Unternehmen Unbewusste Vorbehalte: Allianz geht neue Wege bei der Mitarbeitersuche

Flaggen vor der Allianz-Zentrale in München

Flaggen vor der Allianz-Zentrale in München© Allianz

Männlich, groß, tiefe Stimme und unter 50? In der alten Wirtschaftswelt waren das gute Voraussetzungen für den Aufstieg - auch bei der Allianz. Bisher ist dort nur jede vierte Führungsposition mit einer Frau besetzt. Das soll sich ändern. Wie der Versicherungskonzern überholte Denkmuster in Einstellungsgesprächen überwinden will.

Auf der Suche nach Frauen für Führungspositionen geht der Versicherungskonzern Allianz neue Wege. „Unser Ziel ist es, bis zum Jahresende 2015 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen“, sagt Wolfgang Brezina, Personalvorstand der Allianz Deutschland. Derzeit sind es rund 28 Prozent. Um mehr weibliche Talente zu entdecken, hat der größte deutsche Versicherer mit rund 30.000 Beschäftigten Veränderungen am Auswahlprozess für Führungspositionen vorgenommen.

Das Ziel war es, alte Denkmuster zu überwinden, die zu sehr auf männliche Führungskräfte ausgerichtet waren. „Es ging uns darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Menschen bei Einstellungsgesprächen unbewusst kategorisiert werden“, sagt Brezina. Unter dem Begriff „Unconscious Bias“ (Unbewusste Vorurteile) wird das Phänomen seit einiger Zeit auch in anderen Unternehmen diskutiert.

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Wissenschaftler sehen in dem stereotypen Denken einen Grund dafür, dass bei der Suche nach Führungskräften oft Männern der Vorzug gegeben wird. Der Psychologe Matthias Spörrle, der die Allianz bei dem Projekt berät, nennt unter anderem eine tiefe Stimme oder die Körpergröße als Einflussfaktoren, die unbewusst in Personal-Entscheidungen einfließen. „Die beste Führungskraft ist aber nicht die männlichste oder die mit der tiefsten Stimme.“

Wie die Allianz stereotypes Denken vermeiden will

Bei der Allianz hat der Professor mit einem Vortrag über die unbewussten Vorbehalte für einen Aha-Effekt gesorgt. „Wir hatten bis dahin in Anspruch genommen, dass wir gute Entscheider sind, daraufhin aber unser Vorgehen noch einmal kritisch hinterfragt“, sagt Brezina. Inzwischen hat die Allianz einen weitgehend standardisierten Fragenkatalog entwickelt, der als Leitfaden bei Einstellungsgesprächen helfen soll, stereotypes Denken zu vermeiden. Die Gespräche sollten grundsätzlich zu zweit und mit viel Zeit geführt werden, um zu ausgeglicheneren Ergebnissen zu kommen. Denn je kürzer ein Treffen mit einem unbekannten Menschen ist, desto eher schlagen Stereotypen zu.

Überholte Denkmuster zu überwinden, ist aus Sicht des Personalvorstandes Brezina nicht nur beim Thema Frauen wichtig: „Ich glaube, wir werden in ein paar Jahren das Gleiche beim Thema Alter haben. Dann haben wir eine ganze Reihe von Kandidaten für Führungspositionen mit einer 6 vorne im Alter – was im vergangenen Jahrhundert vielleicht alt war.“ Diese Grenze werde jedoch zunehmend aufgehoben. Noch gilt allerdings auch im Allianz-Vorstand eine Altersgrenze von 60 Jahren.

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