Unternehmen Volvo und Saab: Überlebenskampf am Tropf von Großkonzernen

Ein Saab 96 auf einer Oldtimershow in Polen: Kann die Marke wiederbelebt werden?

Ein Saab 96 auf einer Oldtimershow in Polen: Kann die Marke wiederbelebt werden?© dpa

Die schwedische Automarke Saab steht mal wieder am Abgrund. Bis zum Samstag müssen die chinesischen Eigner neue Investoren präsentieren, sonst ist es aus mit der Marke. Volvo hingegen geht es glänzend. Was macht der eine richtig und der andere falsch?

Von außen betrachtet, haben die schwedischen Traditionsmarken Saab und Volvo vieles gemeinsam: Sie stehen für solide Autos mit Stil, beide wurden zur Jahrtausendwende an amerikanische Autokonzerne verkauft, heruntergewirtschaftet und zehn Jahre später von chinesischen Konsortien übernommen. Doch während Saab immer noch am Abgrund steht, ist Volvo wieder im Rennen.

Bei Saab in Trollhättan ist es mal wieder fünf vor zwölf. Bis zum Samstag müssen die chinesischen Eigner, das Konsortium NEVS, neue Investoren präsentieren. Sie hoffen aber auf Aufschub und wollen am Montag beim zuständigen Gericht um eine Verlängerung der Frist bitten. Das Gericht hatte ihnen schon einmal mehr Zeit gewährt. NEVS steht mit einer halben Milliarde schwedischer Kronen (54 Millionen Euro) bei seinen Lieferanten in der Kreide. Bislang konnte nur ein gerichtlich garantierter Gläubigerschutz die Insolvenz abwenden.

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Bei der Volvo Car Group in Torslanda hingegen sieht man der Zukunft freudig entgegen. Bis zum Ende des Jahres wollen die Schweden weltweit 470.000 Autos verkaufen. Das wären zehn Prozent mehr als 2013 und so viele wie noch nie zuvor in der Geschichte des Konzerns. Bis 2020 sollen es 800.000 Autos sein.

Warum Volvo besser dasteht

Warum ist Volvo gelungen, was Saab partout nicht hinbekommt? „Man kann die beiden Unternehmen nicht miteinander vergleichen“, sagt Ökonom Mikael Wickelgren von der Universität in Göteburg. Saab habe nie so eine solide Basis gehabt wie Volvo. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen sieht das ähnlich: „Volvo hatte eine ganz andere Substanz als Saab.“ Die Stückzahlen seien stets deutlich höher gewesen als bei Saab.

Bei Saab sei die Autoproduktion nur Beiprodukt eines Rüstungskonzerns gewesen, „eine Art Hobby“, sagt Wickelgren. Deshalb hätten die Schweden den Automobilbereich ab 1990 stückweise an General Motors verkauft. Und damit habe der Abstieg begonnen. „GM hat die Marke Saab kaputt gemacht“, ist Wickelgren überzeugt.

Dass mit dem chinesischen Konsortium NEVS ein Investor ohne finanzielle Muskelkraft das Ruder übernahm, war dann doppeltes Pech. Nur sechs Monate nach der Wiederaufnahme der Produktion im November 2013 standen die Bänder schon wieder still. Ein Partner war abgesprungen und seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachgekommen. Ob die Marke Saab je wieder eine Chance auf dem Automarkt hat, wagt der Göteborger Dozent nicht zu beurteilen: „Ich sehe nur, dass die Leute, die dafür arbeiten, daran glauben“.

Rettung durch Chinesen?

Mit Volvo sei das schon immer einer andere Geschichte gewesen. Volvo – 1927 als Autobauer gegründet – habe erst später begonnen, auch Lastwagen, Busse und Baumaschinen zu fertigen, so Wickelgren. Als es zur Wirtschaftskrise kam, konnte Volvo nicht in alle Sparten gleichermaßen investieren und verkaufte die Volvo Car Cooperation 1999 an Ford. Doch die Amerikaner hätten nicht verstanden, was sie da gekauft hatten: „Volvo war ständig unterfinanziert.“

Für Volvo war die Übernahme durch den chinesischen Konzern Geely 2010 die Rettung, der Deal brachte beide Partner in eine Winwin-Situation. Für den jungen Emporkömmling Geely mit seinem noch recht simplen Modellprogramm und 16 Jahren Produktionserfahrung war die Übernahme des schwedischen Autoherstellers mit weltweit bewunderter Spitzentechnologie ein Prestigeprojekt, das die eigene Marke aufwertete. Die Schweden hingegen bekamen einen zuverlässigen Investor mit Zukunftsvisionen und Zugang zum chinesischen Markt.

Mit dem neuen Flaggschiff XC90, einer Geländelimousine, will Volvo nun auch den deutschen Marken Audi, BMW und Mercedes, die den weltweiten Oberklassemarkt dominieren, sowie der japanischen Toyota-Luxusmarke Lexus Konkurrenz machen. Dazu wird die Produktion im schwedischen Torslanda bei Göteborg ausgeweitet. Ab April nächsten Jahres soll mit der Fertigung des XC90 eine dritte Schicht eingeführt werden. 1300 Neueinstellungen sind dazu erforderlich.

Düstere Aussichten für Saab

Dass der europäische Automarkt als gesättigt gilt, kann die Schweden nicht abschrecken. „Wir sehen uns als eine der fünf Prestigemarken, ohne dass wir unser Mittelklassesegment in Schweden aufgeben“, sagte Volvo-Chef Hakan Samuelsson jüngst. Auch Autoexperte Dudenhöffer sieht gute Chancen für Volvo im Premiummarkt. Samuelsson mache eine „gute, systematische Arbeit“ und habe die Marke Schritt für Schritt preislich nach oben geschoben, mit Erfolg.

Von so viel Optimismus kann man bei Saab nur träumen. Selbst wenn die chinesischen Eigner neue Investoren gefunden haben – es ist keineswegs sicher, ob jemals wieder Limousinen mit dem Namen Saab in Trollhättan vom Band gehen.

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