Unternehmen Unternehmer werden immer älter – mit fatalen Folgen

Die Unternehmenslenker in Deutschland werde immer älter.  Das Problem: Je älter die Chefs werden, desto weniger Lust haben sie, zu investieren.

Die Unternehmenslenker in Deutschland werde immer älter. Das Problem: Je älter die Chefs werden, desto weniger Lust haben sie, zu investieren.© olly / fotolia

Das deutsche Unternehmertum vergreist: Ein Drittel aller Entscheider sind älter als 55 Jahre, das Durchschnittsalter steigt deutlich schneller als in der Gesamtbevölkerung. Das hat fatale Konsequenzen, wie eine neue Studie der KfW zeigt.

Wer wissen will, was für ein Typ Mensch den deutschen Mittelstand führt, braucht eigentlich keine Statistik. Er kann sich im Internet durch die Vorstandsseite eines beliebigen Mittelstandsclubs klicken. Nehmen wir etwa den BVMW, den Bundesverband mittelständischer Wirtschaft. Im Vorstand: acht Männer. Sechs davon sind über 60 Jahre alt, nur einer unter 50.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat nun dem Eindruck, der sich ergibt, ein statistisches Fundament verpasst: Die Führung des deutschen Mittelstands wird immer älter – und das hat Folgen.

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Mit steigendem Alter sinkt die Investitionsfreudigkeit

Zunächst die Zahlen: Die Inhaber von 1,3 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen – so die Studie der KfW – sind 55 Jahre oder älter. Das bedeutet, dass jede dritte Firma von einem Chef gesteuert wird, der zumindest in den nächsten Jahren aufs Rentenalter zusteuert. Damit ist der Anteil dieser Altersgruppe unter den mittelständischen Unternehmern seit 2002 vier Mal so stark gestiegen wie in der Gesamtbevölkerung (+16 Prozentpunkte im Gegensatz zu +4 Prozentpunkte). „Der deutsche Mittelstand altert im Zeitraffer“, sagte Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW.

Alter ist natürlich grundsätzlich nichts Negatives, es geht schließlich häufig mit Erfahrung einher. Das Problem ist jedoch: Mit den Jahren sinkt die Investitionsbereitschaft von Unternehmern rasant. Von den über 60-Jährigen investiert laut der KfW-Analyse nur noch rund jeder Dritte. Zwei Drittel hingegen entwickeln ihr Geschäft nicht mehr aktiv weiter. Das gefährde – so die Autoren der Studie – den künftigen Geschäftserfolg und häufig auch Arbeitsplätze.

Der Kapitalstock schrumpft

Jüngere Unternehmer und Unternehmerinnen zeigen sich hingegen investitionsfreudiger. 57 Prozent der Chefs unter 40 Jahren investieren in ihr Unternehmen. Auch die Art der Investitionen ändert sich laut KfW mit zunehmendem Alter: Junge Unternehmer stecken auch Geld in risikoreiche, kapitalbindende Ideen, die Investitionen der älteren Semester konzentrieren sich hingegen auf die Pflege des Kapitalstocks. Das hat Folgen: Bei acht von zehn Mittelständlern mit älteren Inhabern übersteigt der Wertverlust des Kapitalstocks das Volumen der Neuinvestitionen.

5 Kommentare
  • Daniel Senf, Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren 26. März 2015 08:34

    Ein wichtiges Thema – und daher werden die Wirtschaftsjunioren Deutschland auch nicht müde, gerade junge Menschen für Unternehmertum und Gründergeist zu faszinieren.
    Darüber hinaus brauchen wir in Deutschland keine weiteren Hürden wie eine Verschärfung der Erbschaftssteuer oder ein Entgeltgleichheitsgesetz – sondern weniger Bürokratie für Unternehmen und ein gründerfreundliches Klima. Hier ist dringend eine vorausschauende Politik gefragt.

  • Daniel Senf, Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren 26. März 2015 08:29

    Ein wichtiges Thema – und einer der Gründe, warum die Wirtschaftsjunioren Deutschland nicht müde werden, gerade junge Menschen für Unternehmertum und Gründergeist zu faszinieren. Wichtig in diesem Kontext sind aber auch die politischen Rahmembedingungen. Statt weiterer Hürden wie der Verschärfung der Erbschaftssteuer oder dem Entgeltgleichheitsgesetz fordern wir von der Politik den Abbau von Bürokratie für Unternehmen sowie ein gründerfreundliches Klima.

  • Dr. Böhm 26. März 2015 07:50

    Die Statistik mal anders interpretiert: Es haben weniger Leute Lust Unternehmer zu werden als früher. Die Gründe sind sicherlich die allgemeine Regulierungswut der EU und der deutschen Bürokraten (Wieviele Gesetze, Richtlinien und Verordnungen muß ich beachten wenn ich eine Wohnzimmerlampe auf den Markt bringen will? Gibt es eine Person oder Institution die eine rechtsverbindliche Antwort gibt und den aus einer falschen Antwort resultierenden Schaden trägt?)
    Unternehmer wird wer Unternehmer werden will und mit viel Mut und wenig Detailwissen über die weiteren Umstände an „sein“ Projekt herangeht. Wollen tun viele Menschen nur, wenn sie ein günstiges Chance-Risisko Verhältnis für sich sehen; das trifft z.B. auf Beamte oder Personen in der Unternehmensleitung größerer Unternehmen meist nicht zu.
    Unternehmer bleibt, wer ein gutes Produkt oder eine gute Dienstleistung bietet, genügend Allgemeinwissen über kaufmännische, steuerliche und juristische Gegebenheiten hat, fleißig ist und viel Glück hat.
    Von der Sorte Menschen gibt es nicht viele.

  • Bernhard Gehri 25. März 2015 18:11

    In der Botschaft kommt diese Aussage für Übergeber klar und deshalb vielleicht mit dem Faktor 55 hart rüber, doch trifft es den Punkt.
    Ab 65 bis 70 Jahren wird es eben auch mit der Gesundheit und der eigenen Flexibilität nicht besser. Da wird manche Darstellung eines potentiellen Nachfolgers gleich persönlich genommen – der 55 jährige nimmt sich die Zeit und hat Alternativen weil er eben nicht mit jedem Nachfolger gleich zum Ziel gelangen muss.
    Schlussendlich hat der demographische Wandel nicht nur den Fachkräftemangel zur Folge, es kommen dadurch auch mehr Alternativen für potentielle Nachfolger ins Spiel. Der bestehende Arbeitgeber gibt seinen Mitarbeiter ungern her und bringt mit der Mitarbeiterbeteiligung einen interessanten Aspekt der Zukunft ins Spiel. Einfacher wird es nicht, eher schwieriger – auch für mich als Spezialisten.

  • Werner Wolf 24. März 2015 17:10

    Sie haben vollkommen recht. Wenn aber keiner da ist den Betrieb zu übernehmen ist irgendwann Schluss. Da sind alle Investitionen verlorenes Geld.
    Natürlich geht es auch um Arbeitsplätze. Es gibt keine IHK oder sonst ein Platz der
    bei der rechtzeitigen Übergabe hilft.

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