Unternehmen Trendstudie: Die ländliche Region als Innovationslabor

Innovationen querfeldein: Ländliche Räume werden zu Experimentierfeldern für neue Konzepte. Der multifunktionale Dorfladen in Otersen ist eine der 100 ausgezeichneten Ideen in Deutschland.

Innovationen querfeldein: Ländliche Räume werden zu Experimentierfeldern für neue Konzepte. Der multifunktionale Dorfladen in Otersen ist eine der 100 ausgezeichneten Ideen in Deutschland.© Günter Lühning

Fachkräftemangel und demografischer Wandel: Was Deutschlands Großstädten in naher Zukunft droht, ist auf dem Land bereits ein akutes Problem. Die Studie "Land" des Frauenhofer Instituts hat Ideen von 100 Unternehmen und Projekten ausgewertet. Mit dem Ergebnis: Die Stadt kann vom Land viel lernen.

Das Dorf Otersen liegt mitten in Niedersachsen. Als das letzte Lebensmittelgeschäft im Ort geschlossen werden sollten, ergriffen die Bürger die Initiative. Sie schlossen sich zu einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts zusammen und gründeten einen Dorfladen. Heute ist er Einkaufsmöglichkeit, Treffpunkt und Nachrichtenbörse des 510-Seelen-Dorfes. Mit ihrem „Dorfladen-Handbuch“ helfen sie anderen Gründern, eigene Dorfläden aufzubauen.

Otersen ist ein Beispiel der Trendstudie „Land“, die das Frauenhofer Institut kürzlich vorgestellt hat. Untersucht wurde die Innovations- und Wirtschaftskraft des ländlichen Raumes anhand von 100 prämierten Unternehmen und Projekten im Auftrag der Deutschen Bank und der Initiative „Land der Ideen“. Im Jahr 2013 untersuchte die Studie bereits das innovative Potential der Stadt.

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„Die Ideen zeigen, dass das Land der Zukunftsspiegel für die gesamte Republik ist“, sagt Steffen Braun, Studienleiter des Fraunhofer Instituts. „Denn auf dem Land sind die großen Herausforderungen der Zukunft wie Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Infrastruktur- und Investitionsprobleme bereits angekommen. Dörfer und ländliche Gemeinden sind schon heute zum Handeln gezwungen lösen Probleme, die auch auf die Städte zukommen werden.“ Es verwundere daher kaum, dass sich 20 der Projekte konkret mit dem demographischen Wandel auseinandersetzen, weitere 14 der Abwanderung entgegenwirken und zwölf Fachkräfte anlocken möchten.

Das Land als Innovationslabor

Mit kreativen Ideen werben Unternehmen zum Beispiel um Fachkräfte: Im Emsland informiert der Job-Bus über mögliche Perspektiven. Bei der Grünen Werkstatt Wendland kooperieren 50 lokale Betriebe mit Studenten. Das Blomberger Elektrotechnik-Unternehmen Phoenix Contact arbeitet mit der örtlichen Hauptschule zusammen und nimmt jährlich 15 Absolventen auf, die durch Einstellungstests fielen.

Drei Aspekte zeichnen der Studie zufolge die ländlichen Regionen aus: die Netzwerke, die Kreativität und die Identifikation mit der Heimat. „Auf dem Land ist die Zusammenarbeit notwendig, die Netzwerke sind größer, die Menschen begegnen sich häufig, im Büro und auf dem Sportplatz“, so Braun.  Viele Projekte resultierten zudem aus dem persönlichen Engagement der Bürger, im Gegensatz zur Stadt wo viele Ideen erst durch die Kommune angestoßen werden. „Auf dem Land identifizieren sich die Bürger mit ihrer Heimat, wollen etwas bewegen und alltägliche Probleme lösen.“ Die meisten Projekte seien daher „aus der Not geboren, die erfinderisch macht“.

Aus Brandenburg kamen die meisten der 100 ausgezeichneten Projekte. Neben dem Postbus auch die Willkommens-Agentur Uckermark. „Es ist das Bundesland mit dem größten Bevölkerungsrückgang, deswegen wird viel dafür getan, den ländlichen Raum attraktiver zu gestalten“, sagt Braun. „Die Agentur hilft Neubürgern und Rückkehrern bei der Suche nach einer Arbeitsstelle, der Wohnung und dem Schulangebot“.

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