Unternehmen GDL-Entscheidung: Kommt jetzt der 100-Stunden-Streik?

Ein Streikplakat der GDL im Bahnhof von Kaltenkirchen, Schleswig-Holstein

Ein Streikplakat der GDL im Bahnhof von Kaltenkirchen, Schleswig-Holstein© dpa/picture-alliance

Die Signale bei der Bahn stehen mal wieder auf Streik. Und dieses Mal könnte er sogar bis zu 100 Stunden dauern. Warum ein Lokführer-Streik immer wahrscheinlicher wird.

Bei der Bahn weisen die Signale immer deutlicher auf einen erneuten Streik der Lokführergewerkschaft GDL. Vor der entscheidenden Sitzung der Führungsgremien ließ GDL-Chef Claus Weselsky am Mittwoch in Frankfurt keinen Zweifel daran, dass er seiner Gewerkschaft einen Streik empfehlen wird. Das „Schwarze-Peter-Spiel“ und die Verzögerungstaktik der Bahn seien jetzt beendet.

Zu Umfang und Zeitpunkt des Streiks wollte Weselsky vor den Gremienbeschlüssen noch nichts sagen. Er hatte aber früher bereits angekündigt, dass der mittlerweile siebte Streik der Lokführer in diesem Tarifkonflikt mindestens 100 Stunden dauern könne.

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Warum droht die GDL jetzt wieder mit Streiks?

Die Lokführergewerkschaft hat das Gefühl, dass die Verhandlungen mit der DB AG steckengeblieben sind. Mit Ausnahme der als „Durchbruch“ gefeierten Einmalzahlung von 510 Euro für das vergangene Jahr steht der streitbare GDL-Chef Claus Weselsky mit leeren Händen vor seinen Mitgliedern, und das nach etlichen Verhandlungsrunden und sechs Streiks seit Sommer 2014. Noch kein einziges Mal, so bestätigt auch die Bahn, wurde über inhaltliche Forderungen der GDL nach kürzerer Arbeitszeit und nach 5 Prozent mehr Geld gesprochen.

Welche Rolle spielt das geplante Gesetz zur Tarifeinheit?

Eine sehr große, denn es wird voraussichtlich die Tariflandschaft bei der Deutschen Bahn kräftig aufmischen. Künftig soll pro Betrieb nur noch die jeweils größte Gewerkschaft Tarifverträge abschließen, die anderen dürften faktisch nicht mehr streiken. Da bestehende Verträge Bestandsschutz erhalten sollen, entsteht ein gewisser Zeitdruck, vorher noch zu einem Abschluss zu kommen. In Berlin wird nach dem bisherigen Zeitplan damit gerechnet, dass sich der Bundesrat spätestens am 10. Juli auf seiner letzten Sitzung vor der parlamentarischen Sommerpause abschließend mit dem Thema befasst.

Spielt die Bahn wegen des Gesetzes auf Zeit?

Das behauptet zumindest die GDL. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hält dagegen: „Wir wollen nicht auf das Gesetz warten, weil wir nicht wissen, wann es kommt und wie es kommt.“ Er wolle auf dem Verhandlungswege mit den Gewerkschaften Tarifverträge schließen. Und die sollen mit GDL und der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG möglichst deckungsgleich sein, was die Sache zusätzlich verkompliziert. Die GDL verlangt nicht weniger als eine komplett neue Struktur der Tarifverträge bei der Bahn, die möglichst in die GDL-Flächentarife mit den anderen Bahnen passen sollen.

Welche Ziele verfolgt die GDL mit Blick auf die Tarifeinheit?

Die GDL-Strategie ist darauf ausgerichtet, den eigenen Einfluss im Fahrbetrieb der DB AG auszuweiten. In einem möglichst großen Teilbereich will die GDL eine realistische Chance erhalten, in späteren Jahren die größere und damit tariffähige Gewerkschaft zu sein. Neben den Lokführern sollen daher aktuell für das gesamte Zugpersonal inklusive der Rangierlokführer gültige Verträge verhandelt werden. Der EVG-Konkurrenz will Weselsky kampflos nur den monopolisierten Infrastrukturbereich zugestehen, den die DB für sämtliche Eisenbahn-Unternehmen vorhalten muss. Das wären in erster Linie Beschäftigte bei der Netz AG, der Wartung und in den Bahnhöfen.

Warum ist der Flächentarifvertrag für die GDL so wichtig?

Sie will einheitliche Arbeitsbedingungen für die Lokführer möglichst aller Bahnunternehmen in Deutschland erreichen. Sie hat dafür über Jahre hinweg die bei der Deutschen Bahn erreichten Standards bei den kleineren Eisenbahnverkehrsunternehmen durchzusetzen versucht – nicht selten begleitet von Streiks. Besonders wichtig ist den Lokführern die Sicherung ihrer Jobs auf dem gleichen Lohnniveau bei einem Betriebsübergang, wie er bei der Neuvergabe von Transportleistungen bei der Bahn häufiger vorkommt.

Wie verhält sich die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft?

Abwartend. Ihre Ziele stimmen insoweit mit denen der DB AG überein, als dass sie keine voneinander abweichenden Tarifverträge innerhalb einer Berufsgruppe will. Ganz ohne Streik hat auch die EVG für ihre Mitglieder eine ansehnliche Einmalzahlung herausgeholt. Besonders wichtig ist ihr, dass die unteren Gehaltsgruppen bis hin zur Putzfrau oder dem Sicherheitsbegleiter überproportional vom kommenden Tarifabschluss profitieren. Bezahlen müssten das unter anderem die höher eingruppierten Lokführer, die dazu bislang keine Bereitschaft gezeigt haben.

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