Unternehmen Warenprobe: Das steckt alles in einem Spitzer

Jeden Monat stellt impulse ein Produkt vor und zeigt, wie es entsteht. Diesmal unter der Lupe: der Bleistiftspitzer eines Erlanger Familienbetriebs.

 


1908 nutzt Theodor Paul Möbius ein Patent seines Angestellten Heinrich Ruppert und produziert erstmals industriell ­Bleistiftspitzer. Es kommt zum Streit. Ruppert und Theodors Bruder Alfred Möbius steigen aus und gründen 1922 die Firma Möbius + Ruppert, die auch unter dem Kürzel M + R firmiert. Zunächst hatten die Spitzer eine Quaderform. Als in den 30ern die Schwenkkopfsäge erfunden wurde, konnte Alfred Möbius die Körper schräg schneiden. Das sparte Material. Zeitweise hatte die Firma ­einen Anteil am Weltmarkt von geschätzten 75 Prozent. Heute leiten Möbius’ ­Urenkel das Unternehmen. Sie produzieren auch Geodreiecke und Zirkel.

 
Körper: Möbius + Ruppert, Erlangen.
Das Magnesium kommt in Stangen aus China, hat bereits den Materialsparwinkel (an der Seite, wo der Stift reinkommt hoch, an der anderen flach). In Erlangen sägt ein Automat die Körper von der Stange. Die selbst gebaute Maschine prägt auch die Ober­fläche. Sie bohrt Löcher, eines für die Schraube, eines, in das der Bleistift passt, fräst das Messerbett, entgratet Kanten, beizt die Oberfläche.
 
Schraube: Firma Laro, Sirtori, Italien.
Der Familienbetrieb in der Lombardei presst kalten Draht zu Schrauben, ­ohne dass Abfall anfällt. Danach werden sie galvanisiert, damit sie nicht rosten. Früher mussten Firmen für Kreuzschlitzschrauben Lizenzgebühren an den Erfinder Henry Phillips zahlen. 1949 ist das Patent ausgelaufen. Durch das Kreuz können die Schrauben schneller gedreht werden.
 
Messer: Möbius + Ruppert, Erlangen.
Die Messer werden gehärtet, indem sie in einem Ofen auf 820 Grad Celsius erhitzt und in einem Ölbad bei 60 Grad abgeschreckt werden. Dann folgt das Schleifen in drei Schritten. Die Schleifmaschine wurde bei Möbius + Ruppert selbst entwickelt. Entscheidend ist das Stapeln der Messer. Diese Technik macht den Vorgang effizient, und alle Kingen werden gleich scharf.
 
Messerstahl: Firma Kaltband, Reinach, Schweiz.
Der Stahl für das Messer wird auf 300-Kilo-Rollen geliefert, die vom Familienbetrieb Kaltband stammen. Das Messer ist das wichtigste Teil jedes Anspitzers, sagt Ernst Fischer, Enkel des Gründers von Möbius + Ruppert. In Erlangen werden die Stahlrollen gerade gebogen. Sie bekommen Löcher für die Schraube eingestanzt und werden geprägt. All das macht eine Maschine, die die Ingenieure selbst gebaut haben. Am Ende stanzt sie die einzelnen Messer aus.
 
Montage: Firma Möbius + Ruppert, Erlangen.
Den ­Zusammenbau übernimmt ein Vollautomat. Auch der wurde selbst gebaut und selbst entwickelt von Diplomingenieur Ernst Fischer und seinen Mitarbeitern.
 
Magnesiumdolomit: CMC, Pingyao, China.
Magnesium wird aus Magne­siumdolomit gewonnen. Wo der Grundstoff genau herkommt, ist für Möbius + Ruppert schwer zu ­ermitteln. Der chinesische Händler bezieht den Stoff von verschiedenen Herstellern, einer der großen ist die China Magnesium Corporation, kurz CMC. Auf den Packungen steht nie, wer was produziert hat.
 
Magnesium: Gena Technology, Peking, China.
Der Spitzer ist aus Magne­sium, so bleibt er rostfrei. Früher kaufte M + R den Rohstoff bei Otto Fuchs in Meinerzhagen. Wer Magnesium produziert, braucht viel Strom. Das rentiert sich nur noch, wenn der billig ist – wie in China. Beim Magnesiumherstellen wird 45-mal so viel CO2 wie beim Stahlschmelzen frei. In Europa muss man dafür Zertifikate kaufen, in China nicht. M + R braucht fünf Tonnen im Monat. Der Händler Gena Technology verlangt Vorauszahlung und gibt keine Garantie.

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