Unternehmen Vielflieger zum Pilotenstreik: „Das erschüttert mich nicht mehr“

Das Germanwings-Terminal am Flughafen Koeln/Bonn am Streiktag.

Das Germanwings-Terminal am Flughafen Koeln/Bonn am Streiktag.© dpa/picture-allaince

Der Streik der Piloten von Germanwings hat am Freitag zu über 100 Flugausfällen geführt. Während sich die einen Passagiere übermüdet und verärgert zeigen, geben sich andere pragmatisch gelassen. Eine Bestandsaufnahme am Flughafen Köln/Bonn.

Am Terminal 1 des Flughafens Köln/Bonn ist es an diesem Freitagmorgen sehr ruhig. Kein Rufen, kein Lachen ist zu hören. Die Abfertigungshalle von Germanwings ist weitgehend leer. Die Gesellschaft wird heute bestreikt. Der Mann am Stand mit den belegten Brötchen sitzt auf einem Hocker und döst vor sich hin. Am Informationsstand von Germanwings bildet sich dann doch noch eine kleine Schlange von Reisenden. Ihr Flugzeug aus Island ist gerade gelandet, nun wissen sie nicht, wie sie nach Hause kommen sollen. Nach Berlin, Dresden und Leipzig wollen sie. Doch die Anschlussflüge sind gestrichen.

Die streikenden Piloten der Fluggesellschaft wollen größere Einschnitte bei ihrer Übergangsrente verhindern. Die Kapitäne gehen im Schnitt mit knapp 59 Jahren in den Vorruhestand, Lufthansa will Kosten sparen und das Eintrittsalter schrittweise erhöhen. Doch Auch demonstrierende Piloten sind nirgends zu entdecken. Auch Plakate ihrer Gewerkschaft Cockpit sind an diesem Morgen nicht zu sehen.

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Verärgerte Touristen

„Wir kommen aus Reykjavik und haben kurz dem Abflug erfahren, dass womöglich gestreikt wird“, sagt ein junger Rucksacktourist, der seinen Namen nicht nennen möchte. „Wir wollen nach Dresden. Wir werden versuchen, mit dem Zug weiterzufahren, das bedeutet natürlich sieben Stunden“. Dass „überversorgte Piloten“ versuchen, auf seinem Rücken ihre Forderungen durchzusetzen, gefällt ihm gar nicht.

Verärgert ist auch ein älterer Island-Tourist, der nach Berlin-Tegel weiterfliegen will. Er sei seit mehr als 20 Stunden auf den Beinen, sagt er. „Die haben uns verschaukelt.“ Der Direktflug von Island nach Tegel sei schon eine Woche vorher abgesagt und in die Route über Köln/Bonn geändert worden. Auch er erhält ein Ticket für die Deutsche Bahn, die eine Etage tiefer abfährt.

„Ungünstige“ Informationspolitik

Der Geschäftsmann und Vielflieger Uwe Kistmann aus der Schweiz ist auf dem Weg von einem Termin im Rheinland nach Zürich. Er fährt mit der Bahn nach Frankfurt, um von dort einen Flug nach Zürich zu erwischen. So etwas habe er schon öfter erlebt, sagt er. „Das erschüttert mich nicht mehr.“ Allerdings sei die Informationspolitik von Germanwings ungünstig gewesen. Er habe weder eine Mail, eine SMS oder einen Anruf erhalten. „Das wäre das nächste Mal noch zu verbessern.“

„Wen wir erreichen konnten, haben wir informiert“, sagt Germanwings-Sprecher Heinz Joachim Schöttes. Die Erreichbarkeit hänge allerdings davon ab, ob die Passagiere direkt oder über einen Veranstalter gebucht hätten. Im zweiten Fall sei es dann schwierig, ihn zu erreichen.

Auch Familie Hopkins aus Kanada hat keine Warnung erhalten. Das Ehepaar war mit drei Kindern auf einer Hochzeit in Marokko und will nach Hause. Erst kurz vor dem Rückflug aus Marrakesch in der Nacht zum Freitag erfuhr die Familie, dass bei Germanwings ab 6 Uhr morgens gestreikt wird. Sie wollen von Köln/Bonn nach London fliegen, wo sie den Anschlussflug nach Toronto gebucht haben. Ein bisschen Anspannung ist da schon zu spüren: Den Flug werden sie wohl nicht mehr erreichen.

„Streiks sind wie ein zweischneidiges Schwert“

Solche Fälle kann auch der Krisenstab von Germanwings nicht immer vermeiden. Einen Tag hatten die aus allen Abteilungen wie Flugbetrieb und Planungsabteilung zusammengerufenen Spezialisten Zeit, sich auf den Streik einzustellen. „Da wird dann ein komplett neuer Flugplan erstellt“, sagt Schöttes. Das sei ein großer Organisationsaufwand. Es müsse sichergestellt werden, dass alles perfekt und professionell laufe. Wichtig sei es, die Kunden frühzeitig und vollständig zu informieren, um ihnen die Unsicherheit zu nehmen und gerade zum Ende
der Urlaubszeit den Rücktransport zu sichern.

Neben Köln ist der Flughafen Stuttgart vom Ausstand der Piloten besonders betroffen. Um kurz nach fünf Uhr füllen sich dort allmählich die Schlangen an den Service-Schaltern. „Das ist ganz großes Kino!“, sagt eine Kundin sarkastisch. Eigentlich wollte sie nach Bremen fliegen. „Heute Abend muss ich wieder auf ein Schiff steigen. Wenn ich das nicht bekomme, habe ich richtig schlechte Laune.“

Auch eine vierköpfige Gruppe älterer Herren und Damen steht im Service-Bereich an. Sie wollten ursprünglich nach Hamburg reisen. Einer der Männer sagt: „Die Streiks sind wie ein zweischneidiges Schwert. Klar sind die Piloten im Stress. Doch ein normaler Arbeiter muss bis 67 arbeiten.“

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