Branchen und Märkte Was Chinas Krise für deutsche Firmen bedeutet

Stahlarbeiter in China: Mit der Abwertung des Yuan soll der schwache Export angekurbelt werden.

Stahlarbeiter in China: Mit der Abwertung des Yuan soll der schwache Export angekurbelt werden.© picture alliance / dpa

Erst bricht der Export ein, dann wird der Yuan abgewertet: Die Sorgen um den Zustand der chinesischen Wirtschaft wachsen. Was bedeutet das für deutsche Unternehmen?

Der chinesische Export bricht ein, die Industrieproduktion lahmt und die Umsätze im Einzelhandel sind schwächer als erwartet: Der Wachstumsmotor China ist ins Stottern geraten. Peking reagiert mit drastischen Maßnahmen: Auf Eingriffe am Aktienmarkt vor einigen Wochen folgte eine Abwertung der Landeswährung Yuan (Renminbi).

Die Zweifel wachsen, ob die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ihre Wachstumsziele in diesem Jahr erreichen kann. Bremst das die Exportnation Deutschland aus?

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Warum drückt Peking den Kurs des Yuan?

Nach Ansicht von Experten soll damit der schwache Export angekurbelt werden. Im Juli waren die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,3 Prozent eingebrochen. Ein Grund für die Yuan-Abwertung sei, „dass Chinas Wirtschaft eindeutig unter einer Schwächephase leidet“, meint Devisenexperte, John J. Hardy, von der Saxo Bank. Chinesische Unternehmen können ihre Exporte durch die Abwertung günstiger auf dem Weltmarkt anbieten.

 

Müssen sich deutsche Unternehmen auf härtere Konkurrenz einstellen?

Das ist sehr wahrscheinlich. Zwar würden Technologieprodukte vor allem über die Qualität verkauft, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben. „Aber natürlich spielt auch der Preis immer eine Rolle – und hier erhalten chinesische Konkurrenten durch die Abwertung nun einen Vorteil.“

Bereits in den letzten Jahren sei der Marktanteil chinesischer Unternehmen weltweit gestiegen. So sei das Land beispielsweise inzwischen der größte Lieferant Indiens im Maschinenbau.

 

Welche Bedeutung hat China für deutsche Firmen generell?

China ist mit Abstand Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner in Asien. Im vergangenen Jahr wurden laut Statistischem Bundesamt Waren „made in Germany“ im Gesamtwert von 74,5 Milliarden Euro nach China ausgeführt. Damit war China der viertwichtigste Absatzmarkt für deutsche Firmen – nach Frankreich, den USA und Großbritannien.

Umgekehrt ist Deutschland wichtigster Handelspartner für das Reich der Mitte in Europa: Die Einfuhren aus China lagen 2014 bei rund 79,7 Milliarden Euro. Nur aus den Niederlanden wurde mehr importiert.

 

Welche Branchen profitieren besonders von den Handelsbeziehungen?

China ist der weltweit wichtigste Absatzmarkt für deutsche Maschinen. 2014 gingen nach Angaben des Branchenverbands VDMA Maschinen und Anlagen aus deutscher Fertigung im Gesamtwert von 17 Milliarden Euro in die Volksrepublik. Damit hatte China 11,2 Prozent Anteil an den deutschen Maschinenexporten, die USA als zweitwichtigster Markt kamen auf 10 Prozent.

Auch für Autobauer ist der Riesenmarkt ein Muss. Bei Europas größtem Autobauer Volkswagen etwa entfällt ein gutes Drittel des Konzernabsatzes auf China.

Für die deutsche Elektroindustrie war China 2014 erstmals die Nummer eins unter den Absatzmärkten – noch vor den USA. Die Exporte deutscher Elektro- und Elektronikhersteller haben sich nach Zahlen des Branchenverbands ZVEI von 2,5 Milliarden im Jahr 2000 auf 14,9 Milliarden Euro im Jahr 2014 versechsfacht.

 

Spüren deutsche Unternehmen die Abkühlung schon?

Die Flaute auf dem weltgrößten Automarkt setzt den Herstellern zu: VW legte eine durchwachsene Halbjahresbilanz vor und kassierte seine Verkaufsprognose. Die Elektroindustrie exportierte im Mai weniger Waren nach China als im Vorjahresmonat. „Das war der erste Rückgang seit Spätsommer 2013“, sagt ZVEI-Chefvolkswirt Andreas Gontermann.

Die deutschen Maschinenbauer klagten zuletzt über fehlende Nachfrage aus dem Reich der Mitte. Die Yuan-Abwertung lässt die deutschen Autohersteller allerdings weitgehend ungerührt. Volkswagen, Daimler und BMW, die überwiegend für den chinesischen Markt in China produzieren, erwarten vorerst keine größeren Probleme.

Wenn der Wert des Yuan sinkt, fallen zwar die Einnahmen in China geringer aus, wenn man sie in Euro umrechnet. Dafür müssen die Hersteller aber umgerechnet auch weniger für ihre Produktion in dem Land ausgeben.

 

Wie bedeutet die Abkühlung der Wirtschaft in China langfristig für die deutsche Wirtschaft?

„Früher hieß es, wenn Amerika hustet, hat die Weltwirtschaft eine Grippe. Heute kann der Schwächevirus durchaus aus China kommen“, meint Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Sein Kollege von der Commerzbank, Jörg Krämer, warnt: „Für Deutschland ist das Nachlassen des Wirtschaftswachstums in China ein beträchtliches Risiko, das nur deshalb nicht voll durchschlägt, weil die Nullzinsen der EZB in Deutschland zunehmend die Binnennachfrage anfachen.“

 

Worauf stellt sich die deutsche Wirtschaft mit Blick auf China ein?

„Die langsamere Gangart kann letztlich Teil einer gesünderen Entwicklung werden“, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Wansleben. Wachstumsraten von acht bis zehn Prozent seien auf Dauer nicht nachhaltig. „Künftig sind Zuwächse in Höhe um sechs bis sieben Prozent realistischer. Das sind in diesem Jahr immerhin rund 700 Milliarden Dollar Zuwachs – das entspricht einmal komplett der Schweizer, der niederländischen oder der türkischen Wirtschaft“.

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