Thomas Hoyer auf der impulse-Wachstumskonferenz Drei Lektionen vom Logistikspezialisten

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Unternehmerdialog zum Thema Spezialisierung: Thomas Hoyer auf der impulse-Konferenz "Wachstum! Intelligent spezialisieren" am 21. April im ehemaligen Hauptzollamt in Hamburg.

Unternehmerdialog zum Thema Spezialisierung: Thomas Hoyer auf der impulse-Konferenz "Wachstum! Intelligent spezialisieren" am 21. April im ehemaligen Hauptzollamt in Hamburg.© Arnold Morascher

Vom Milchhändler zum Weltmarktführer für Flüssigtransporte: Diesen Wandel hat die Hoyer-Gruppe geschafft. Wie der Logistiker seine Nische fand und welche Tipps Beiratsvorsitzender Thomas Hoyer auf der impulse-Wachstumskonferenz parat hielt.

Die Sache mit der Spezialisierung liegt Thomas Hoyer gewissermaßen in den Genen. 1922 startete Hoyers Großvater Bruno einen gutgehenden Milchgroßhandel in Hamburg. Dass aus diesem Vorläufer ein knappes Jahrhundert später einmal ein Weltmarktführer für Flüssigtransporte mit mehr als 1,1 Milliarden Euro Umsatz und 5100 Mitarbeitern heranwachsen würde, das konnte vermutlich selbst der Urahne nicht erahnen.

Doch Bruno Hoyer erkannte schon damals, dass es notwendig war, sich als Unternehmer zu spezialisieren: „Die Flüssigidee ist meinem Großvater nie aus dem Kopf gegangen“, erzählt Enkel Thomas Hoyer, langjähriger Geschäftsführer und heute Vorsitzender des Beirates der Hoyer-Gruppe, auf der impulse-Konferenz zum Thema „Wachstum! Intelligent spezialisieren“.

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Sie haben das Event im ehemaligen Hauptzollamt in Hamburg verpasst? Kein Problem: Dies sind die drei zentralen Lektionen, die andere Unternehmer aus Thomas Hoyers Eröffnungsrede vom 21. April mitnehmen können.

Schuster, bleib bei deinem Leisten!

Flüssigkeiten von A nach B zu bringen, das ist das Kerngeschäft der Hoyer-Gruppe. Der Global Player transportiert Chemikalien, Gase, Benzin, aber auch Lebensmittel wie Bier oder heiße Schokolade per Lkw, Zug, Containerschiff oder Flugzeug quer durch die Welt. „Hauptsache es ist flüssig“, sagt Hoyer.

Einmal, so erinnert sich der Beiratsvorsitzende auf der impulse-Konferenz, habe ein Mitarbeiter einer Auslandstochter jedoch auf eigene Faust damit angefangen, Oldtimer im Namen des Familienunternehmens zu befördern. Als Hoyer davon hörte, stoppte er den Exkurs sofort – zum Wohle der Firma, wie er erklärt: „Damit hätten wir uns zu weit von unserem Geschäftsgegenstand entfernt.“

Firma geht vor …

So lautet das Credo in Hoyers Familiensatzung, die jedes Familienmitglied zum 16. Geburtstag überreicht bekommt. Als wichtigsten Schritt dieses Grundsatzes hat Hoyer Ende 2006 zwei externen Geschäftsführern das Tagesgeschäft übertragen. Er selbst ist in den Beirat gewechselt, der die Geschäftsführung berät und „aktienrechtliche Befugnisse“ hat, wie Hoyer erklärt.

Auch in diesem Gremium soll es laut der Familienverfassung keinen Überschuss an Familienmitgliedern geben. Derzeit gehören Thomas Hoyer, seine Schwester Annette und zwei externe Mitglieder zum Hoyer-Beirat. „Es gibt keine Sonderbehandlung für Familienmitglieder“, sagt Hoyer auf der Bühne. „Frei nach der Gaußschen Normalverteilungskurve: Wenn man aus der Gesamtbevölkerung schöpft, ist die Wahrscheinlichkeit, den Besten zu finden, größer. Er muss ja nicht immer aus der Familie kommen.“

… doch die Familie gibt die Werte vor!

Auch wenn die Hoyer-Gruppe in diesem Jahr die 6000-Mitarbeiter-Marke sprengen könnte, sind dem Unternehmen seine Familienwurzeln wichtig. In der Firmenzentrale in der Hamburger Wendenstraße sollen die Türen deshalb auch „verdammt noch mal offen bleiben“, mahnt Thomas Hoyer – und ergänzt: „Wer erreicht, dass die Mitarbeiter den Familienhintergrund in einem Unternehmen spüren und aufgreifen, der hat es als Familienunternehmer geschafft.“

Am Wertesystem der Familie muss sich auch die externe Hoyer-Geschäftsführung orientieren. Neben dem Credo „Firma vor Familie“ sind in der Familiensatzung unter anderem folgende weitere Punkte verankert:

  • Unabhängigkeit: Um diese zu wahren, liegen alle Gesellschafteranteile der Hoyer-Gruppe in Familienhand. Zusätzlich soll die Eigenkapitalquote in dem Familienbetrieb dauerhaft über 30 Prozent liegen, aktuell liegt sie bei mehr als 40 Prozent.
  • Soziale Verantwortung – vor allem gegenüber den Mitarbeitern. „Gerade Fahrer sind ein knappes und wertvolles Gut“, sagt Hoyer auf der impulse-Bühne.
  • Fairness: Für Familienmitglieder gelten bei Hoyer die gleichen Ansprüche wie für jeden anderen auch. Die Basis dafür ist aus Sicht des Familienunternehmers ein respektvoller und ehrlicher Umgang miteinander – sowohl im Betrieb als auch innerhalb der Familie.

Trotz dieser klaren Forderungen, so räumt Hoyer ein, ist es bisweilen schwierig, Familie und Firma gleichermaßen zusammenzuhalten: „In der Familie ist Emotion. Im Unternehmen mehr Ratio. Das zusammenzubringen, ist nicht einfach!“ So gilt zwar grundsätzlich das Konsensprinzip bei Familienentscheidungen. „Wenn das aber mal nicht geht, entscheidet in Ausnahmefällen die Mehrheit“, sagt Hoyer.

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