Leben Trinkwasser statt Eiskübel

Benjamin Adrion hat Viva con Agua gegründet.

Benjamin Adrion hat Viva con Agua gegründet.© Viva con Agua

Unglaublich: 70.000 Euro in drei Wochen - so viele Spenden hat der ehemalige Profifußballer Benjamin Adrion mit seinem Social Business "Viva con Agua" noch nie in so kurzer Zeit eingesammelt. Plötzlich schwimmt er unverhofft im Geld. Schuld ist die Ice-Bucket-Challenge, die so mancher als ärgerliche Verschwendung von Trinkwasser empfindet.

Der ehemalige Profifußballer Benjamin Adrion kämpft weltweit für sauberes Trinkwasser. Sein Social Business Viva con Agua verkauft Sprudel – mit dem Gewinn werden Brunnen in Entwicklungsländern gebaut. Zudem sammeln rund 6000 ehrenamtliche Helfer Spenden, etwa indem sie Besuchern bei Festivals und Fußballspielen des FC St. Pauli, wo Adrion zuletzt kickte, Pfandbecher abschwatzen. Zu den Unterstützern der ersten Stunde zählt die Band Fettes Brot und Bela B von den Ärzten. Doch kein prominenter Spender und keine Aktion hat in so kurzer Zeit soviel Geld in die Kassen gespült wie die Ice-Bucket-Challenge, mit der eigentlich Geld für den Kampf gegen die Nervenkrankheit ALS gesammelt wird. 

Herr Adrion, seit Wochen schütten sich Menschen bei der Ice-Bucket-Challenge eiskaltes Wasser über den Kopf  – und plötzlich schwimmen Sie sozusagen im Geld.

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Das hat uns völlig unvorbereitet getroffen. Die Ice-Bucket-Challenge hat  immer größere Kreise gezogen und ist im positiven Sinn entglitten. Seit drei Wochen steigen bei uns das Spendenaufkommen und auch die Zahl der Fördermitgliedschaften rasant an. 70.000 Euro haben wir allein online gespendet bekommen mit Vermerk auf die Ice-Bucket-Challenge. Ein schönes Beispiel dafür, wie sich virale Kommunikation in Netzwerken verbreitet. Das hat niemand strategisch planen können.

Wie hat das angefangen?

Einige Spieler vom FC St. Pauli und auch der neue Trainer des Vereins haben öffentlich für uns gespendet. Dann hat es die Runde gemacht.

Viva con Agua sammelt Geld ja auch durch Pfandbecher auf Festivals, durch Spendenläufe an Schulen und andere Aktionen. Wäre so eine Challenge auch mal eine Idee?

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Der ehemalige Profifußballer Benjamin Adrion hat Viva con Agua 2005 ins Leben gerufen.

Auf jeden Fall. Das war für viele soziale Initiativen ein interessanter Showcase. Es wird sicherlich viele Nachahmer geben. Aber man kann den Erfolg einer solchen Aktion nur sehr schwer planen. Ich glaube aber nicht, dass jeder einfach so eine Welle lostreten kann. Dafür braucht man die richtigen Multiplikatoren, die die Aktion weitertragen. Prominente wie Bill Gates und bekannte Fernsehmoderatoren haben in den USA für diese extreme Verbreitung gesorgt. Solche Leute haben wir in unserem Netzwerk theoretisch auch, aber wir haben uns noch keine Gedanken darüber gemacht, wie wir selbst so eine Aktion angehen könnten.

Was wollen Sie mit dem unverhofften Geldregen machen?

Wir haben laufende Projekte, die teilweise auch über Jahre angesetzt sind. Die Mehreinnahmen in diesem Jahr werden nicht dazu führen, dass wir hektisch werden. Wir werden die bestehenden Projekte nur vielleicht schneller abschließen und neue Projekte früher starten können. Unser Projekt in Nepal läuft zum Beispiel über vier Jahre. In Kenia wollen wir ein neues Projekt anfangen. Da könnten die Spenden eine erste Startfinanzierung sein.

 
 

Mehr über die Ice-Bucket-Challenge auf impulse.de:
Kalt erwischt: Warum sich Bill Gates mit Eiswasser überschüttet

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