Leben Warum jeder Unternehmer einen eigenen Baum haben sollte

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In Aschaffenburg: 2300 Bäume haben wir dort gemeinsam gepflanzt

In Aschaffenburg: 2300 Bäume haben wir dort gemeinsam gepflanzt© Jens Junicke

Haben Unternehmer eine besondere Verpflichtung, sich sozial zu engagieren? Ja, sagt Vanessa Weber. Die impulse-Bloggerin erklärt, warum sie andere Firmenchefs dazu motiviert, in ihren Regionen Bäume zu pflanzen.

Es gibt ein Bild, das mich wirklich beeindruckt hat: Die Leipziger Lichterkette, mit der Tausende 1989 für die Wiedervereinigung Deutschlands demonstrierten. Eine friedliche Aktion, bei der die Menschen eine Kerze nach der anderen angezündet und so eine ewig lange Kette geschaffen haben.

Ich bin bei den Wirtschaftsjunioren aktiv. Sie sind Teil eines weltweiten Verbandes, dem Junior Chamber International (JCI). Dort gibt es ein Motto, das mich immer wieder an dieses Bild aus Leipzig erinnert: One candle can light the dark. Die Idee dahinter: Jemand fängt mit einem kleinen Schritt an, eine positive Veränderung in der Welt zu erzeugen – und immer mehr machen mit. Meine ganz persönliche positive Veränderung ist der JCI-Treecounter, dessen Funke ich weitergeben möchte. Der Treecounter ist ein Projekt, das ich zusammen mit der Initiative „Plant for the Planet“ gestartet habe.

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Die Geschichte meines Projekts beginnt vor zwei Jahren. Damals habe ich für die bayrische Landeskonferenz der Wirtschaftsjunioren einen passenden Keynotespeaker gesucht. Ich weiß nicht mehr genau wie, aber bei der Recherche bin ich auf ein Youtube-Video gestoßen: Da stand ein Junge, 9 Jahre alt, mit seinen Freunden vor dem UN-Rat und hat ordentlich die Klimapolitik angeprangert. Er hat ihnen erklärt: Ihr entscheidet über eine Welt, in der ich leben muss – also will ich auch ein Mitspracherecht haben!

1000 Milliarden Bäume gegen den Klimawandel

Das fand ich unglaublich beeindruckend. Ich meine, manchmal fangen selbst Erwachsene auf einer großen Bühne an zu stottern – und er marschierte einfach drauf los. Der Junge in dem Video ist Felix Finkbeiner – jemand, der mich persönlich sehr beeindruckt. Er ist der Gründer der Kinder- und Jugendinitiative „Plant-for-the-Planet“, die bis 2020 rund 1000 Milliarden Bäume pflanzen will, um dem Klimawandel entgegenzuwirken – und die Klimaerwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Neben der Reduktion der CO2-Emissionen ist es wichtig, das CO2, das täglich in die Atmosphäre gepustet wird, zu binden. Dazu sind die Bäume der Schlüssel.

Stop Talking - Start Plating! Felix und ich auf einem Foto für Plant for the Planet

Stop Talking – Start Plating! Felix und ich auf einem Foto für Plant for the Planet

Die Rechnung von Plant for the Planet ist folgende: Wenn jeder Mensch 150 Bäume pflanzt, ist die enorme Zahl von 1000 Milliarden leicht zu erreichen. Die muss man aber nicht selbst pflanzen. Plant-for-the-Planet pflanzt diese Bäume mit Partnern in verschiedenen Regionen der Erde. Für einen Euro pflanzen sie beispielsweise in Mexiko auf stiftungseigenem Grund einen Baum. Zudem beinhaltet das Projekt Akademien für 10-12-Jährige, in denen die Kinder nicht nur etwas über Klimaschutz lernen, sondern auch rhetorisch fit gemacht werden, um selbst wieder viele andere Kinder und Erwachsene „aufzuklären“ und ihr Wissen weiter zu geben.

Inspiriert wurde Felix für sein Projekt von der kenianischen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maatha, die hunderte Baumschulen gegründet und 30 Millionen Bäume gepflanzt hat. Von ihr hat er auch offiziell die Verantwortung für den internationalen Baumzähler der Vereinten Nationen geerbt.

Von Aschaffenburg in die Türkei

Ich konnte damals Felix als Keynotespeaker für die Wirtschaftsjunioren-Konferenz gewinnen. Dort habe ich ihn dann auch zum ersten Mal persönlich kennengelernt und war so begeistert, dass ich ihn sofort bei seinem Projekt unterstützen wollte – finanziell, aber auch im Rahmen der Wirtschaftsjunioren.

Ich habe das Projekt in unserem Aschaffenburger Wirtschaftsjuniorenkreis vorgeschlagen und wir haben dort dann gemeinsam 2300 Bäume gepflanzt und eine Plant-for-the-Planet-Akademie durchgeführt. Ich war vollkommen perplex von der positiven Veränderung, die in den Köpfen der Kinder stattfand. Es sind sogar Eltern zu mir gekommen und haben mir erzählt, dass ihre Kinder die Bravo-Poster runtergerissen und sie durch Felix-Poster ersetzt hätten – nicht weil er so ein Superstar ist, sondern weil sie die Idee dahinter so toll fanden.

Bei unserer Pflanzaktion in der Türkei 2014

Bei unserer Pflanzaktion in der Türkei 2014© privat

Mein Neffe war auch mit in der Akademie und vollkommen euphorisch. Er hat mich anschließend mit Ideen überhäuft: „Vanessa, wir müssen jetzt das machen, und das, und das …“. Und er hat sich in die Firma gesetzt und händisch Plakate gemalt. Da dachte ich mir, es wäre doch schade, wenn dieses Gefühl und diese Motivation nur in Aschaffenburg blieben. Also warum nicht anderen davon erzählen und erklären, wie sie das gleiche in ihren Städten umsetzen können?

Erst wollte ich das Projekt nur deutschlandweit ausrollen und habe das Konzept an unseren Bundesvorstand als Anregung geschickt. Aber dann dachte ich mir: Ach komm, warum nicht international? Ich bin aktiv auf internationale JCI-Vereinigungen zugegangen, beispielsweise Monaco und die Türkei. Dort haben wir nun Bäume gepflanzt. Mein großes Ziel ist es, das Projekt in diesem Jahr noch auf der JCI-Weltkonferenz mehreren tausend Mitgliedern aller Länder und Kontinente vorzustellen. Insgesamt haben wir über das Netzwerk schon 105.000 Bäume eingesammelt. Gezählt werden diese JCI-Bäume im Treecounter – einer Website, die wir extra dafür aufgesetzt haben. Dort kann jeder JCI-Verband eintragen, wie viele Bäume er bis 2020 pflanzt. Die Website ist quasi ein Versprechen.

Zwischen Verpflichtung und PR-Vorwurf

Generell denke ich, dass Unternehmer eine besondere Verpflichtung haben, sich sozial zu engagieren. Denn Unternehmer zu sein bedeutet auch gleichzeitig, Vorbild zu sein. Neben Plant for the Planet bin ich noch in anderen Projekten aktiv, zum Beispiel dem Marktplatz der guten Geschäfte. Dort kann man Sachspenden abgeben – oder selbst etwas machen. Ich habe meinen Mitarbeitern gesagt: „Wer sich für diese Organisation engagieren möchte, der bekommt einen Tag Urlaub.“ Das bedeutet, dass er zum Beispiel einem Kindergarten hilft zu streichen, oder einem Vogelschutzbund, kleine Nistinseln zu bauen. Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass sich auch meine Mitarbeiter engagieren. In diesem Bereich kann man als Unternehmer sehr viel tun, vor allem wenn man es auch selbst vorlebt.

Man hört oft den Vorwurf, dass Firmen sich nur für die PR sozial engagieren. Aber ich glaube, man merkt sehr schnell, ob bei einem Unternehmer Leidenschaft dabei ist – oder nicht. Und selbst wenn der Beweggrund bei manchen nur ein guter Presseartikel sein sollte, dann ist das zwar schade, aber etwas Gutes tun sie trotzdem.

Jeder muss sich bei diesem Thema selbst an die eigene Nase fassen. Und ich für meinen Teil setze die Dinge um, die ich für gut halte – und hoffe, dass die Projekte genügend Unterstützer und Nachahmer finden.

 

Meine Tipps für soziales Engagement:

  • Informieren Sie sich gut! Versuchen Sie direkt mit den Projektleitern zu sprechen und sehen Sie sich die Projekte – falls möglich – selbst an.
  • Sie müssen nicht unbedingt in die Ferne schweifen: Unterstützen Sie regionale Projekte. Oftmals können hier die IHKs mit Informationen weiterhelfen.
  • Suchen Sie sich ein Projekt aus, bei dem nicht nur Geldspenden, sondern auch Man-Power gefragt sind. Denn Geld spenden ist schnell gemacht, aber eigentlich geht es um die Aktion.
  • Integrieren Sie Ihre Mitarbeiter: Gemeinsam beispielsweise einen Kindergarten aufzubauen ist auch zugleich eine wunderbare Teambuilding-Maßnahme.

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