-schweizerischen Aromenhersteller Wild Flavors am Montag bei insgesamt 2,3 Milliarden Euro den Zuschlag. Die Firma ist einer der weltweit führenden Hersteller von natürlichen Zutaten für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Sie stellt Düfte, Aromen und Lebensmittelfarben auf natürlicher Grundlage her.

Auch der deutsche Hersteller Symrise wurde zuletzt aktiv. Er will für knapp 1,3 Milliarden Euro die französische Diana-Gruppe übernehmen. Diese ist ein führender Lieferant in der Lebensmittel-, Tiernahrungs- und kosmetischen Industrie. Durch den Kauf will Symrise insbesondere in den Tierfuttermarkt vorstoßen. Symrise setzt pro Jahr mehr als 1,8 Milliarden Euro um und ist mit Abstand die Branchen-Nummer eins in Deutschland. Rund 15.000 Aromen bieten die Holzmindener: Süß, salzig, sauer, bitter, würzig, gemüsig, fruchtig, fleischartig. Zu den Kunden zählen nahezu alle Größen der Nahrungsmittel- sowie der Kosmetik- und Reinigungsmittelindustrie. Gewaltig ist insbesondere in den USA auch der Markt für Raumdüfte.

Noch bis vor einigen Jahren war der Markt für Düfte und Aromen stark fragmentiert. Doch inzwischen haben sich die führenden Hersteller auch durch Zukäufe und Zusammenschlüsse zu globalen Konzernen gemausert. Zu den weltweit größten Herstellern zählen neben dem US-Hersteller IFF die Schweizer Unternehmen Givaudan und Firmenich und die deutsche Symrise.

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