Unternehmen Traditionsreicher TV-Hersteller Metz meldet Insolvenz an

Unternehmerin Helene Metz (m.) und Geschäftsführer Norbert Kotzbauer in einem ihrer Produktionswerke im mittelfränkischen Zirndorf

Unternehmerin Helene Metz (m.) und Geschäftsführer Norbert Kotzbauer in einem ihrer Produktionswerke im mittelfränkischen Zirndorf© dpa

Metz hat lange durchgehalten. Viel länger als die meisten Hersteller der einst glänzenden deutschen Elektronikbranche. Doch jetzt hat es auch die Franken erwischt. Bitter ist das vor allem für die 90 Jahre alte Inhaberin.

Letztlich kommt die Nachricht wenig überraschend: Der TV-Hersteller Metz hat Insolvenz beantragt. Allzu hart ist der Konkurrenzdruck in der Branche, allzu heftig der Preisverfall, als dass das Traditionsunternehmen noch lange hätte mithalten können. Denn die Franken produzieren ihre Fernseher noch immer in Deutschland. Alle anderen bekannten Marken der einst glänzenden Elektronikbranche, wie Saba, Grundig oder Nordmende, sind längst Geschichte oder an ausländische Massenhersteller verkauft. Konkurrent Loewe kämpft schon seit geraumer Zeit ums Überleben.

Nun also Metz. Mehrfach hatten die Zirndorfer in den vergangenen Jahren rote Zahlen geschrieben. 2013 brach der Umsatz um ein Viertel ein. „Die Branche ist in sehr rauer See unterwegs, dem kann sich auch Metz nicht entziehen“, hatte Geschäftsführer Norbert Kotzbauer erst vor wenigen Wochen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa eingeräumt. „Wir sind da mitten drin, wir sind ja keine Insel der Glückseligen.“

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In Asien ist immer ein Hersteller billiger

Doch kampflos aufgeben wollte das Management nicht. Die über Jahrzehnte hinweg funktionierende Nischenstrategie, einer älteren Käuferschicht qualitativ hochwertige Produkte samt Service als Rundum-sorglos-Paket anzubieten, sollte zwar nicht über Bord geworfen werden. Ein Anbiedern an den Massenmarkt hätte ohnehin nicht funktioniert – schließlich findet sich in Asien immer ein Hersteller, der noch billiger ist.

Doch der preisliche Abstand zwischen dem Metz-Einsteigerprodukt und einem Standard-Fernseher sollte geringer werden. Beim Design wollte Metz zudem mit rahmenlosen Geräten und größeren Bildschirmen moderner werden, und auch beim Vertrieb sollte sich einiges ändern: Wurden die Produkte bislang ausschließlich über den Fachhandel vertrieben, wollte Metz nun auch in serviceorientierten Fachmärkten Fuß fassen.

Innerhalb eines Jahres überarbeiteten die Entwickler das komplette Sortiment der für Metz wichtigsten Sparte TV. Rundum fertig waren sie damit erst im Sommer 2014, doch schon zuvor bekamen sie positives Feedback: Die Reaktionen auf die ersten neuen Modelle waren ermutigend, die Händlerbasis stieg, der Marktanteil ebenfalls – auch wenn er mit unter vier Prozent zuletzt noch immer klein war.

Ermutigendes Beispiel Loewe

Doch die Zeit reichte nicht. Offizielle Gründe für die Insolvenz wurden zunächst zwar nicht bekannt. Doch Insider berichten, dass eine Kapitalspritze dringend nötig sei; nur mit einem finanzkräftigen Investor gäbe es die Chance, das Unternehmen fortzuführen.

Das hatte auch bei Loewe funktioniert. Der Konkurrent ist einer der wenigen anderen noch existierenden deutschen Hersteller. Vor gut einem Jahr stand das Unternehmen am Abgrund, beantragte erst Gläubigerschutz, dann ein Insolvenzverfahren in Eigenregie. Im Frühjahr wagte ein Team neuer Investoren den Neustart. Inzwischen scheint sich das Blatt zu wenden: Das erste Geschäftsjahr unter den Fittichen der Kapitalgeber soll bereits profitabel werden.

Bei Metz arbeiten aktuell knapp 550 Mitarbeiter im nahe Nürnberg gelegenen Werk sowie im Außendienst. Auch für die Angestellten dürfte der Insolvenzantrag wenig überraschend kommen, wurde doch zu Jahresbeginn ein Sanierungstarifvertrag vereinbart. Zudem gab es immer wieder Kurzarbeit; aktuell sind davon rund 100 Mitarbeiter in der Verwaltung und in der Blitzgeräte-Sparte betroffen.

Für eine dürfte der Insolvenzantrag besonders bitter sein: Helene Metz. Die Firmen-Matriarchin ist Anfang September 90 Jahre alt geworden und lebt für das Unternehmen. Jahrzehntelang stärkte sie ihrem Mann Paul Metz den Rücken, war selbst unter anderem in der Buchhaltung tätig. Nach dem Tod des Firmengründers 1993 übernahm sie die Aufgaben ihres Ehemannes – mit 69 Jahren. Erst Mitte 2010 zog sie sich aus der operativen Verantwortung zurück. Doch bis heute fährt sie nahezu täglich in ihr Büro.

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