Unternehmen Familienstreit zum 70. Geburtstag: Über Lust und Last ein Oetker zu sein

August Oetker bei einer Backaktion in einem SOS-Kinderdorf im Dezember 2013.

August Oetker bei einer Backaktion in einem SOS-Kinderdorf im Dezember 2013.© Dr. Oetker

Um die künftige Führung der Oetker-Gruppe schwelt ein heftiger Streit. Inzwischen versucht ein hochkarätig besetztes Schiedsgericht, die Wogen zu glätten. Der Zwist belastet auch den 70. Geburtstag von August Oetker an diesem Montag, der den Familienkonzern bis 2009 leitete.

Als kleiner Junge, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, war August Oetker am liebsten bei den Gärtnern, die das Anwesen der Familie am Bielefelder Stadtrand zum Schlaraffenland machten. „Da gab es alles. Apfelbäume, Kirschbäume und Birnbäume, Kartoffeln, Gemüse, Pflaumen“, erinnert sich August Oetker lebhaft. Später wollte er lieber Kapitän sein. Er wurde weder noch. Aber er hat Jahrzehnte den „Dampfer“ Dr. Oetker gelenkt und die Früchte der Arbeit geerntet. Am diesem Montag wird er 70 und versucht, sich den Ärger über die Streitereien in der Familie nicht allzu sehr anmerken zu lassen.

August Oetker, internes Kürzel „AO“, leitete von 1981 bis 2009 den Konzern. Der Nahrungsmittelsparte verordnete er eine Konzentration auf Kernkompetenzen und hatte damit Erfolg. Der gelernte Schifffahrtskaufmann machte die Container-Reederei Hamburg Süd zur größten Sparte. Sie liefert mittlerweile mehr als die Hälfte des Umsatzes von fast elf Milliarden Euro. Zum Konzern gehören auch die Radeberger-Gruppe, die Henkell-Gruppe, die Lampe-Bank und Hotels.

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Manche behaupten, August Oetker hätte gerne noch weitergemacht an der Spitze. Doch die drei jüngeren Halbgeschwister um Alfred aus der dritten Ehe des Patriarchen Rudolf August Oetker hätten ihm das verwehrt. Wäre er gern geblieben? Er ringt um Worte. „Nein. Es hätte Gründe geben können und ich dachte, es gab Gründe. Diese Gründe entfielen dann aber, nein, sie wurden so nicht gesehen.“

Heute ist Alfred Oetker Beitratsvorsitzender

Als August dann ging, folgte ihm 2010 etwas überraschend sein jüngerer Bruder Richard (63) als Oetker-Chef nach. Um die künftige Führung der Firmengruppe ist inzwischen ein heftiger Streit entbrannt. Alfred Oetkers ältere Halbgeschwister, angeführt von Beiratschef August Oetker und dem amtierenden Unternehmensleiter Richard Oetker (63), wollen einen externen Manager an die Spitze setzen. Alfred Oetker (46) untermauerte dagegen jüngst in einem Bericht des Manager-Magazins seinen Anspruch auf die Führung der Oetker-Gruppe.

Der Patriarch Rudolf-August Oetker hat dem Magazin-Bericht zufolge in einem Brief als letzten Willen niedergelegt, dass Alfred Oetker künftig Chef des Konzerns werden solle. Die Familie hat inzwischen ein hochkarätig besetztes angerufen, um den Streit zu schlichten. Spätestens im Jahr 2016 soll der Beirat der Oetker-Gruppe einen neuen Chef bestimmen.

Heute ist August Oetker Vorsitzender des mächtigen Beirats und sitzt damit an einer Schaltstelle des Konzerns. Hier wird der nächste Konzernchef bestimmt. Die Familie ist hier in der Minderheit. Drei Familienmitgliedern, darunter August und Alfred Oetker, stehen vier familienfremde Manager gegenüber. August Oetker redet nicht über mögliche Nachfolger Richards, der spätestens 2016 ausscheidet. Er betont aber, dass der Name Oetker nicht reiche, um den Konzern zu lenken. „Es sollen die Besten das Unternehmen führen.“

Oetker bedauert das Scheitern der Fusions-Verhandlungen mit Hapag-Lloyd

Der Unternehmer hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm die Schifffahrt besonders am Herzen liegt. „AO“ führte auch die Verhandlungen mit der Reederei Hapag-Lloyd über eine Fusion. Diese wäre sinnvoll gewesen, wie alle Beteiligten stets betonten. „Die meisten Beteiligten“, knurrt Oetker an dieser Stelle. Man könne eben verschiedener Auffassung zum Thema Schifffahrt sein. Haben die Geschwister um Alfred die Verhandlungen mit der Hapag-Lloyd gestoppt, wie es zu lesen war? Das könne er nun wirklich nicht sagen, aber er bedaure das Scheitern, sagt August Oetker. Zugleich beeilt er sich zu ergänzen, dass die „Alten“ nicht immer recht haben müssten.

Dass er sich zu seinem Geburtstag andere Medienberichte gewünscht hätte, sieht man dem groß gewachsenen Mann deutlich an. Wird darin die Handlungsfähigkeit der Familie und der Gruppe infrage gestellt, kommt er in Fahrt. Es sei „Blödsinn“, wenn eine Zeitung behaupte, die Investitionen würden wegen des Streits heruntergefahren. „Das ist alles Unsinn.“

Von einem Auseinanderfallen der Gruppe will er nichts wissen

Dennoch ist die Uneinigkeit für den vierten Oetker-Chef seit 1891 kein Dauerzustand. Medien spotten, dass sich die Geschwister inzwischen schon darüber streiten, wer das firmeneigene Propellerflugzeug („Puddingmeise“) nutzen darf. Beeinträchtigt der Streit doch die Geschäfte? „Also wenn das Jahrzehnte lang dauert, dann sicher“, räumt August Oetker ein.

Von einem Auseinanderfallen der Oetker-Gruppe will er aber nichts wissen. Er denkt lange über die Antwort nach, bevor er fast trotzig sagt: „Eine Gruppe fällt nicht einfach auseinander oder wird auseinandergenommen, nur weil sich Gesellschafter nicht einig darüber sind, in welcher Weise sie weitergeführt werden soll.“ Veränderungen seien denkbar. Es gebe keinen Bereich, mit dessen Verkauf Oetker seine Identität verlieren würde, „außer Dr. Oetker selber“, das „Mutterhaus.“

Deutlich entspannter ist August Oetker, wenn es um Oldtimer geht. Er sammelt alte Autos. Und fühlt er sich jetzt alt, fast wie ein Oldtimer? August Oetker, der immer noch um die 16 Ämter hat, zuckt mit den Achseln. Es gebe den Spruch: Man ist so alt, wie man sich fühlt. Aber: „Dazu komme ich nicht, dazusitzen und mich zu fühlen. Dazu muss man sich ja hinsetzen und sich fragen, wie fühle ich mich? Das ist mir zu langweilig.“

1 Kommentar
  • Joe 17. März 2014 22:01

    Dr. Oetker ist ne Klasse Firma mit langer Tradition. Ich hoffe, dass sie sich dazu durchringen den Vorsitz in Familienhand zu belassen. Manager sind leider nichts weiter als Arbeitnehmer, die einen Job machen. Als Eigentümer steckt man bis über beiden Ohren in der Firma drin, es ist ein Teil von einem und dementsprechend führt man das Unternehmen auch!

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