Unternehmen Schuss-Verkauf: Wie Tipp-Kick von der WM profitiert

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Schwankungen aushalten: Tipp-Kick-Figuren werden vor allem zu großen Fußball-Ereignissen gekauft.

Schwankungen aushalten: Tipp-Kick-Figuren werden vor allem zu großen Fußball-Ereignissen gekauft.© Boris Kumicak

Wenn die Nationalelf bei Großturnieren aufläuft, schnellt der Absatz von Tipp-Kick-Figuren in die Höhe - um danach wieder zurückzufallen. Wie der Hersteller Mieg gelernt hat, mit den Höhen und Tiefen umzugehen.

Die Sensation aus dem Schwarzwald steckt in einem grün-gelben Karton und kostet 39,90 Euro. Zum ersten Mal in der 90-jährigen Firmen­geschichte trägt eine Tipp-Kick-Figur Gesichtszüge und Frisur eines realen Spielers: Bayerns Innenverteidiger Dante war Vorbild für das Männchen mit dem Druckknopf auf dem Schädel und dem beweglichen rechten Bein, mit dem sich ein Mini-Fußball in ein Mini-Tor schießen lässt. Dazu gibt es ein Spielfeld im Brasilien-Design und eine Halbzeituhr mit Samba-Sound.

Wenn am 12. Juni der echte Dante in São Paulo zum Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft im Trikot der brasilianischen ­Nationalmannschaft aufläuft, werden die Deutschen zu Abertausenden die Aktionen des Münchener Abwehrchefs nachspielen. So hoffen sie es bei der Firma Mieg in Villingen-Schwenningen, die das Tipp-Kick-Spiel produziert. Und so wird es wohl auch kommen.

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Alle zwei Jahre, wenn die Fußballwelt im kollektiven WM- oder EM-Rausch ist, erlebt das Familienunternehmen ein kleines Wunder. Muss Mieg sonst darum kämpfen, sein Spielset mit dem eigentümlichen Retrocharme an den Kunden zu bringen, läuft plötzlich alles fast wie von allein. Ein internationales Fußballturnier lässt den Umsatz in die Höhe schnellen – und hilft den Schwarzwäldern, die bewegte Unternehmensgeschichte fortzuschreiben.

Von der Legende leben

Wer sich auf den Weg macht, um den Tipp-Kick-Hersteller in einem Industriegebiet am Rand von Villingen-Schwenningen zu besuchen, begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Als Firmensitz dient der Edwin Mieg OhG ein Flachbau aus dem Anfang der 60er-Jahre, als die deutsche Nationalelf bei ihrer letzten Weltmeisterschaft unter Trainer Sepp Herberger im Viertelfinale gegen Jugoslawien ausschied. Seither hat sich an dem Gebäude nicht viel verändert – genauso wenig wie an dem Produkt, das von hier stammt.

Veränderung ist etwas, das Mathias und Jochen Mieg, Cousins und Geschäftsführer des Unternehmens, möglichst vermeiden. Seit ihr Urgroßvater Edwin Mieg Tipp-Kick in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts zur Marktreife entwickelte, werden die Miniatur­kicker aus dem gleichen Material (Zinkguss) hergestellt, optische Anpassungen der Figuren gibt es alle zwei Jahre, die Verpackung wird alle zehn Jahre behutsam modernisiert. Nebensächlichkeiten kamen dazu, eine Halbzeituhr beispielsweise, Flutlichter oder Banden – das war’s. „Warum soll man ein gutes Produkt zwanghaft verändern?“, fragt Mathias Mieg.

Tipp-Kick ist Legende. Ein Produkt, das generationsübergreifend Kindheitserinnerungen weckt wie Ahoj-Brause, Siku-Autos oder ­Märklin-Modellbahnen. Es hat den Fußball in die eigenen vier Wände gebracht, lange bevor virtuelle Spiele wie Fifa oder Pro Evolution Soccer Sportbegeisterte an den Computer fesselten. […]

 
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